Daniel Kehlmann beklagt die „Maskierte Gesellschaft“

Oh Gott, auch das noch. Daniel Kehlmann ist eigentlich ein pfiffiger Autor, gut gefördert von wichtigen Teilen des Feuilletons außerdem. Zweimal habe ich ihn allerdings totalen Quatsch reden hören. Einmal vor ein paar Jahren mit einem Von-oben-herab-Vortrag zur Eröffnung des Brecht-Festivals in Augsburg. Und heute – mit dieser sehr fremdartigen Feder in der FAZ. Stramm auf FDP-Linie fordert Kehlmann die allgemeine Corona-Durchseuchung unserer Gesellschaft (schon mal auf die Sterberaten in den Intensivstationen geschaut?).

Den Vogel schießt er allerdings mit einer vermeintlich zivilisatorisch-hochkulturellen Begründung für den Corona-Freilauf ab. Die Schutzmaske verhülle das Gesicht als den „Spiegel unserer Seele“. Und diesen Seelenspiegel vom Coronaschutz zu befreien sei nötig, um die „Grundlage eines zivilisierten Humanismus“ zu bestärken (!!??).

Verblasener geht nicht. Ich würde mal sagen: Ab in Poschardts Sportcoupé – um dort auch noch der röhrenden „Hochkultur“ des Verbrennungsmotors teilhaftig zu werden.

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Über den/die Autor*in: Reinhard Olschanski (Gastautor)

Geboren 1960, Studium der Philosophie, Musik, Politik und Germanistik in Berlin, Frankfurt und Urbino (Italien). Promotion zum Dr. phil. bei Axel Honneth. Diverse Lehrtätigkeiten. Langjährige Tätigkeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Referent im Bundestag, im Landtag NRW und im Staatsministerium Baden-Württemberg. Zahlreiche Veröffentlichungen zu Politik, Philosophie, Musik und Kultur. Mehr über und von Reinhard Olschanski finden sie auf seiner Homepage.