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Er kanns nicht

mit Update nachmittags

Aber wer könnte diesen Stress noch durchstehen?

Gerhard Schröder und Joseph Fischer liessen sich 1999, kurz nach ihrem Regierungsantritt, zu einem – von Schröder später eingestanden – völkerrechtswidrigen Kriegseinsatz gegen Jugoslawien nötigen. Was das aus ihnen gemacht hat, ist – Stand heute – kein schöner Anblick geworden. Politisch. Ästhetisch mögen die Geschmäcker ja verschieden sein. Nun wird die Ampelkoalition in vergleichbarer Weise durchgeschüttelt. Keine eigene Kriegsbeteiligung, aber Waffenlieferungen in einen Krieg, von Berlin aus gesehen gleich um die Ecke. Ich würde das nervlich nicht durchstehen. Und habe darum für vergleichbare Ämter nie kandidiert. Und die? Schaffen die das? Sieht nicht so aus.

Robert Habeck wurde in seinen ersten Regierungsmonaten von Medien und Marktforschungsunternehmen ausgiebig gelobt. So ausgiebig, dass es schon ins Kabarett umkippte. Wie toll er doch kommunizieren würde. Mann könne ihm beim Nachdenken zugucken usw. Es bescherte ihm grosse Umfragesiege. Vergleichbare Wahlsiege stehen noch aus. Sie werden auch nicht kommen.

Wie komm’ ich drauf? Lesen Sie mal die dpa-Meldung von seinem Auftritt beim BDI. Hmm, fürsorglicher Chef, der seine Mitarbeiter*innen verteidigt? Oder schiebt der die vor, um nicht selbst zu jammern? Aussehen tut er schon so, da muss er gar nichts mehr sagen.
Suchmaschinen Sie mal “Bundeswirtschaftsministerium Spionageverdacht”. Durchgestochen wurde das an Holger Stark/Zeit-online (Paywall), woraufhin alle anderen darüber berichteten, dass er berichtet hat. U.a. hier hatte ich schon auf einen entsprechenden Bericht verlinkt (Letzter Absatz).

In einer komplexen Organisation von Menschen, wie es ein Bundesministerium zweifellos ist, ist eine Spionageparanoia tödlich für die Produktivität und Leistungsmotivation. Wenn ich das schon weiss, wird es Habeck auch wissen. Warum liess er, bzw. seine Leute an der Spitze des Hauses, es so weit kommen? Hat er sich die Falschen ausgesucht? Das hat er ja auch schon bei der Auswahl seiner Ukraine-Berater*innen getan.

Mit solchem Politikmanagement an der Spitze wird die Ampelkoalition eine vierjährige Legislatur nicht durchstehen.

Update nachmittags

Roberto De Lapuente/overton setzt Hoffnungen auf realitätstüchtige Kommunalpolitiker*innen. Das ehrt ihn. Allein Hoffnung ist schon eine gute Sache, Und solche Kommunalpolitiker*innen gibt es wirklich. Aber es ist auch eine Projektion, denn auch diese Spezies bewegt sich in Blasen. Z.B. muss mann dann nicht so viel zuhause sein, und kann abends länger wegbleiben. Ich weiss zuviel.

Die “Kollapsologie” ist auch eine Projektion, ebenfalls mit Bezügen zu Leuten und Dingen, die es wirklich gibt. Linksradikale Sektierer*innen dachten schon in meiner Jugend, wenn es dem Proletariat erst dreckig genug gehe, würde es sich dazu bequemen, sich zur Revolution zu erheben. Solche Ahnungslosen waren entsprechend begeistert von der chinesischen Kulturrevolution. Die Toten waren ihnen damals so egal, wie es heute die Kriegstoten in der Ukraine sind.

Der Kapitalismus-Kollaps, der jetzt EU-Europa droht, wird materialistische Grundlagen für neue Schockstrategien liefern. Die werden sicher nicht links.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net

2 Kommentare

  1. H. Heine

    Hab Ihren Kommentar gelesen, Ihre Vita auch: Sie sind ja´n echter erfahrener Politprofi. Eine Frage hab ich: was, wann und wo haben Sie denn als Azubi, Studie etc. beruflich gelernt?

    • Martin Böttger

      Steht in meiner Vita. Ich habe “Abitur” gelernt. Studien der Politischen Wissenschaften, Geschichte und Volkswirtschaftslehre habe ich nicht abgeschlossen. Ich sah in den 80ern zuviele 1er-Examen, die danach keinen Job fanden. Als ich einen fand, der mit sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung verbunden war, habe ich das Studieren abgebrochen. Zumal ich dort wenig gelernt habe, sondern statt dessen Gelerntes im Studium zu “Scheinen” machen konnte. Für mich habe ich keine dieser Entscheidungen bereut, bin aber weit davon entfernt, sie anderen als Modell vorzuschlagen. Jede Jeck is anders.

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