Im Kern geht es nicht um Verfehlungen einzelner Führungskräfte, sondern um die Qualität der Arbeit. Und wie sie durch verfehlte Machtstrukturen erschwert und behindert wird. Das ist die Gemeinsamkeit zwischen dem hochgejazzten RBB-Skandal und dem sich – noch – unmerklich erhitzenden Konflikt im NDR-Kiel.

Michael Maier/Berliner Zeitung findet es zurecht bemerkenswert, dass die Leute, die die eigentliche Arbeit für das, was beim Publikum ankommt, machen, sich nicht mehr hinter vorgehaltener Hand über ihre Chefinnen und Chefs beschweren, sondern mit 70 vollen Namen. Der NDR behauptet: “Der Brief war nach Wunsch der Initiatoren nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, ist aber inzwischen an die Medien durchgesickert.”

Ob der NDR die Initiatoren da richtig verstanden hat? Ich weiss es nicht. Auch Michael Maier dokumentiert den Text, der ihm nach eigenen Angaben vorliegt, nicht. Ich weiss nur aus eigener politischer und Medien-Erfahrung, dass ein Brief, den 70 Menschen unterschrieben haben, nicht intern ist, nicht sein kann.

Aber ich will nicht mäkeln. Beim NDR handeln die Arbeitenden jetzt politisch, wie beim RBB. Das macht ihr öffentliches Medium nicht schlecht, sondern stark. Aber können Intendant*inn*en und Direktor*inn*en das überhaupt verstehen?

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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