Der Ruhrpott wird geleert – Wundersame Bahn CCLXIX

In diesem Oktober gibt es keine Chance vom Rheinland ins Ruhrgebiet zu gelangen. Der Spaghettiknoten in Duisburg-Kaiserberg ist noch nicht gross genug für all die Abgasschaukeln. Und seine Brücken sind kaputtgefahren und müssen neu gemacht (und von uns allen bezahlt) werden. Die Bahn muss drunter durch, von Duisburg nach Essen, Mülheim, Oberhausen usw. Und wenn die Autobahn GmbH damit fertig ist, geht es erst richtig los.

Dann baut wieder die Bahn. “100 Baumaßnahmen in 14 Wochen” lautet die PR-Schlagzeile, die die Funke-Mediengruppe verbreitet (Paywall). Vom 9. Juli bis 15. Oktober 2027 rollt nichts mehr auf der Hauptfernverkehrsstrecke von Duisburg über Essen, Bochum (die sind schon massenhafte ICE-Durchfahrten ohne Halt gewohnt, wie Wolfsburg oder Fulda) bis Dortmund. Teile des Verkehrs sollen über die nördlich gelegene Ost-West-Achse Oberhausen-Altenessen-Gelsenkirchen-Herne-Wanne-Eickel geleitet werden. Diese Strecke schafft es aber nicht, alles aufzunehmen. Praktischerweise gibt es seit Jahrzehnten in Essen-Altenessen gar keinen Bahnhof mehr, in dem Alkohol verboten werden kann; dort gibt es nur noch eine Angstraum-Unterführung mit menschenleerem Haltepunkt oben drüber, wo einst D-Züge nach Paris und Moskau anhielten. Gelsenkirchen Hbf. hingegen hat nach dem Abriss seines alten Empfangsgebäudes (1982) zahlreiche Preise als “hässlichster Bahnhof” NRWs und der BRD gewonnen.

Liebes Bonn, die Volksweisheit des Ruhrpotts solltest Du Dir in Deinen heutigen Abgasstaus vergegenwärtigen: “Woanders is’ auch scheisse!” Die Bahn-“Generalsanierungen” haben auch gute Seiten. Die pleitesten Städte unseres reichen Bundeslandes sind – mal wieder – mit der Bahn nicht erreichbar. Denn wer will sowas sehen? Armut sieht scheisse aus.

Über Martin Böttger:

Avatar-FotoMartin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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