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Wandel durch Handel,

das war unser Rezept um mit Europa in der Welt bestehen zu können. In Wirklichkeit hat es nur Oligarchen genährt, die ihre Interessen gnadenlos und ohne Rücksicht verfolgen. So kommt eine aktuelle Studie der Universität Bonn im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung letztlich zu dem traurigen Ergebnis: “Ein realistischeres Ziel könnte darin bestehen, eine Politik zu entwerfen, die das Abhängigkeitsniveau der Wirtschaft von ‘hoher Verwundbarkeit’ zu ‘geringer Verwundbarkeit’ bewegen.”

Dabei hätte unser wirtschaftliches Streben durch eine höhere Diversifikation der Lieferketten gute Chancen gehabt, solche umfassenden Abhängigkeiten zu verhindern. Aber wirtschaftliches Streben orientiert sich nicht an feingeistigen Souveränitätsgedanken, sondern ausschließlich am Benefit der Oligarchen – die Politik hat in diesem Sinne versagt. Was mich an ein Zitat von Frank Zappa erinnert, der 1990 ein bemerkenswertes Interview gab und mit dem Satz schließt: “Die Politik, das ist die Unterhaltungsabteilung der Industrie”. (im Original hier nachzulesen, es lohnt sich, vor allem aus heutiger Sicht.

Nachdem sich angesehene Politiker von ihren pazifistischen Leitgedanken erfolgreich trennen konnten und wir im gleichen Zug lernen mussten, dass das Gute nicht unbedingt gewaltfrei sein muss, rufe ich auf, selbst zu den Waffen zu greifen!

Jeder Schuss ein Treffer, so denkt auch Google, wenn wir diese Suchmaschine beauftragen, egal was. Google setzt noch eine lange Zeichenkette an jedes Ergebnis, was nichts mit der Seite zu tun hat, die aufgerufen werden soll, sondern nur einen gewissen Wiedererkennungswert ermöglicht. Damit sind eine ganze Reihe von Informationen verbunden, die uns analysieren und bei einer der folgenden Suchen (=Interessen) ganz vorne präsentiert werden, gerne auch gleich verknüpft mit einem Google-Konto. Wenn das Töchterchen am Nachmittag eine Hausarbeit über Katzen mit Google anfängt, bleibt zu hoffen, dass Papi nicht am Vorabend nach Muschis gesucht hat. Aber wir haben ja nichts zu verstecken – oder vielleicht doch?

Souveränität hat einen Preis, der ist allerdings nicht allzu hoch. Zuvörderst sollten wir versuchen, die Omnipräsenz des Suchgiganten einzuschränken. Wir können ihn aussperren wir hier beschrieben oder wer ein iPhone/iPad oder MacOS benutzt, erledigt es mit einem Lockdown für Google. Leider gibt es dieses kleine OpenSource-Programm nicht im PlayStore oder für Windows. Schade, denn (gegen einen kleinen Aufpreis) gibt es sogar ein solides VPN dazu.

Sobald wir erfolgreich Google von der Platte geputzt haben, stehen wir komplett ohne Suchmaschine da. Das mag auf den ersten Blick etwas befremdlich wirken, wenn wir nicht mal schnell was „googlen” können – das ist fast, als wäre das ganze Internet ausgefallen. Keine Angst, Hilfe kommt sofort und umfassend.

Geübte Putinisten werden vielleicht auf den Gedanken verfallen die russische Suchmaschine Yandex einzuspannen, aber die bröseligen Ergebnisse werden kaum große Entzückung hervorrufen – obwohl so russisch sind die gar nicht. Das Rechenzentrum steht in Finnland, wird CO2-neutral mit Windenergie betrieben und der Firmensitz ist in den Niederlanden.

Echte Suchmaschinen gibt es nur in begrenzter Zahl, mit Microsofts Bing kommen wir vom Regen in der Traufe, dem nicht genug gibt es den Kaffeesatz von Microsoft auch über Portale wie Yahoo und viele andere, die prominent Suchfunktionen auf ihren Seite bieten und letztlich Google oder Bing befragen. Natürlich nicht ohne sich selbst an der Datenflut zu laben.

Wer Google nun nicht mehr hat, kann trotzdem Google suchen lassen, für den kommt zum Beispiel mit Startpage ein Anlaufpunkt zum Vorschein – das ist praktisch, wenn wir auf die Ergebnisse von Google nicht verzichten und dennoch keinen Pakt mit dem Teufel schließen wollen.

In Europa entwickeln die Franzosen seit 2011 eine eigene internationale Suchmaschine, die auf den Schutz der Privatsphäre setzt und sich mit den Ergebnissen nicht hinter Google verstecken muss: Quant Eigenwerbung: „Bei Quant verteidigen wir ein Internet im Dienste der User“.

Die andere Möglichkeit sind Metasuchmaschinen, die ihre Ergebnisse aus verschiedenen Quellen zusammenstellen. Wer kennt nicht noch das Urgestein Fireball – die es immer noch gibt.

Empfehlenswert ist MetaGer von “SUMA-EV – Verein für freien Wissenszugang (e.V.) in Kooperation mit der Leibniz Universität Hannover”, die sich “für den freien Wissenszugang im Internet” einsetzen.

