Katharine Teresa Gun – schon vergessen? Ich gestehe: ja. In meiner Erinnerung hat sich lediglich festgesetzt, dass Premierminister Tony Blair besonders penetrant darin war, seine Wähler*innen zu belügen, um an der Seite George W. Bushs 2003 in den Irakkrieg einzutreten. In den Krieg, in den sich die deutsche Bundesregierung unter Führung eines gewissen Gerhard Schröder demonstrativ weigerte, mit einzutreten. Von einer “Achse” Paris (Chirac)-Berlin-Moskau (Putin!) war damals in Europa die Rede. Gegen Bush und seinen “Poodle” in London. Von diesem Krieg brachte die von Julian Assange geführte Organisation Wikileaks Videos auf den internationalen Nachrichtenmarkt, die die US- und britischen Kriegsverbrechen nachwiesen – eine Demütigung, die deren Geheimdienste niemals vergessen oder gar verzeihen werden.

Was in diesen Videos damals zu sehen war, wurde übrigens, wie wir heute etwas besser wissen, aus dem Beuel recht nahen rheinland-pfälzischen Ramstein gesteuert – Deutschland war also mehr beteiligt, als es aussehen sollte (und im Gedächtnis blieb). Die damaligen europäischen Antikregs-Massendemonstrationen ängstigten die europäische Rüstungs(export)industrie, die darüber mit den europäischen Staatsführern, die sich an die Spitze dieser Bewegung zu setzen wagten, sehr böse war.

Respekt für das ZDF, das mit – zufällig? – passendem Timing gestern einen Spielfilm von 2019 in sein Spätprogramm (1,3 Mio., weniger als alte “Inspektor Barnabys” guckten) hob, der immerhin einen ganzen Monat in seiner Mediathek verfügbar bleibt. Dort spielt Superstar Keira Knightley Mrs. Gun – was für ein Name in diesem Zusammenhang! – und macht es wie immer etwas unterernährt aber schauspielerisch spitze.

Mrs. Gun und ihr Anwaltsteam hatten eine weitaus glücklichere Hand als Julian Assange, was ihre Zusammenarbeit mit ihren “Medienpartnern” betraf. Die lassen Assange nämlich heute verhungern. Warum sie es tun, darin moralisch nicht weniger vergammelt als ihre Regierungen und Geheimdienste, das hat Wolfgang Michal in Augsteins Freitag aufgeschrieben. In der dort neu errichteten Paywall. It’s the economy, stupid! Ich kam mit diesem Link trotzdem rein. Versuchens Sies mal, es lohnt sich. Für Ihre Erkenntnis, nicht Ihr Wohlbefinden.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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