Freiheitsenergie: Erneuerbar warm
Pellets aus Sägeabfällen sind nicht CO2‑frei, aber klimaneutral. Sie helfen, CO2 langfristig zu speichern sowie Sägewerke wirtschaftlicher zu nützen. Die Energiewende in Deutschland mit dem starken Ausbau der Erneuerbaren schützt das Klima, schafft Arbeit und Wachstum. Sie hat die Grundlage für eine globale Energierevolution gelegt. In Zeiten von Öl- und Gaskrisen sind Pellets, Wärmepumpen, Wind, Solar und Speicher Freiheitsenergien. Meine Rede zu 25 Jahren DEPV.
Lieber Helmuth Schellinger, Lieber Martin Bentele, meine Damen und Herren, herzlichen Glückwunsch zu einem Vierteljahrhundert DEPV. Seit 25 Jahren vertreten Sie die Interessen der Energieholz- und Pellet-Branche.
1 Klimaneutral
„Lebt denn der alte Holzmichl noch?“ Diese Frage der sächsischen Band De Randfichten kann für Ihre Branche mit einem klaren „Ja“ beantworten, „und wie“. Der DEPV ist weder krank noch siech. Und mit 25 schon gar nicht alt.
Was Anfang dieses Jahrhunderts noch als exotisch galt, ist schon lange im Alltag angekommen. Selbst in Norddeutschland wird mit Holz und Pellets aus Sägeabfällen geheizt.
Das ist nicht unumstritten. Denn auch beim Verbrennen von Pellets wird CO2 freigesetzt. Aber eben nicht mehr, als das Holz im Laufe seines Wachstums selbst aus der Atmosphäre gespeichert hat.
Heizen mit Pellets und Holz ist nicht C02-frei – aber klimaneutral.
Es ist ein Beitrag zur Erreichung der Klimaziele. Klimaschutz ist Verfassungsauftrag. In seinem Urteil zur Verfassungswidrigkeit des damals geltenden deutschen Klimaschutzgesetzes berief sich das Bundesverfassungsgericht bereits in Ziffer 3 auf das Pariser Abkommen von 2015. Es will die globale Erhitzung auf „deutlich unter 2 °C“ begrenzen. Die Nichteinhaltung des sogenannten 1,5-Grad-Ziel droht nach Karlsruhe die Rechte künftiger Generationen in verfassungswidriger Weise einzuschränken.
Wollen wir bis 2050 der erste klimaneutrale Kontinent werden, muss nicht nur der größte Emittent, Deutschland, um 2045 klimaneutral sein. Wir müssen dafür nicht nur den Ausstoß von Treibhausgasen auf Null mindern. Wir müssen auch CO2 aus der Atmosphäre speichern.
Wälder spielen als CO2-Speicher eine zentrale Rolle.
Nachhaltige Holzwirtschaft muss dem gerecht werden. In unseren Mittelgebirgen lässt die Klimakrise Millionen Fichten sterben. Die Entwaldung von Forstplantagen drohten 2024 Harz und Solling zu Quellen von Treibhausgasen zu machen. Das ist im letzten Jahr wieder anders geworden. Die Wälder funktionieren wieder als Senken.
Jede Speicherung von Treibhausgasen, ob im, ob unter dem Meer, oder in Wäldern muss möglichst dauerhaft erfolgen. Es macht keinen Sinn ganze Bäume zu verfeuern. Es macht aber Sinn, mit Holz zu bauen und so den Speicher sehr lange zu erhalten.
Hier kommen die Pellets ins Spiel. Wie mein Ex-Kollege Franz Untersteller gerne anmerkt: Der Baum wächst rund und nicht quadratisch – auch die sächsische Randfichte nicht.
Die bei der Herstellung von Bauholz anfallenden Späne als Pellets zu verwenden, ersetzt Öl oder Gas klimaneutral – und verbessern die Rentabilität von Sägewerken.
Aus Sägeabfällen gewonnene Pellets helfen so bei der Speicherung von CO2.
Aber nur die.
2 Erfolgsgeschichte Energiewende
„Lebt denn dr alte Holzmichl noch?“, könnten wir auch die Energiewende fragen.
Kurz gesagt: Und wie. Die Energiewende ist zerzaust, sie hat Narben. Aber sie ist quicklebendig.
Die Energiewende hat 16 Jahre Schwarz-Rot und Schwarz-Gelb überstanden. Es waren 16 Jahre des Versuchs sie abzuwickeln. Die Energiewende ist in der Ampel wieder aufgepäppelt worden.
– Heute liefern beim größten Energieverbraucher der EU Erneuerbare gut 60% des Stroms
– Noch nie seit Bestehen der Bundesrepublik wurde in Deutschland so wenig Kohle verstromt.
