Teile nicht alle Positionen des Welt-Intellektuellen Thomas Schmid, aber doch diesen Artikel, in dem er die Ambivalenz der gestrigen Steinmeier-Rede und auch die des Bundespräsidentenamtes insgesamt herausarbeitet.

Ich denke, Steinmeier kann mit seiner persönlichen Geschichte den neuen und streckenweise noch gar nicht überschaubaren Weg, den die Bundesrepublik nun gehen muss, nur schlecht abstecken. Scholz will es (kann es?) nicht. Merz gockelt auf anderen Hochzeiten. Blieben vom handelnden Personal noch Habeck, Baerbock, Kretschmann. Sie tun es streckenweise, sind von ihren Funktionen her aber anderweitig eingebunden.

Aus dem „Geistesleben“ kommt auch nicht wirklich viel – und wenn, dann von den popphilosophischen Rändern hoch Zweifelhaftes. Habermas könnte von seiner Statur her Orientierung schaffen, ist bis jetzt aber selbst hoch ambivalent und hat die neue Situation für sich wohl noch nicht richtig erfasst. Vielleicht kommt noch was, würde mich freuen.

Thomas Schmid:

„…. am 24. Februar tat Putin, was er lange zuvor schon angekündigt hatte. Die Welt ist nicht anders geworden, Deutschland ist nur aufgewacht in einer Welt, die es sich anders, friedlicher, gewaltloser imaginiert hatte. Steinmeier war an Deutschlands fataler Russlandpolitik zentral beteiligt.“

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Über den/die Autor*in: Reinhard Olschanski (Gastautor)

Geboren 1960, Studium der Philosophie, Musik, Politik und Germanistik in Berlin, Frankfurt und Urbino (Italien). Promotion zum Dr. phil. bei Axel Honneth. Diverse Lehrtätigkeiten. Langjährige Tätigkeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Referent im Bundestag, im Landtag NRW und im Staatsministerium Baden-Württemberg. Zahlreiche Veröffentlichungen zu Politik, Philosophie, Musik und Kultur. Mehr über und von Reinhard Olschanski finden sie auf seiner Homepage.