Ein Wind weht durch die asozialen Netzwerke und die nur noch wenig unterscheidbaren sonstigen Medien. Und ausnahmsweise, fast schon sensationellerweise wurde diese Agenda von den drei Parteien SPD, Grüne und Linke gemeinsam und gleichzeitig gesetzt. Wo wären wir jetzt, wenn sie das schon getan hätten, als sie noch eine Mehrheit im Parlament hatten? Vergossene Milch. Gegen das Netzwerk des faschistoiden Oligarchen Musk konnten sie sich einigen. Und kassieren nicht wenig Gegenwind von den Rechten. Und den Dummen. Nicht alle sind beides. Leider.
Antonia Groß/MDR-Altpapier ist beides nicht: “X oder: Das Geschäft mit der Empörung – Drei Parteien verkünden, dass sie die Plattform X nicht weiter nutzen. Nachrichtenmedien berichten mehr über die Empörung, als über die Motivation für diesen Schritt. Genau das ist das Geschäftsmodell des Unternehmens.”
Ebenfalls weder dumm noch rechts, aber empört, ist der alte Knut Mellenthin/Junge Welt, der eine sehr informative Ziwchenbilanz des angeblich längst beendeten Krieges der USA und Israels gegen den Iran – und der wiederum gegen die anderen Anrainer des Persischen Golfs – zieht. Lesen Sie schnell, die Junge Welt wird das in ihrem Paywallarchiv beerdigen: “Eine gewaltige Übermacht – Die USA und Israel haben dem Iran empfindliche Schläge versetzt. Dennoch gibt es Probleme mit dem Nachschub von Raketen und mit Teherans Drohnenangriffen. Eine vorläufige Bilanz des Krieges im Nahen Osten”.
Kommen beim Bundeskanzler etwa dumm und rechts zusammen? Das ist umstritten. Nicht umstritten, jedenfalls unter Demoskop*inn*en ist das: Bernd Müller/telepolis macht es jetzt so eitel wie sein Amtsvorgänger: “Friedrich Merz – der unbeliebteste Kanzler der Welt – Selbst Olaf Scholz war beliebter. Nach einem Jahr im Amt ist Friedrich Merz laut Umfragen der unpopulärste Regierungschef weltweit. Ein Leitartikel.” Die Junge Welt findet es witzig, eine Spiegel-Schlagzeile von Merz so abzuwandeln: »Kein Wähler vor ihm hat so etwas ertragen müssen«. Wer darüber lachen kann, hat es gut.
Alternative?
Jacobin veröffentlicht eine Rede seines US-Gründers Bhaskar Sunkara: “Etwas Sozialismus im Kapitalismus ist nicht genug – Sozialismus darf nicht lediglich bedeuten, den Kapitalismus gerechter zu gestalten. Er muss auf eine Gesellschaft abzielen, in der das Überleben nicht mehr vom Markt abhängt – und in der sich die Demokratie endlich auch auf die Wirtschaft erstreckt.”
Meine Lieblings-Zwischenüberschrift ist diese: “Vielmehr geht es um eine Ausweitung von Freizeit, Sicherheit und Lebenszeit außerhalb der Produktion.” Da finde ich mich wieder 😉

Auch mit folgendem Satz, gibt’s du meine Gedanken eins zu eins wieder: Ein Wind weht durch die asozialen Netzwerke und die nur noch wenig unterscheidbaren sonstigen Medien.
Genau dies dachte ich gestern nach einem Streifzug durch die deutsche Onlinemedienlandschaft. Meine Gedanken zu Overton/Westendverlag habe ich schon vor längerer Zeit in der Entscheidung zusammen gefasst, nicht mehr für sie zu schreiben, weil ich kein Feigenblatt sein möchte, nicht nur für Beiträge wie von Herrn L.
Ich war da eh nur wegen Florian Rötzer, bis mir klar wurde, dass er offensichtlich keinen Einfluss auf die „Blattlinie“ hat.
Neue und alte Medien scheinen nur noch Klicks oder Abos nach zu jagen, aber am Ende sind es die Redakteure, die das ausführen. Auch bei Telepolis zum Beispiel wurde niemand gezwungen, dabei mit zu machen. Nun wird dort auf der Hauptseite nicht einmal mehr angezeigt, vom wem die angepriesenen Artikel sind: Ich klicke einen Indien-Artikel an und sehe: Oh nein nicht Kerkow, jemand der nicht einmal einen Schimmer hat, wie es der Masse der Menschen in Indien geht. Alleine dein Hinweis von gestern zu Reliance-Disney gegen FIFA zeigte so unendlich viel mehr auf: Nicht Indien, also der Masse der Menschen, geht es immer besser, sondern den indischen Oligarchen und nur die haben auch mehr Einfluss, denn die dürfen jetzt auch mitspielen.
Im Nachbarland weiß die Masse der Pakistaner nicht mal, wie sie die nächste Tankfüllung für ihr Motorrad bezahlen soll – wenn sie überhaupt Benzin bekommen, aber auch unsere Medien sind voll des Lobes für die Vermittlungen zwischen den USA und den Iran der „Pakistaner“. Lob für die korrupten Generäle, die Imran Khan quasi lebendig im Knast verrotten lassen, obwohl er ohne Wahlfälschungen der aktuelle Premierminister Pakistans wäre.
Ist einfach nur noch pervers wobei diese Redakteure mittlerweile überall mitmachen: da wird von wachsenden globalen Einfluss von Indien geschrieben, doch was wächst, ist der Einfluss skrupelloser indischer Milliardäre während die Masse von skrupellosen wie korrupten Politikern brutal im Zaum gehalten wird, oder aufgeputscht. Auch bei den aktuelle Wahlen im Bundesstaat West-Bengalen hatte die Bevölkerung nur die Wahl zwischen Pest und Cholera.
Auf jeden Fall hat die Masse immer mehr Umweltzerstörungen, Luftverschmutzung und Umweltdesaster zu ertragen.
Auch diesen Satz von dir lebe ich seit mindestens 26 Jahren: Vielmehr geht es um eine Ausweitung von Freizeit, Sicherheit und Lebenszeit außerhalb der Produktion.
Nun gut ich will ehrlich sein: Sicherheit gehört nicht wirklich dazu.
So kann ich mich jetzt aufs Fahrrad schwingen – Meditation, 4 mal 5 Minuten auf einem Bein stehen und etliches mehr liegen schon hinter mir – und Unterschriften für den Volksentscheid: autofreies Berlin einsammeln und dann abgeben. Im Wissen, dass die geforderten 170.000 Unterschriften wohl nicht zusammen kommen werden. Aber den Schuh werde ich mir nicht anziehen müssen: Wenn jeder ein wenig machen würde, sehe es auch in diesem Fall anders aus. Es braucht keine Märtyrer: Demokratie funktioniert, wenn sich jeder ein wenig engagiert.
Antwort auf deine Antwort von gestern: Wenn ich einen eigenen Beitrag habe, bis du der erste an den ich denke. Dieser Mini-Beitrag kam nur dank deiner Anregung zustande.
Gruß
Gilbert