– Gegenüber 1990 hat der Energiesektor über ein Drittel seiner Emissionen eingespart und die Ziele des Klimagesetzes übertroffen.
– Es wird kein neuer Atommüll produziert, von dem man nicht weiß, wo man ihn lagern soll.
– In den Erneuerbaren arbeiten heute rund 400.000 Menschen
– Erneuerbare sind ein Wachstumsmotor – 2024 wurden 32 Mrd. in neue Anlagen mit Wind, Sonne und Biomasse investiert.
Die größten Veränderungen gab es im Strombereich. Hier wurden die Klimaziele übererfüllt. Dagegen haben der Wärmesektor und der Verkehr ihre Klimaziele verfehlt.
Doch auch hier tut sich einiges. Die Zahl der Pelletheizungen hat sich in zehn Jahren verdoppelt – auf fast 800.000.
Der Zubau Erneuerbarer ist ein zentraler Schlüssel für den Klimaschutz in allen anderen Sektoren.
Dekarbonisierung ist Elektrifizierung.
Man sieht es im Verkehr. Und die Zahl der Wärmepumpen hat sich trotz des Einbruchs 2024 innerhalb von 20 Jahren versiebenfacht.
Die Energiewende ist moderne Industriepolitik – und gut für das Klima.
3 Reiches Technologieoffenheit
Lebt denn die fossile Energiekrise noch? Sie ist zurück, mit Macht.
Deutschland ist zum zweiten Mal innerhalb von vier Jahren mit einer Öl- und Gaskrise konfrontiert. Nach Putins Überfall auf die Ukraine treibt nun Trumps ebenso völkerrechtswidriger Irankrieg die Preise für Öl und Gas in die Höhe.
Es war der vierte Tag, an dem das Barrel Öl über 100 $ kostete. Da forderte die CSU neue Subventionen für Atomkraftwerke. Katherina Reiche wollte in Deutschland Fracken wieder erlauben. Verkehrsminister Schnieder wollte erneut Millionen Steuergelder im Transrapid versenken.
Die Union will die fossile Energiekrise mit dem Rückgriff auf gescheiterte Technologien beantworten.
Lebt denn der alte Transrapid noch? Sehr klein und schlecht in Shanghai. An ihm vorbei rauschen moderne ICEs nach Peking und Shenzhen.
Die von der Union geforderten Technologien haben nicht nur ihr Scheitern gemeinsam. Sie hätten alle Jahrzehnte vor sich, bis sie marktfähig sind – wenn sie es überhaupt jemals werden. Sie helfen uns nicht einmal mittelfristig resilienter zu werden und die Klimaziele zu erreichen.
Die Liebe zu gescheiterten Retro-Technologien wird gerne mit dem Wort von der „Technologieoffenheit“ bemäntelt. Doch für welche Technologien sind Reiche, Söder und Schnieder wirklich offen?
1. Infrastruktur setzt Technologien Grenzen
Gibt es im ländlichen Raum keinen ÖPNV und keine Schiene, gibt es keine Offenheit für die Technologie Bus und Bahn. Es gibt jenseits des Autos keine Wahlfreiheit.
Sind in einem Stadtviertel die Hälfte der Häuser mit einer Wärmepumpe und über ein Drittel mit Pelletheizungen ausgestattet, ist der Betrieb eines Gasnetzes wenig rentabel. Der Neubau eines Fernwärmenetzes lohnt erst recht nicht.
Jens Spahns proklamierte „Freiheit im Heizungskeller“ scheitert an der Infrastruktur. Da hilft es auch nicht, die 65% Erneuerbare Vorgabe aus dem Gesetz zu streichen. Mit dem heutigen Strommix erfüllen alle Wärmepumpen sie – und Pelletheizungen sowieso.
Das gilt nicht nur im kommunalen Bereich. Neben einem Gasnetz, ein Fernwärmenetz ein Wasserstoffnetz und ein Netz zur CO2-Abscheidung für Fracking zu betreiben, wird eine extrem kostspielige Angelegenheit. Und das mit ungewissem Ausgang:
2. Markt ist nicht technologieoffen. Markt ist effizient.
Dass Marktwirtschaft effizienter Ressourcen nutzt, als Planwirtschaft scheint die ehemalige Partei von Ludwig Erhard vergessen zu haben.
Wenn ich mit einer Kilowattstunde Strom ein Auto direkt antreiben kann, warum soll ich mit Ihr erst Wasserstoff produzieren und dann gar in eine Brennstoffzelle erneut aus dem Wasserstoff Strom erzeugen? Oder diesen dann in einem Motor verbrennen? So weit zur Physik.
Eine Primärenergienutzung von 20 Prozent hat Konsequenzen auf dem Markt. Die LKW-Hersteller etwa setzen auf batterieelektrische Fahrzeuge.
