TV-Anstalten machen beruflich was mit Kommunikation. Ihre PR-Arbeit ähnelt den Modernisierungsstandards, die der “reale Sozialismus” ungefähr gegen Ende seiner Existenz so um 1990 herum erreicht hat. Der MDR schafft es nicht, das Ende seines Halle-“Polizeirufs110” zu begründen – und es mag auch niemand namentlich zeichnen. Von “Miosga” ganz zu schweigen. Der Stress um die “ttt”-Moderation ist zurecht längst vergessen – das Beste, was mann*frau tun kann …
Derzeit rechnen sich ARD und ZDF die Wintersportquoten schön. Bisher landen die ausnahmslos deutlich unterhalb mittelmässiger Regionalkrimis. Über die Quoten der Wiederholungen 20-30 Jahre alter “Barnaby”-Wiederholungen auf ZDFneo schweigt das ZDF lieber verschämt.
Berauschen tun sich die Anstalten an den “Marktanteilen”. Aber die errechnen sich lediglich aus einer 100%-Gesamtheit jener, die überhaupt live in die Glotze gucken. Die werden bekanntlich immer weniger. Zur Erinnerung: die BRD-Gesamtbevölkerung beträgt 83.5 Mio. Der Höchstwert der Wintersport-Glotzer*innen beträgt 6. Und meistens ca. 2-3. Das ist nur das Doppelte eines abgehangenen “Barnabys”. Und erklärt sich z.B. gestern daraus, dass “gegen” den Wintersport “Karneval in Köln” lief, der ein Drittel der vorherigen Tagesschau-Glotzer*innen zur spontanen Flucht veranlasste.
Wenn das Programm durchgehend tapeziert ist, wird die Glotze zum berieselnden Nebenbeimedium, die Rolle, die hierzulande ansonsten das Format-Radio hat(te), beim Friseur oder im Edeka. Hin und wieder guckt mal eine*r, was gerade läuft. In Italien ist das schon so, wie zu “besten” Berlusconi-Zeiten, in den USA ebenfalls. Hierzulande nur bei irgendwas mit Sport (zur Boris-Becker-Steffi-Graf-Zeit war es “Wimbledon”, und jedes Jahr durch jeden Dopingskandal hindurch die “Tour de France” = Drogensucht der ARD-Programmdirektion). Bei der Trump-WM in diesem Sommer werden dagegen die meisten schlafen.
Der Kern des Problems sind jedoch nicht die blamablen Quoten. Die sind nur eine Folge. Der Kern ist der Qualitätsschwund. Der TV-Live-Sport dokumentiert nämlich die gleichzeitige Abdankung des Sportjournalismus. Wie es der – ähnlich quotenschwache! – Talkshowtrash mit dem politischen Journalismus tut. Im Sportressort findet fast ausschliesslich “Produktpräsentation” statt (ein anderes Wort für Werbe-PR), schon allein, weil das Produkt so teuer bezahlt wurde, von “unserem” Geld. Und die Präsentation in mehreren hundert Seiten dicken Verträgen (= “Geschäftsgeheimnis”) geregelt wird, die noch nicht einmal Rundfunkratsmitglieder zu lesen bekommen.
Und weil das nicht irgendwelche rechten Propagandasender tun, wie die Trump-Frömmler in den USA, sondern “unsere” öffentlichen Anstalten, darum ist das zu einem Problem unserer kompletten bürgerlichen Demokratie herangereift.

Und dazu kommt noch die unerträgliche Werbung im Programm. Warum braucht es das eigentlich? Müssen wir überall von diesem Mist verfolgt werden?