mit Update abends

Die FAZ hat die aktuellen Iran-Analysen ihres Leistungsträgers Rainer Hermann digital eingemauert. Ihm zufolge “ist die Islamische Republik leer”. Den Menschen hat sie ausser Repression nichts zu bieten. Allerdings sei sie bis an die Zähne bewaffnet. Der entscheidende Faktor seien die sog. “Revolutionswächter”: “Ihre Streitkräfte gehören zu den größten weltweit, sie sind mit einem umfassenden Waffenarsenal und Millionen Freiwilligen ausgestattet, betreiben einen gefürchteten Geheimdienst, kontrollieren die Medien und die Hälfte der Wirtschaft.” So welche werden sich gegen zivile Revolutionär*inn*e*n mit allen Mitteln zur Wehr setzen. Ohnmächtige Empörung ist ihnen wurst.

Nicht auszuschliessen, dass diese Schwerbewaffneten gleichzeitig zu doof zu einer effizienten Organisation von Herrschaft sind. Ihre Mullahanführer könnten sich zerstreiten. Mglw. legen sie sich auch gegenseitig um. Sie kennen nicht viele andere Methoden als Repression und Gewalt. Eins von Hermanns Szenarios lautet: “Aus dem schiitischen Halbmond, der von Teheran bis ans Mittelmeer reicht und zwei Jahrzehnte lang eine iranische Machtdemonstration war, würde eine Achse gescheiterter oder scheiternder Staaten. In Iran erklingt der Wunsch nach Freiheit. Doch es besteht das Risiko, dass künftig von dem Land eine noch größere geopolitische Gefahr ausgehen wird.” Sarichdoch.

Schwächelt China?

Die FAZ versieht dies nicht mit einem Frage-, sondern einem Ausrufungszeichen. Der Wunsch dürfte das schwächelnde Zentralorgan der deutschen herrschenden Klasse mal wieder überwältigt haben. Wirklichkeitsnäher erscheint mir Michael Maier/Berliner Zeitung: XX. Parteitag: China will nicht wie Russland enden – Die Kommunistische Partei Chinas stellt die Weichen für die Zukunft. Aus den Fehlern Putins will man lernen – aber anders, als der Westen denkt.”

Deutsche TV-Sender übertragen live vom Bundesparteitag der Grünen in Bonn – deutscher Provinzialismus. Wie wärs mal mit einem “Brennpunkt” vom KPCh-Parteitag in China? Wichtiger wärs allemal.

Ein zentraler Faktor für die Machtbasis dieser grössten Partei der Welt ist ihr Erfolg oder Misserfolg in der Pandemiebekämpfung. Die ganze Welt schaut darauf, ob sie vorbildlich ist – oder gerade nicht. Sehr gut wird diese Frage im Junge-Welt-Interview (Klaus Gietinger) mit dem 80-jährigen Karl-Heinz Roth ausgeleuchtet: »Hunderttausende Leben hätten gerettet werden können« – Über die Fehler im Kampf gegen die Coronapandemie und das Zusammenspiel von Virus und Kapitalismus.” Der alte Mann klingt etwas resigniert: “Ich sehe, ehrlich gesagt, keine kohärente Linke mehr, die auch nur minimal in der Bevölkerung verankert wäre und diese Zuschreibung rechtfertigen würde. … Unsere Generation ist gescheitert.” findet aber dennoch ein gutes Ende. Ich empfehle: lesen.

Update abends: ein gelungen-sachliches kontroverses Gespräch gelang dem DLF “Sollten wir den Handel mit China beschränken? Kristin Shi-Kupfer vs. Georg Kell” (Audio 25 min).

Über Martin Böttger:

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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