Merkwürdige Durchstechereien mit und ohne offenen Kriegsbezug

Die Übersetzung der Überschrift müsste “Schmutzkampagnen” lauten. Aber das klingt stark nach beleidigter Leberwurst. Im Englischen hat es eine smarte Anmutung von “moderner” Politik. Tatsächlich ist es mehrere Zeitalter alt, und muss nur immer wieder auf den neuesten Stand diverser Kommunikationstechnologien gebracht werden. Warnung: es folgt ein Einstieg in die Welt des Fussballs. Steigen Sie dennoch nicht aus, denn um den gehts in Wirklichkeit gar nicht.

Die Berliner Zeitung hat diesen Durchstich zu ihrem Herausgeber Michael Maier zurecht nicht ins Ressort “Sport”, sondern ins Ressort “Politik” sortiert: Lars Windhorst und Hertha BSC: Zersetzung bis zum bitteren Ende – Bespitzelung und Diffamierung als Methoden der Macht: Eine kommerzielle Spitzel-Truppe wird Lars Windhorst zum Verhängnis.”

Was sagt uns diese Revolverstory, wenn uns Hertha BSC nicht interessiert? Zunächst der Hinweis, dass Mitleid mit dem Herrn Gegenbauer nicht angebracht ist. Sein Konzern ist gewiss ähnlich gewichtig, wie der windige Herr Windhorst. Alle Anderen werden ganz undiskret darauf aufmerksam gemacht, dass in den Fachrichtungen PR und Dirty Campaigning in Israel jedenfalls kein Fachkräftemangel besteht. Am Ende ist es alles eine Frage des Preises. Und wenn die Rechnung nicht bezahlt wird, s.o. der Link zur Berliner Zeitung.

Keine revolutionäre Erkenntnis. Diese Verhältnisse wurden schon von zahlreichen guten Hollywoodfilmen intelligent ausgeleuchtet. Im Erfolgsfall – und wenn alle Rechnungen beglichen werden – wird es verdeckt praktiziert und nicht als Trash in die Öffentlichkeit gekippt. Ausser jemand plaudert es aus oder sticht es irgendwohin durch. So wars ja auch mit unserem Bonner WCCB-Skandal. Jetzt, während des Ukrainekrieges, ist z.B. klar, wer in dieser Disziplin die Feldüberlegenheit besitzt. Wie mag es wohl um die documenta15 zugegangen sein? Und wie oben schon zu Hertha BSC bemerkt: es gehören immer – mindestens – zwei dazu. Wer verliert, gehört nicht zwingend zu “den Guten”, sondern zunächst einmal nur zu den Dümmeren.

Der Krieg und die Propaganda

Die Interessen an der Pipeline-Sabotage haben im Extradienst Petra Erler und Roland Appel schon ausgeleuchtet. Bemerkenswert auch die publizistischen Aktivitäten von Jeffrey Sachs, der in den 90ern noch führend daran beteiligt war, Russlands Volksvermögen den Oligarchen dieser Welt zum Frass vorzuwerfen.

Eric Bonse/taz berichtet wie immer akkurat aus den EU-Fluren. Und was wollen die US-Geheimdienste mitteilen, wenn sie den Mord an einer russischen Rechsnationalistin ihren ukrainischen Klienten in die Schuhe schieben?

Die richtig gestellte Frage

Ein Anflug von Erleichterung durchzog mich, als ich bei telepolis diese Schlagzeile sah: Der perfekte Sturm: Wenn Demokratie und Klima zugleich bedroht werden – Der Untergang der Demokratie und die Klimakatastrophe sind reale Bedrohungen. Der Einfluss von Autokraten, die Klimaschutz verweigern, nimmt in USA, Europa zu. Was kann gegen die Trumps, Melonis, Orbáns und Öl-Monarchen getan werden?” von Amy Goodman und Denis Moynihan.

Klassischer Fall von Clickbaiting. Nach zutreffender Problembeschreibung hört der Text abrupt mit dieser Feststellung auf: “Klima und Demokratie sind enorm bedroht. Unsere Fähigkeit, diesen Sturm zu überstehen, hängt von einer konzertierten Aktion der globalen Mehrheit ab, die sich darum kümmert, auch wenn es immer schwieriger wird.” An der Stelle, an der es erst richtig losgehen müsste …

Wegweisender ist da der Buchauszug, den die overton-magazin-Kollegen von Michael Brie, dem klügsten Kopf der Linkspartei, auf den dort aber niemand mehr hört, dokumentieren: Chinas (Wieder-)Aufstieg als ein Zentrum der Welt – Die Differenzen zwischen den USA und China sind grundsätzlicher Natur. Während die USA ihre eigene globale technologische, ökonomische, politisch-ideologische und militärische Vormacht als unverzichtbar für die eigene Sicherheit und für eine »regelbasierte internationale Ordnung« ansehen, sieht China genau diese Ordnung zunehmend als Bedrohung für seinen eigenen Aufstieg an.”

Brie gibt einen Einblick in die Denkwelt des chinesischen Regimes. Die muss kennen, wer mit ihm umgehen will. Also z.B., wer die Welt vor der Klimakatastrophe (und einem Atomkrieg) retten will. Es geht nicht gegen die, sondern nur mit denen. Die Kunst, darauf eine Antwort zu suchen und zu finden, hiess früher mal: Politik.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net