mit Update nachmittags
Vieles gibt es an dem “Offenen Brief” der Zeitschrift Emma an Bundeskanzler Scholz auszusetzen. In der Medienberichterstattung wird er gerne als Brief “von 28 Intellektuellen” bezeichnet, auf den dann “über 50” aus dem Fücks-Zentrum für angebliche Moderne geantwortet hätten. Den Emma-Brief haben immerhin mittlerweile 250.000 Menschen unterzeichnet. Wenn das Publikum sich abwendet, steigert sich die Agitation. Aber eins hat der Emma-Brief geschafft: im TV-Trash wird jetzt immer ein Stuhl (von 5-7) für diese Position warmgehalten. Bei Frau Will sitzt heute Harald Welzer, bei Plasberg morgen Wolfgang Merkel. Ob die Herren starke Besetzungen sind, müssen Sie selber gucken. Ich werde wie immer verzichten.

Noch überraschender für mich, dass auf dem Premium-Sendeplatz der Multiplikatoren-Schickeria, dem “Interview der Woche” des Deutschlandfunks heute mit Lars Pohlmeier von den „Internationalen Ärztinnen und Ärzten zur Verhütung des Atomkriegs“, deren internationale Vereinigung 1985 den Friedensnobelpreis erhielt, kein demagogisch zuspitzender Schwätzer zu Wort kam, sondern einer, der zugleich nachdenklich und entschlossen auftritt. Der passt zum gestrigen Ramelow.

Update nachmittags: Übersehen hatte ich, dass sich Rüdiger Suchsland/telepolis schon gestern ein wenig in Amerika (= Rest der Welt) umgelesen hat. Nach hiesigen Fakenews-Kriterien sind die da von “Putin-Verstehern” überwältigt. Dass das nicht stimmt, interessiert ja nicht. Oder doch?

Serdar Somuncu hat sich – in meiner Wahrnehmung – in letzter Zeit recht rar gemacht. Oder hat er sich schlicht zuviel Ärger eingehandelt? Er redet im Interview mit der Berliner Zeitung (Max Florian Kühlem) bisweilen kariert daher. Aber wenn er das nicht täte, wäre er ja nicht Künstler sondern durchgestylter Politiker. Und die sind bekanntlich langweilig.

So verschiedene Typen wie Serdar Somuncu, Olaf Scholz, die 250.000 Emma-Unterzeichner*innen oder ich sind uns in einem einig: “Ein Atomkrieg muss verhindert werden!” Jetzt fehlen noch die, die daran hart arbeiten. Sie sollten sich mit Herrn Pohlmeier zusammentun. Ein Erfolg in dieser Sache ist Voraussetzung (!), um die Klimakatastrophe abwenden zu können. Das ist dann schon mehr, als eine einzelne Regierung schaffen kann.

Aufgabenheft für Claudia Roth

Das lieferten heute Markus Metz und Georg Seeßlen in “Essay & Diskurs”. Es geriet zu einer Mischung aus kritischer Skepsis und hoffnungsvoller Projektion, eine klassische Reaktion, die die Person der Kulturstaatsministerin schon ihr ganzes politisches Leben begleitet. Ich kann Ihnen aus persönlicher Kenntnis versichern: die weiss damit umzugehen, und wichtige ihrer Mitarbeiter*innen ebenfalls. Sie ist übrigens eine gute Chefin.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net