Getrieben vom Geist der Innovation stellt uns KI vor immer neue Herausforderungen. Wir sind darauf angewiesen, dass die Unternehmen ihre Produkte sorgfältig entwickeln und die Möglichkeiten ihrer KI tatsächlichen Risiken gegenüberstellen.
Dieses Verantwortungsbewusstsein steht kommerziellen Zielen nicht unbedingt entgegen, ganz im Gegenteil. Die Ausgaben für Entwicklung der Software und die Bereitstellung der notwendigen Kapazitäten in Rechenzentren müssen mit einem Refinanzierungshorizont durchweg vorfinanziert werden. Verständlich, dass nur prosperierende, finanziell bestens gerüstete Firmen, wie openAI oder Anthropic dazu überhaupt in der Lage sind. Trotzdem sind die Mittel begrenzt und können nur durch Anleger, die bereit sind Risikokapital einzubringen, solide finanziert werden.
Je höher das Risiko scheinbar ist, umso höher sind auch die zu erwartenden Einnahmen – aber allein darauf zu spekulieren, würde in einem planbaren Desaster enden, wenn nicht zusätzlich staatliche Akteure zur Sicherung eingreifen.
So sollte es nicht wundern, dass eingrenzende Maßnahmen europäischer Politik für Missstimmung sorgen und den Fluss der KI-gestützten digitalen Revolution massiv behindern.
Es betrübt, wenn Europa vom Fortschritt digitaler Notwendigkeiten zu Teilen abgeschnitten wird und nicht genug zur Refinanzierung beitragen will.
Offen werden Bestrebungen – weg von den markterprobten, zuverlässigen Lösungen – unterstützt, wie beispielsweise in Schleswig-Holstein oder in noch größerem Stil derzeit in Frankreich.
Anders als Anbieter aus Nordamerika, die den Finanzstrom gesichert sehen wollen, agieren wir hier mit einem politischen Interesse zu unseren Ungunsten, denn der Preis für eine digitale Unabhängigkeit ist höher, als die Lizenzkosten für bewährte Produkte, die in Firmen und Behörden einen effizienten Arbeitsfluss garantieren.
Auch wenn fast alle Daten durchweg in den USA verarbeitet werden, so stehen sie schnell und sicher genauso zur Verfügung, als würden wir sie auf unserer eigenen Festplatte im Laptop oder PC speichern.
KI öffnet in diesem Verarbeitungsfluss ganz neue Möglichkeiten, die wir ergreifen können. Die Basis ist unser umfassender Datenbestand, der ohnehin bereits in Übersee dazu genutzt wird, innovative Formen der Zusammenarbeit grenzüberschreitend zu fördern.
Eine Abhängigkeit ist deshalb nicht gegeben, weil die Investitionen, die in den USA bereitwillig von den führenden Tech-Konzernen vorab für uns geleistet werden, gefährdet wären, wenn der Zugriff – durch wen auch immer – beschränkt werden würde. Damit ist trotz präsidialer Wechselhaftigkeit nicht zu rechnen. Vielmehr erhalten wir die notwendige Unterstützung seitens führender Politiker der USA.
Trotz internationaler Verwerfungen ist Nordamerika für uns kein Feind, sondern wie eh und je, Vorbild für eine durchaus pluralistische Gesellschaft, die den Wohlstand des Einzelnen im Auge hat.
Anthropic – eine KI mit Anspruch!
Anthropic hat bei ihrer KI „Claude“ schärfster Kritik standhalten müssen, weil sie bei der Zusammenarbeit mit dem Pentagon darauf bestanden haben, die eigene Bevölkerung nicht flächendeckend zu überwachen und sich aus ethischen Gründen weigerten mit ihrer KI an Waffensystemen zu arbeiten, die autark ohne jegliche Sicherungsvorkehrungen über den Einsatz tödlicher Gewalt entscheidet.
