Beueler-Extradienst

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Autos stören den Verkehr

Bleibt weg aus Beuel – gesunde Menschen brauchen hier kein Auto

“Ihr steht nicht im Stau – ihr seid der Stau!” – diese alte Volksweisheit wird heute in der Beueler City aufgefrischt. Pünktlich zum Ende der Osterferien und zum Wiederbeginn des Schulverkehrs begannen an der zentralen Beueler ÖPNV-Umsteigestelle Konrad-Adenauer-Platz die Gleisbauarbeiten. An der Stadtbahnhaltestelle der Linie 66 beanspruchen sie nicht nur das Gleisbett, sondern verengen auch den Autoverkehr der Sankt-Augustiner Strasse von vier auf zwei Spuren. Wenn ein Linienbus halten muss, ist alles zuende.

Und das ist oft. Denn am Schienenersatzverkehr für die Linie 66 labt sich der gleiche CDU-Parteispender, der schon dem geplagten CDU-OB seine Wahlkampagne finanziert und ihm als Bonus eine veritable Grundstücksaffäre beschert hat. Nachdem der störrische Geschäftsführer der Stadtwerke das Handtuch geschmissen hat, fluppen die Geschäfte gewiss weit flüssiger, als der Beueler Durchgangsverkehr.

Da gleichzeitig die Nordbrücke für schwere LKW gesperrt ist – auch wenn das nur unzureichend kontrolliert wurde und wird – bekommt die Beueler Atemluft satte Portionen Zusatzstoffe durch die Monster-Trucks, die es nun mit der Kennedybrücke versuchen. Wenn dann einer der zahlreichen Busse Fahrgäste aufnimmt, und das im Minutentakt, dann steht alles – bis in die City und bis Vilich.

Besonders Vorwitzige versuchen es dann mit “Schleichverkehr” im sowieso schon zugeparkten Combahnviertel. So werden dort die Linienbusse 540 und 640 auf die Verspätungen gedimmt, die die Fahrgäste nicht anders gewohnt sind. Die elektronischen Abfahrtsanzeigen dürfen nur als unverbindliche Vorschläge verstanden werden.

Übrigens müssen auch Fussgänger*inne*n den Konrad-Adenauer-Platz “weiträumig umfahren”. Kein Gedanke an die ersatzweise Freigabe des jahrelang verbarrikadierten Fussgängerüberwegs von der von-Sandt-Strasse. Was kommunalregierende Grüne jahrelang nicht geschafft haben – warum sollte die CDU auf so eine Idee kommen? Festgefügte Bilder von Politiker*inne*n würden unnötig gefährdet. Wer will das? Menschen müssen sich von derartigem Baulärm entfernen. Wenn sie gesundbleiben wollen.

Hausaufgabe: wenn Sie, wie die meisten Beueler*innen, den Adenauerplatz doch passieren müssen, stellen Sie sich – aus gesundheitlichen Gründen nur einen kurzen Moment! – vor, wie es wohl wird, wenn die Nordbrücke in absehbarer Zeit erneuert werden muss. Wer wird es er-, wer wird es über-leben?

Über Martin Böttger:

Avatar-FotoMartin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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3 Kommentare

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    Helmut Lorscheid-Hauschild

    Martin, wenn die Nordbrücke saniert und deshalb gesperrt wird, werden die klugen Autofahrer doch auf Busse und Bahnen umsteigen. Die SWB wird deren Takt in den Stoßzeiten verstärken und die Stadtverwaltung wird den Einsatz von Lastenräder und ähnlichem unterstützen. Das wird schon. Die Leute sind doch gebildet, manche sogar richtig klug. Die Zeiten, wo ich auf der Fahrt nach oder von Siegburg nach Bonn in der 66 die im Dauerstau stehenden PKw mit nur einem Insassen sehen konnte und den Fahrern gerne mitleidig winkte – weil ich ja fahren konnte und sie mehr oder wenig dumm herum standen. Die Zeiten sind vorbei, die Menschen sind klug, sie werden dann auch in der 66 sitzen… Ganz bestimmt, ich bin mir da fas sicher, dass es so sein wird.

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      Martin Böttger

      Lieber Helmut, mir wird schon seit längerem das Fahrradfahren verleidet: es ist zu voll. Und am schlimmsten sind die Porschefahrer, die aufs Fahrrad umgestiegen sind. Wenn Du jetzt auch die Linie 66 damit bedrohst, dann muss ich wohl mein “Deutschlandticket” wieder abgeben. Dann wird das auch zu voll. Und die Gleiskapazität würde überhaupt nicht ausreichen. Neinein, die sollen sich E-Autos ohne giftige Abgase anschaffen, und dann in denen im Stau stehen. Dort können sie dann all die Podcast-Laberei hören, für die ich keine Zeit habe. Hauptsache sie tuns nicht auf dem Fahrrad oder belästigen mich in Bahn und Bus mit diesem Lärm. Das würde mir genügen.

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    Gilbert Kolonko

    Dank dir lieber Martin, für den kurzen Verkehrs-Realitätscheck aus Beuel.
    Gestern traf ich einen Garten-Nachbarn der viel Fahrrad fährt und dachte mir, fragst du ihn mal: “Ich habe eine Liste, da kannst du für den Verkehrsentscheid” autofreies Berlin” unterschreiben, was ja nicht wirklich “autofrei” bedeutet, weil…”, “Äh Nein. Äh ich wohne im Ring. Dass unterschreibe ich nicht.” Also frage ich: “Du hast doch eine Frau?”. “Ja,” lautet die zögerliche Antwort. “Also darfst du mindestens 24-mal im Jahr dein Auto benutzen und du hast doch auch noch ein Kind?” Das Ja kommt nun noch zögerlicher. “Dann darfst du sogar 36 Mal im Jahr dein Auto benutzen. Wünsche dir noch einen schönen Tag.” 
    So sieht es gerade in Berlin aus, wenn ich mal versuche eine Unterschrift von jemanden zu bekommen, der ein Anhänger der liberalen politischen Mitte ist. Die Konservative Mitte und alles rechts davon, brüllt schon los, noch bevor ich meine Frage beendet habe.
    Ist es wirklich nur die blöde Politik? Natürlich nicht. Genau deswegen ist die Unterschriftensammelei “autofreies Berlin” so wichtig: Es ist eine Möglichkeit Menschen in ihren verschiedenen Blasen mit ihrer eigenen Uninformiertheit zu konfrontieren. Den Menschen die man nicht näher kennt, aus heiteren Himmel zu fragen: Hallo hast du heute schon den Extradienst gelesen und den neusten Küppersbusch gesehen, ist selbst in “wierd” Berlin schwer.
    P.S In Berlin sind die Straßen gerade so autofrei, wie seit Corona nicht mehr, weil viele Autofahrer auf die Öffentlichen umgestiegen sind. .. .

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