Eine Wärmepumpe liefert aus einer Kilowattstunde Strom dreieinhalb Kilowattstunden Wärme. Will eine Gasheizung mithalten, muss sie dreieinhalb Kilowattstunden Gas verbrennen. Um den Wettbewerb mit der Wärmepumpe zu gewinnen, muss das Gas sehr, sehr billig bleiben. Ist es aber nicht. Am 20. März – nach der Bombardierung iranischer und qatarischer Gasfelder – notierte der Gaspreis bei 66 € pro Megawattstunde.
Diesem Gas will Schwarz-Rot nun blauen Wasserstoff beimischen. Der wird mit Gas produziert. Das dabei entstehende CO2 soll abgeschieden und gespeichert werden. Diese Speicherung ist so teuer, dass alle Kohlekraftwerksbetreiber sich von dieser Idee schon vor Jahren verabschiedet haben.
Die Idee, aus Gas gewonnenen Wasserstoff erneut dem Gas als Grüngas beizumischen, ist nicht nur irre. Es ist das Ende jeder Wettbewerbsfähigkeit.
Katherina Reiche hat von Verona Pooth gelernt. Die gibt sich doof – und macht so glänzende Geschäfte. Auch Katherina Reiche weiß, dass die von ihr proklamierten Technologien nicht liefern werden.
Gerade deshalb fordert sie diese Technologien: Solange neue AKWs, Fracking und der Transrapid noch nicht kommen, muss man leider, leider an Öl und Gas festhalten.
Diese Technologieoffenheit ist die Offenheit zur Laufzeitverlängerung für fossile Energien.
Doch da macht ihr Trumps Krieg einen Strich durch die Rechnung.
4 Freiheitsenergie
Futtert denn der Markus Söder noch? Tut er. Und zwischen Döner und Weißwurst forderte er bei einem Ölpreis über 100 $ tapfer das „Aus vom Verbrenner-Aus“. Söder will also Deutschlands Abhängigkeit von Öl und Gas verlängern und nicht verkürzen.
Dabei waren wir auf einem guten Weg. Dank der Energiewende sank unsere Energie-Importabhängigkeit in 25 Jahren um ein Drittel.
Die Energiewende macht resilient gegen die Erpressung durch Petrostaaten.
Nicht nur Europa. Die Energiewende in Deutschland hat die Grundlage für eine globale Energierevolution gelegt.
Der jährliche weltweite Zubau erneuerbarer Energien stieg von 152 GW in 2015 auf 666 GW in 2024. Erneuerbare Energien dominieren mittlerweile den Neubau von Stromkapazitäten.
2024 gingen gut 585 GW Erneuerbare neu ans Netz. Das waren 92,5% aller neu installierten Leistung. 2025 sieht es ähnlich aus. Bei Neuanlagen werden Kohle und Gaskraftwerke ebenso wie Atomkraftwerke zur Nischentechnologie.
Das spiegelt sich in den globalen Energieinvestitionen. 780 Mrd. $ wurden im letzten Jahr weltweit in Erneuerbare investiert, 50% mehr als in Öl, doppelt so viel wie in Gas und dreimal so viel wie in Kohle, zehnmal so viel wie in Atomkraftwerke. Hinzu kommen fast so viele Investitionen in Netze und Speicher wie in Öl, sowie rund 350 Milliarden in Elektrifizierung.
Die Welt macht sich unabhängig von Öl und Gas.
Aber Markus Söder kämpft für die Freiheit, sich von Autokraten wie Putin und Trump den Tank füllen zu lassen.
Das alles, nachdem innerhalb vier Jahren erneut der Überfall eines Petrostaates auf ein anderes Land die Preise für Öl und Gas weltweit durch die Decken gehen lässt. 2022 Russland in der Ukraine, 2026 die USA im Iran. Offensichtlich schädigt zu viel Gas und das beim Goldenen Lenkrad der Bild gerne beschworene „Benzin im Blut“ schwer auf die Denkfähigkeit.
Der Irankrieg ist das Fukushima der fossilen Energien.
Öl und Gas gefährden Deutschlands Souveränität. Sie untergraben unsere Wettbewerbsfähigkeit und schaden unserer Industrie. Die Hälfte der genannten Milliarden für Erneuerbare, Speicher und Netze wurden in China getätigt. China setzt voll auf Elektrifizierung.
Mit beachtlichem Erfolg. Im letzten Jahr war jeder zweite neue LKW in China ein E-Truck. Seine E-Autos ließen China innerhalb von fünf Jahren zum größten Autoexporteur der Welt werden. Erst überholte China die USA, dann Japan und dann Deutschland.
Anstatt in diesem Wettlauf endlich Gas zu geben, tritt die Bundesregierung auf die Bremse und verlängert so die Krise nicht nur der Automobilindustrie. Die Regierung Merz betreibt palliative Wirtschaftspolitik.