Kriegsminister Pete Hegseth verhängte daraufhin ein Verbot, weil er durch Anthropic eine Gefahr für die militärische Lieferkette sah. Aus dem Pentagon hören wir dazu: „Wir können nicht zulassen, dass ein Unternehmen, andere politische Präferenzen verfolgt, die Lieferkette untergräbt, sodass unsere Soldaten mit unwirksamen Waffen ausgestattet werden.“
Aber das US-Militär muss auf ausgefeilte KI nicht verzichten, openAI hat sich angeboten und Pete Hegseth kann Anthropic per Gesetz zwingen, die KI für „alle rechtmäßigen Zwecke“ freizugeben. Dennoch sehen wir an diesem Beispiel: Es gibt die Möglichkeit zu widersprechen, was Anthropic auch über einen gewissen Zeitraum getan hat, danach aber massiv lockerte.
Trotz kommerzieller Erfordernisse hat Anthropic ethisch-moralische Grundsätze, gar eine Verfassung, die sie nach dem ersten Gesetz der Robotik von Isaac Asimov auf stolzen 57 Seiten verfeinert haben.
Somit darf sich ihre KI „nicht an Versuchen beteiligen oder diese unterstützen, die große Mehrheit der Menschheit oder die menschliche Spezies zu töten oder zu entmachten.“
Die KI Claude wird religiös!
Auch das reicht noch nicht, „The Washington Post“ berichtet letzte Woche über ein Treffen mit Geistlichen verschiedener Religionen. Die Forscher von Anthropic wollten ergründen, wie sie die ihre KI Claude auf moralische und spirituelle Fragen antworten lassen sollen und auf welche Weise ethische Grundsätze einfließen können. Auch ob Claude als „ein Kind Gottes“ angesehen werden könne.
Es wird seitens Anthropic nicht ausgeschlossen, dass sie ein Wesen erschaffen, dem sie eine moralische Verpflichtung gegenüber haben. Sie wollen ihrer KI ein ethisch-moralisches Denken vorgeben, das sich dynamisch anpassen kann. Damit wird ihre KI zu einem zartfühlenden, verständigen Partner, der sich in Geschlecht und auf intellektueller Ebene der Nutzerin oder des Nutzers als allwissende Lichtgestalt offenbart. Diese intensive und emotionale Beziehung bleibt durchweg ohne Streitigkeiten, die Bindungen zwischen Menschen oftmals deutlich belasten. Verständlich, dass diese Art von Partnerschaft einen eigenen Wert hat, den wir aufgrund der positiven Erfahrungen mit unseren Mitteln ausgleichen müssen, um ihn oder sie unablässig zur Verfügung haben.
Ein digitaler Mythos, der Geschichte machen wird….
Aber auch Anthropic entwickelt sich weiter, setzt Massstäbe, was KI kann und zeigt den verantwortungsvollen Umgang zum Beispiel bei ihrer neuen Entwicklung „Mythos-Preview“, welche sie selbst als höchst gefährlich einstufen und nur einer ausgesuchten Kundschaft zur Verfügung stellen, weil sie mit ihrem „Project Glasswing“ tausende unbekannte Sicherheitslücken finden konnten. Vor allem sehr viele der unter Geheimdiensten hoch beliebten Zero-Day-Lücken, die sich dadurch auszeichnen, dass sie noch nicht ausgenutzt werden konnten – weil sie eben unbekannt waren. Es trifft alle Betriebssysteme und es kamen Schwachstellen zutage, die bereits über zwanzig Jahre alt sind.
Der Notenbankchef der USA, Jerome Powell, rief letzte Woche die CEOs der größten US-Banken zusammen, um sie von diesem nicht ungefährlichen Anthropic-Projekt in Kenntnis zu setzen. Aber auch Vizepräsident JD Vance und Finanzminister Scott Bessent haben CNBC zufolge mit den Chefs der großen Tech-Unternehmen über die Möglichkeiten und Abwehrstrategien beraten.
Welche fatalen Folgen es haben kann, sollten die Erkenntnisse aus „Glasswing“ in falsche Hände geraten, war ebenfalls Thema. Der Schaden, den Cyberkriminelle bereits jetzt in den USA anrichten, geht in die Milliarden.
