im Fussball.

Als die was-mit-Medien-Industrie sich während der Corona-Lockdowns darin verstieg, uns als Publikum mit “Geisterspielen” zu langweilen, und sich bei “der Politik” Sonderrechte zu erlobbyieren, haben wir hier im Extradienst die Fussball-Rubrik abgeschafft. Es ist seitdem ehrlich gesagt alles noch widerlicher geworden. Eine WM in – ausgerechnet – Qatar ist nur ein Symptom. Leiser aber nicht weniger abgefuckt geht es bei Dazn zu, dem Streamindienst des diskret leisetretenden russisch-ukrainisch-US-amerikanischen Oligarchen Len Blavatnik. Er lässt derzeit die Preise für seine deutschen Abonnent*inn*en verdoppeln. Für die Rendite kennen die Herren keine Verwandten. Ich bin nicht betroffen, und werde es auch nicht. Ich trinke zwar Alkohol und bin süchtig nach Schokolade, Kaffee und Marzipan – aber Streaming-Abos kommen mir nicht ins Haus.

Um Rendite und Profit müssen die Feudalherrscher von Qatar nicht mehr besorgt sein. Das Thema haben sie durch, auch dank der Assistenz der FDP/FDP/FDP-Koalition in der Bundesregierung, und mehrerer französischer Staatspräsidenten. Sie gehen jetzt einkaufen, investieren, damit es so bleibt. In der Paywall der FAZ steht eine Räuberpistole, wie sie gerade unser benachbartes Bundesland Rheinland-Pfalz kaufen, über den Fussball als Imagetransformator, und dank des von der Ahrkatastrophe verursachten Elends. Ex-DFB-Boss Theo Zwanziger soll nicht amüsiert sein, weil sie dafür mit einer Stiftung spielen, die er einst gegründet hat. Zwanziger mag immer ein verbohrter Dickkopf gewesen sein – aber im Grunde seines Herzens scheint er ein integrer Konservativer bleiben zu wollen. Und sieht um sich rum alle, die er auch dafür gehalten hat, umfallen wie Kegel. Das ist bitter.

Reservate ohne Bitternis

Da ist zum einen das gestrige 4:2 meiner Borussia vor knapp 10.000 Zuschauer*inne*n in Essen, beim aufstrebenden Drittligisten Rot-Weiss, der Lieblingsmannschaft meines 1974 verstorbenen Oppas (der an allem bei mir schuld ist), von Ente Lippens und Friedrich Küppersbusch. Yann Sommer hatte wohl keine Zeit, die bisher einzige Neuerwerbung der 18-jährige Fraulo aus Midtjylland spielte, und die Abwehr war unsicher wie immer.

Dann ist da ein angekündigter Kulturwandel bei einem jahrzehntealten Saftladen (“Skandalnudel”) im Westteil der Hauptstadt, da hinten kurz vor Polen. Ein “Ultra” soll die Vereinsführung erobert haben, nicht mit Pyro, sondern mit Demokratie. Für die rechten Knallköppe in Berlins Provinzpolitik und noch provinzielleren Medien ist das nicht zu fassen. Aber für Alina Schwermer/taz. Die hat halt Ahnung von Fussball.

Am Mittwoch beginnt die Fussball-EM in Kleinbritannien. Anstosszeiten 18 oder 21 h. Überwiegend in ARD und ZDF zu sehen. Darauf freue ich mich. Eine Serie über die Mannschaft gibt es auch schon. Steht leider noch nicht online, aber die Presse durfte schon gucken, und Frank Hellmann/FR war begeistert. Ich bin gespannt, werde mir das ganz sicher anschauen, schon allein, weil dort die von mir verehrte Dzsenifer Marozsan zu sehen ist, die bei der EM leider verletzt ausfällt.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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