Donald Trump hat vor einer Zeit ein Buch gelesen. Es ging um eine Auflistung der Weltreiche der Geschichte. An erster Stelle steht das Britische Empire mit 35,5 Mio. qkm (1920). Ihm folgen das Mongolenreich mit 24 Mio. qkm (1270), das Russische Kaiserreich (22,8 Mio. qkm 1895), die Sowjetunion (22,3 Mio. qkm 1945) das Spanische Kaiserreich (13,7 Mio. qkm 1810), die Quing-Dynastie in China (13,0 Mio. qkm 1790, das Französische Kolonialreich (11,5 Mio. qkm 1920), das Kalifat der Umayaden (11,1 Mio. qkm 720), die Yuan-Dynastie (11,1 Mio. qkm 1310) und die Vereinigten Staaten von Amerika (9,7 Mio. qkm 1899).

Trump war empört, und gleich aus drei Gründen: Wieso durften die USA mit den Mongolen und mit irgendwelchen obskuren Kalifen gleichgesetzt werden? Wieso kamen China und Russland gleich zweimal auf diese Liste? Und warum stehen die USA nur auf Platz 10? Jemand klärte ihn auf, dass die Rangfolge sich nach der damaligen Fläche der Reiche richtete. Die USA hätten nun einmal nur eine Fläche von 9,7 Mio. qkm. Trump beschloss, dass man dies ändern müsse, nach dem Motto „America first“.

Sofort dachte er an Grönland (2,17 Mio. qkm), Kanada (10 Mio. qkm), Mexiko (2 Mio. qkm) und Venezuela (0,9 Mio. qkm), zusammen mehr als 15 Mio. qkm. Damit wäre er auf Platz 2 vorgerückt. Der Panamakanal und der Gazastreifen würden kaum etwas bringen. Dann schon eher die Summe der Inselstaaten der Karibik: Bermudas, Bahamas, Barbados, Haiti, Puerto Rico, Trinidad und Tobago, vor allem aber Kuba. Deren Existenzberechtigung stand für ihn ohnehin in Frage. Große Sprünge wären das allerdings nicht. 

Trump möchte dem früheren US-Präsidenten nacheifern, der 1867 für 7,2 Mio. $ (heute rund 160 Mio.)  das 1,6 Mio. qkm große Alaska von Russland gekauft und damit die USA um 21% vergrößert hatte. Auf jeden Fall müssten heute die Ansprüche der USA an der Antarktis hinzugerechnet werden. Laut Trump stünden den USA mindestens 50% der knapp 14 Mio. qkm zu.  Bei den Vereinten Nationen meldete er die Ansprüche der USA auf neu entdeckte Territorien und Inseln an.

Weitere Möglichkeiten sah er derzeit nicht. Er musste also etwas großzügiger denken, z.B. an Taiwan oder die Ukraine. Ihm fiel auf, dass für die Liste der Weltreiche die maximale Ausdehnung in der Vergangenheit maßgeblich war, auch wenn diese nur vorübergehend war. Da kam ihm sogleich der Iran seinen 1,65 Mio. qkm in den Sinn. Derzeit lässt Trump prüfen, ob auch Gebiete auf dem Mond oder auf fremden Planeten angerechnet werden können.

 

Über Heiner Jüttner:

Avatar-FotoDer Autor war von 1972 bis 1982 FDP-Mitglied, 1980 Bundestagskandidat, 1981-1982 Vorsitzender in Aachen, 1982-1983 Landesvorsitzender der Liberalen Demokraten NRW, 1984 bis 1991 Ratsmitglied der Grünen in Aachen, 1991-98 Beigeordneter der Stadt Aachen. 1999–2007 kaufmännischer Geschäftsführer der Wassergewinnungs- und -aufbereitungsgesellschaft Nordeifel, die die Stadt Aachen und den Kreis Aachen mit Trinkwasser beliefert.