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Alternativ: einige Fakten

Europaweit grassierende “Kriegsmüdigkeit” – Fällt jetzt auch noch kolumbianische “Blutkohle” aus? – documenta15

Die bescheidwissenden Kollegen von German Foreign Policy machen auf eine europaweite Umfrage des “European Council on Foreign Relations” (ECFR) aufmerksam, um dasselbe in einigen Tagen in einem Paywall-Archiv verschwinden zu lassen. Auf eine Verlinkung zur Originalquelle verzichten sie ganz. Da haben Sie es als Extradienst-Leser*in besser: bitte hier entlang. Kostet nichts, macht weniger als eine Minute Arbeit – warum die darauf verzichten – ich weiss es nicht. Der ECFR ist durchaus vielsagend interessant.

2007 wurde er von einer 50er-Promigruppe mitgegründet, die ich als liberale europäische Schickeria bezeichnen würde. Dieses Bild wird gestört dadurch, dass da ein gewisser von und zu Guttenberg dazwischen geriet. Steckte seine Frau dahinter? Lange her. Jedenfalls verfügt der Council offensichtlich über die nötigen Finanzmittel, um solche Untersuchungen zu beauftragen. Und interessant ist das. Oder was meinen Sie?

Ich will gerne daran mitwirken, die da erkennbaren Tendenzen zu verstärken. Das tun heute wieder besonders die Kolleg*inn*en von telepolis.

David Goeßmann/telepolis: Blockade von Kaliningrad: EU-Sanktionen drohen Konflikt zu eskalieren – Mit der Ankündigung Litauens, bestimmte Transitgüter zur russischen Enklave auf dem Landweg zu blocken, droht das Sanktionskarussell eine neue Runde zu drehen”

Bernhard Gulka/telepolis: Russen und Ukrainekrieg: Die ‘andere’ Moral – Moralisierend agieren im Ukrainekrieg nicht nur Befürworter von mehr Waffen im Westen. Auch in Russland haben Kriegsfans die Moral scheinbar auf ihrer Seite.” – Wenn Sie hier Muster unseres einheimischen Diskurses wiedererkennen, seien Sie versichert: das ist kein Zufall, sondern ein Muster im Krieg.

Harald Neuber/telepolis: Kolumbien: Warum Olaf Scholz nun wohl auf “Blutkohle” verzichten muss – Der Wahlsieg des Linken Gustavo Petro in dem südamerikanischen Land stellt die Bundesregierung vor neue Herausforderungen. Energieimporte auf der Kippe.” Neubers Hinweis ist erhellend, aber auch spekulativ. Die neue Regierung Kolumbiens muss sich erstmal konstituieren. Das wird politisch schon kompliziert. Dann werden die kolumbianische und deutsche Regierung miteinander sprechen. Da ist vieles möglich, auch das. Aber auch ganz anderes.

Stefan Niggemeier/uebermedien: “Schlechte Korrektur: ‘Tagesschau’ macht aus einem ukrainischem Angriff einen russischen – aber das ist nicht der ärgerlichste Fehler – Der ‘Tagesschau’ unterläuft in der Kriegsberichterstattung ein gravierender Fehler, der nicht hätte passieren dürfen. Und ihr Umgang damit macht alles noch schlimmer”.

documenta15

“Wir entschuldigen uns für die Verletzungen” – Telepolis dokumentiert: Erklärungen zur Verdeckung einer Arbeit von Taring Padi auf der Documenta Fifteen Diesen Text habe ich an anderen publizistisch relevanten Stellen nicht entdeckt. Dafür also schon mal: danke!

Bei mir bleibt folgende Frage hängen. Angesichts der hierzulande endemisch verbreiteten Unkenntnis über Indonesien, das grösste muslimisch geprägte Land der Welt, das nicht emirisch-feudalistisch und gas-an-robert-habeck-verkaufend beherrscht ist, weit entfernt von terroristischen Kopfabschneidern, terrrorismusfördernden Mullahregimes und anderem Unrat, unbefriedigend aber grundsätzlich durch demokratische, geheime Wahlen regiert wird – angesichts unserer eigenen Ignoranz muss ein indonesisches Künstlerkollektiv, das bisher kaum mit deutschtypischem Mediendiskurs konfrontiert war, in Schutz genommen werden.

Doch das ist bereits typisch deutsch, dass genau das nicht passiert. Dafür ist niemand “zuständig”. Und wer zuständig wäre, wie im Falle einer documenta die Kulturbürokratie des Bundeslandes Hessen und der Mittelstadt Kassel, ist ganz offenbar für diese Aufgabe unterqualifiziert. Wer für deren Medienberatung beauftragt wurde, muss dringend in ein Gefängnis für Fortbildung – oder ausgewechselt werden. Die Rolle der Feuerwehrfrau ist nun der für organisierenden Einfluss noch viel zu kurz im Amt befindlichen Kulturstaatsministerin der Bundesregierung Claudia Roth zugefallen. Sie ist um diese Rolle nicht zu beneiden und hat mein Mitgefühl. Aber naja, den Job wollte sie ja. Immerhin: keine Fluchtreflexe. Ich wär’ schon weit weg.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net

Ein Kommentar

  1. w.nissing

    @Tagessau: aber das ist nicht der ärgerlichste Fehler ……… ja wenn Schülerzeitungsredakteure TicToc videos drehen würde ich das ja bejahen, wenn aber ein hochbezahlter Stab so etwas produziert…… und es ist ja nicht der einzige Schund den die versenden. Ich habe in den letzten 2 Jahren, besonders wenn es um Auslandsmeldungen geht (süd/mittelamerika), eine ganze Hand voll richtige Falschmeldungen oder zum mindesten keine nachträglichen Berichtigungen in Erinnerung. Gäbe es den HaJoF noch……..
    Ich gönne mir diese Andrenalinpuscher nicht mehr

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