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Furchtbar, aber es ging

Wundersame Bahn CXXIII mit kaputtem Stellwerk

Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit ein Artikel inkl. Newsletter. Abonnent*inn*en seien auf meinen Text “Fressen lassen?” hingewiesen, in dem ich die Sicht des kompetenten Kollegen Grimberg/taz auf den deutschen Medienoligarchen Döpfner geringfügig korrigiere. Bitte beachten Sie: nächster Newsletter erst Sonntagabend.

Was jetzt folgt, betrifft die wundersame Bahn in NRW. Entscheiden Sie einfach selbst, ob Sie weiterlesen wollen. Für Beueler*innen sind Zugumleitungen eher eine Verbesserung. Wir müssen den Rhein nicht überqueren, um NRW zu durchfahren. Allerdings werden die Fernzüge durch die vom Güterzugverkehr überlasteten Gleise ausgebremst. Tempo über 120 nicht möglich. So starten die Fernzüge von Beuel aus – derzeit S13-Baustelle – schon mit 15 Minuten Verspätung, die sich im weiteren Fahrtverlauf aufaddieren. Bahnsteige sind für die Fahrgastmassen am Freitag nicht ausgelegt; Wagenstandanzeiger und helfendes Bahnpersonal fehlen ganz. In Deutz muss der Fernverkehr auf zwei (statt 10 wie im Hbf.) Bahnsteigen abgefertigt werden.

Das führte zu Zugstaus vergleichbar dem Kölner Ring. Ab Deutz 30 Minuten Verspätung. Bis Essen waren es 40. Bruttoreisezeit von Tür zu Tür war knapp verdoppelt.

Zurück war es knapp für mich. In Deutz meldeten die Displays, die Stellwerkstörung (seit Donnerstagvormittag) sei “behoben”. Tatsächlich überquerten die Nahverkehrszüge wieder die Hohenzollernbrücke. Aber mein IC sollte noch über Beuel geführt werden. Die computergesteuerte Bahnsteigansage behauptete “wegen eines Polizeinsatzes”. Ich hoffe, da hatte nur jemand die falsche Taste gedrückt. Echte Menschen machen die Durchsagen ja schon lange nicht mehr.

Im nur angenehm mässig besetzten Grossraumabteil unterhielt ein Kollege die Fahrgäste mit einem Reklamationstelefonat mit Amazon. Er sagte eigentlich immer das Gleiche, und der Mensch an der Hotline, wo immer die platziert sein mag, hatte offensichtlich den Job ihn abzuwimmeln. Alles wiederholte sich wie in einer Zeitschleife. Als der IC seine Geschwindigkeit bei der Durchfahrt durch Porz reduzierte, glaubte der telefonierende Amazonkunde, dass Beuel wohl bald erreicht sei. Es sollte noch 15 Minuten dauern. Ich dachte: Amazonkunden werden gerecht bestraft. Schadenfreude, Sie wissen schon. Der Mensch am anderen Ende musste dafür sorgen, dass der reichste Mann der Welt noch reicher wird. Oder hat Mohammed Bin Salman ihn überholt? Sie wissen schon, die Öl- und Gaspreise. Auf jeden Fall hassen sie sich. Und das ist auch gerecht.

Ich habe jetzt ein erfreulich genussreiches Wochenende vor mir. Der nächste Newsletter erscheint erst am Sonntag.

Freundliche Grüße

Martin Böttger

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net

Ein Kommentar

  1. Rainer Bohnet

    Sehr schön geschrieben. Vor allem über den Kunden von Amazon. Eine ähnliche Kommunikation musste ich heute mit meiner Bank führen.

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