Mit einem Blick über den Tellerrand landen wir in der Schweiz, bei Swisscows Eigenwerbung: “Für Swisscows ist nicht nur die Herstellung von Technologien und Produkten wichtig, sondern auch die Aufklärung von Privatpersonen, Lehrern, Erziehern und Unternehmen.”

Grundsätzlich lohnt ein Blick auf die Betreiber/Herausgeber der Seiten, die darüber die Kompetenz und ihre Beweggründe dokumentieren.

Wer nur sich selbst vertraut, der kann seine eigene Suchmaschine anlegen. Das Projekt heisst searX und steht hier zur Verfügung. Weil diese OpenSource-Software (für die Kundigen) einfach zu installieren ist, gibt es ein ganze Reihe dieser Meta-Suchmaschinen, die alle mit “searx” beginnen. Sie sind von unterschiedlicher Qualität oder teilweise für spezielle Anfragen aufgebaut. Eine Liste der Instanzen ist unter dieser Adresse des Projektes abrufbar – um die Perlen für uns zu finden, bleibt nur die eigene Neugier als Antrieb – aber es lohnt sich. Gemein ist allen, dass sie mit “https://searx.” beginnen.

Aber Vorsicht ist die Mutter aller Porzellankisten. Wer eine schwungvolle Version dieser Suchmaschine ausprobieren will, der nimmt diesen Link “https://searx.konjunktion.info/” .

Obwohl diese Instanz hervorragend aufgesetzt ist, fehlt sie in der Liste des Projektes. Die Webseite, die über das Suchmaschinenfenster nicht erreichbar ist, lädt zum Verweilen ein https://www.konjunktion.info. Ein kritischer Blick sollte uns grundsätzlich leiten.

Es gibt weitere Suchmaschinen und Meta-Schmaschinen, die sich meist aus den bekannten Quellen speisen. Bis auf die Instanzen von searX lassen sich die genannten Alternativen als Standardsuchmaschinen in den Browsern einrichten.

Eine relativ neue (echte) Suchmaschine ist unter https://search.brave.com erreichbar, die zwar als „Beta“-Version firmiert – dennoch brauchbare Resultate auf den Bildschirm zaubert. Sie gehört zu Brave, einem Browser – aber das führt jetzt zu weit…. kommt aber noch.

Über den/die Autor*in: Christian Wolf

Christian Wolf ist Autor, Filmschaffender, Medienberater, ext. Datensschutzbeauftragter. Geisteswissenschaftliches Studium (Publizistik, Kulturanthropologie, Geographie), freie Tätigkeiten Fernsehen (RTL, WDR etc.) mit Abstechern in Krisengebiete, Bundestag Bonn und Berlin, Dozent DW Berlin (FS), Industriefilme (Würth, Aral u.v.m), wissenschaftliche und künstlerische Filmprojekte, Projekte zur Netzwerksicherheit, Cloudlösungen. Keine Internetpräsenz, ein Bug? Nein, Feature. (Digtalpurist)

2 Kommentare

  1. Martin Böttger

    Der “Gag” scheint mir zu sein, dass im Internetbrowser – ich persönlich nutze Firefox – die Suchmaschine voreingestellt ist. Firefox-Betreiber Mozilla hatte z.B. einen (lukrativen) Deal mit Google/Alphabet gemacht. Tatsächlich aber habe ich in den “Einstellungen” dieses Browsers die Möglichkeit, die Suchmaschine selbst zu wählen. Und nicht nur die Voreingestellten, sondern auch beliebige weitere. Mann darf nur nicht so ein fauler Sack wie ich sein. Und ich fürchte – bzw. es ist ganz offensichtlich – dass das die Riesenmehrheit ist.
    Von sachdienlichen Hinweisen kann es also nicht genug geben.

  2. Christian Wolf

    Bei den aktuellen Betriebssystemen ist alles voreingestellt, kein Android-Handy ohne einen Account bei Google oder ähnlich bei Windows. Beim Mac habe ich noch die Wahl, das iCloud-Konto gibt es zwar dazu, muss aber nicht genutzt werden. Alles ist darauf ausgerichtet durchweg einen Account offen zu halten. Google hat da ziemlich perfide Wege gefunden und großzügig nicht nur auf YouTube ausgedehnt. An dieses Konglomerat an Abhängigkeiten (nicht nur Google) haben wir uns gewöhnt, denn nur mit einer Zustimmung, die wir irgendwann einmal nebenbei abgenickt haben, sind wir für die Dienste dauerhaft zur Ausbeutung freigeschaltet.

    Die Browser sind natürlich der Schlüssel für alle Aktivitäten – sinnvolle Alternativen bei den Suchmaschinen stehen bereit, wir müssen es nur als Teil unserer Souveränität annehmen und aus der voreingestellten Welt heraustreten.

    Im Gegensatz zu russischem Gas ist die Lösung hier nur einen Klick weit entfernt – aber leider auch nur der Anfang einen langen Kette.

    Und weniger gefährlich ist der schleichende digitale Imperialismus amerikanischer Oligarchen mit Sicherheit nicht – nur unsere umfassende digitale Inkompetenz lässt uns ruhig schlafen.

    Jetzt “Gute Nacht” zu wünschen wäre wohl sehr zynisch…

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