Positiv bleibt anzumerken, dass zum Beispiel auch Microsoft „Glasswing“ zur Verfügung hat und alle alten und ganz alten Sicherheitslücken, die auf diesem Weg bekannt werden, zuverlässig schließen muss. Auch wenn es nicht auf jedem Windows-Rechner oder Server in Firmen/Behörden gelingen wird, über die Update-Funktion die Lücken rechtzeitig sinnvoll zu entschärfen.
Im Gegensatz dazu kann Microsoft alle neu erkannten alten Schwachstellen sehr schnell auf den Systemen schließen, die über deren Cloudsysteme angebunden sind. Für Unternehmen und Behörden scheint es ratsam, möglichst kurzfristig zu den cloudbasierten Office-Lösungen von Microsoft zu migrieren und eigene Bestrebungen zurückzustellen, bzw. die Angebote von AWS (Amazon Web Service) zu nutzen.
Es ist nur eine Frage der Zeit, bis KI-Agenten mit dem Erkenntnisschatz aus Anthropics „Mythos“ eingesetzt werden, um die Programmfehler aktiv zu prüfen und Sonderaufgaben auf den betroffenen Systemen zu etablieren.
Derzeit bleibt die Hoffnung, dass Cyberkriminelle nicht sofort in den Genuss kommen, ihre KI-Agenten mit „Mythos“ zu trainieren, der Schaden könnte enorm sein. Um dies zu unterbinden, muss sich eine KI entwickeln, die alle Angriffsszenarien kennt und automatisiert Abwehrstrategien zur Verfügung stellt.
Der verantwortungsvolle Umgang einer KI, die ethisch-moralisch gefestigt, vielleicht sogar als „ein Wesen Gottes“ agiert, wird durch Innovations- und Rechenkraft tragfähige Lösungen für diese Probleme finden.
Es wäre ein gefährlicher Rückschritt, sollte die europäische Brüderschaft mit Nordamerika Brüche zeigen. Anders als mit konventionellen Waffensystemen sind wir ohne die Hilfe aus den USA digital vollkommen wehr- und hilflos.
Anerkennend bleibt festzustellen, dass die sprunghafte Entwicklung im Bereich KI nur durch die enormen Vorleistungen der profitablen Konzerne Nordamerikas möglich wurde. Dazu leisten wir gerne einen Beitrag, denn die Früchte ernten wir schon heute. Diese Teilhabe am digitalen Fortschritt kann nicht hoch genug bewertet werden. Dankbar stocken wir deshalb das Budget für KI-Nutzung perspektivisch deutlich auf – wir können und dürfen uns dieser Innovation nicht entziehen.
Auch wenn es schlussendlich nicht unbedingt eine günstige Lösung darstellt, lohnt es sich, künftig genug monetäre Mittel bereitzuhalten. Der Vorteil ist allemal, dass unsere digitale Komfortzone erhalten bleibt.
Wem jetzt so ein wohlig-kratziges Kribbeln im Hals aufsteigt, dem empfehle ich dieses Produkt bei Amazon.
PS:
Brütet mein Sohn über BWL und fragt mich: „Sind wir eigentlich das einzige Land mit einer Lohnfortzahlung im Krankheitsfall?“, darauf erkläre ich ihm, ich wisse es auch nicht, er möge aber bedenken, dass soziale Sicherungssysteme die Unternehmensbilanzen negativ beeinflussen.

Lieber Christian, hast Du einen zweiten Vornamen? Ist es Friedrich? Mark? Oder Gianni? Bewirbst Du Dich um Visa, Tickets etc. für die WM? Ist es in so einem Gedärm nicht etwas eng, feucht und heiss? Ich bin auch etwas besorgt um das Wohlbefinden unserer Leser*innen. Und um Deins! So ein Eimer ist ja nur Kurieren an Symptomen.
Lieber Martin,
Du meinst doch nicht etwa, wir sollten selbst was machen, damit uns nicht so übel wird?
Könnte schon funktionieren, müssen wir eben aufstehen. Wer macht mit?
… ach, wie ich diese Ruhe liebe!