Es scheint, als habe China den Peak seiner Treibhausgasemissionen überwunden. Doch Klimaschutz ist nicht sein Hauptmotiv. Es geht China um geostrategische Macht. Dazu muss es sich von fossilen Energieimporten unabhängiger machen.
Wir steuern auf eine neue Blockkonfrontation zu: Petrostaaten gegen Elektrostaaten
Europa hat da keine Wahl. Es hat keine fossilen Ressourcen. Es kann kein Petrostaat werden. Entweder wir werden Vasallen von Trump und Putin oder wir emanzipieren uns von Kohle, Öl und Gas.
Dann müssen wir heimische Erneuerbare, dann müssen wir Wind, Sonne und Biomasse beschleunigt ausbauen. Wenn man nicht von China lernen will, sollte man einmal, nur dieses eine Mal auf Christian Lindner hören: „Erneuerbare Energien sind Freiheitsenergien.“
Freiheitsenergien stärken Europas Souveränität. Europas Souveränität – sie hat Friedrich Merz zu Recht auf seiner diesjährigen Rede bei der Münchner Sicherheitskonferenz eingefordert.
5 Erneuerbar warm
Pelletheizungen sind gelebte Freiheitsenergie.
Qatar hat verkündet, dass die volle Produktionsleistung seines Gasfeldes erst in fünf Jahren wieder hergestellt sein wird. Das Ende der hohen Gaspreise ist nicht in Sicht.
Besitzer einer Pelletheizung werden das gelassen zur Kenntnis nehmen. Gelassen sind auch die Menschen, die nach dem Ukrainekrieg in eine PV-Anlage investiert und sich für eine Wärmepumpe entschieden haben. .
Das können sich nicht alle leisten. Aber gerade dehalb darf man sie nicht zu Investitionen verleiten, die sich schon nach zwei Jahren als Fehlinvestitionen herausstellen, bei der Heizung wie beim Auto.
Es ist Aufgabe von Politik den Rahmen so zu setzen, dass sich mehr Menschen mehr leisten können. Dass auch Mieter von der Wärmewende profitieren können und nicht länger der Willkür von Vermietern und Gaskonzernen hilflos ausgeliefert sind.
Allein im letzten Jahr gab es über 1000 Stunden, an denen der Strompreis unter 1 Cent die Kilowattstunde oder sogar negativ war. Entlasten wir gerade einkommensschwache Familien, indem wir jedem Haushalt jedes Jahr 600 Kilowattstunden gratis geben.
Für die Wärmewende brauchen wir nicht weniger, sondern mehr Pelletheizungen, mehr kleine und große Wärmepumpen, mehr Windturbinen, mehr Balkonkraftwerke und mehr Speicher.
Dass das möglich ist, dazu haben Sie mit ihrem Beitrag zur Energiewende einen großen Beitrag geleistet. Ohne Pellets und Energieholz wäre die Wärmewende nicht möglich.
Dafür herzlichen Dank.
Für all das wurde vor einem Vierteljahrhundert die Grundlage gelegt. Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Zukunft.
Auf die nächsten 25 Jahre.
Dieser Beitrag ist eine Übernahme von der Homepage des Autors, mit seiner freundlichen Genehmigung. Links wurden nachträglich eingefügt.

Eiwei.
Guter Beitrag, aber Pelletheizungen?
Also, auch der Holzmichl ist älter als die Band, aber das nur nebenbei.
Wichtiger ist: Holzpellets sind bestenfalls ergänzend sinnvoll, weil
– zuwenig da ist,
– aus den Wäldern auch noch das Restholz verwertet wird (statt wie bisher zu rotten und die nächste Generation zu düngen helfen),
– weil beim Verbrennen aufwändig zu filternder Feinstaub entsteht,
– und eigentlich sollte man Abfallholz nicht als Holzpellets verbrennen, sondern als CO2-Senke nutzen: https://de.wikipedia.org/wiki/Klimafarming .
Wenn die Wälder CO2-Senken bleiben sollen, darf das dort gewachsene Holz jedenfalls nicht nach 30-50 Jahren wieder als Pellet verheizt werden.
Ich bin echt enttäuscht, dass ausgerechnet ein Grüner, noch dazu ein ehemaliger Umweltminister, quer durch den ganzen Beitrag immer und immer wieder die Pelletheizung hochhält.
Kurzfristig ist die CO2-neutral, aber man vergibt sich damit die Möglichkeit, der Luft CO2 zu entziehen. Und das ist leider nun mal nötig geworden, weil die Industriestaaten so lange beim CO2-Ausstieg getrödelt haben, dass bloßes Reduzieren auf Nullausstoß gar nicht mehr reicht.