In dem sehr lesenswerten Briefwechsel zwischen dem Russen Michael Schischkin und dem Ukrainer Gennadiy Druzenko, den die Süddeutsche Zeitung am 17./18. Oktober 2026 veröffentlicht hat, schreibt der Russe Schischkin an einer Stelle, dass ein Ende des Krieges nur nach einer uneingeschränkten militärischen Niederlage des Regimes (seines Landes) möglich sein wird.
Das scheint – unausgesprochen – auch das Ziel der westlichen Unterstützung der Ukraine zu sein. Kanzler Merz hat bislang explizit kein Ziel der deutschen Unterstützung definiert. Oder heißt „keine militärische Niederlage der Ukraine“ im Umkehrschluss ein militärischer Sieg der Ukraine? Vielleicht wusste die seinerzeitige deutsche Außenministerin, Annalena Baerbock, mehr als uns allen bekannt war, als sie sagte, dass wir einen Krieg gegen Russland führen?
Vielleicht hat sie sich ja auch nur verplappert.
Uneingeschränkte militärische Niederlage Russlands? Der größten Atommacht der Welt? Ein wenig realistisches Szenario.
Wie aber soll dieser schreckliche Krieg zu Ende gehen? Selbst wenn ein Machtwechsel im Kreml stattfinden würde, wonach es auf absehbare Zeit nicht aussieht, wäre eine Kapitulation Russlands wenig wahrscheinlich. Zuviel hat Russland schon in diesen Krieg hineingesteckt. Geld, Material, Menschen und Prestige.
Die gegenwärtige Lage erinnert fatal an den sog. Stellungskrieg im ersten Weltkrieg, wo sich über Jahre die Kriegsparteien mit größten Verlusten und schrecklichem Leid in den Schützengräben gegenüberlagen (Im Westen nichts Neues). Natürlich sind die militärischen Mittel heute andere, aber in ihrer Ausweglosigkeit und der Sinnlosigkeit der Opfer ähneln sich die Ereignisse. Der 1. Weltkrieg endete am 11. November 1918 mit einer Kapitulation des Deutschen Reichs in Form eines bedingungslosen Waffenstillstands, womit im Falle Russlands nicht zu rechnen ist.
Was folgt daraus? Für ein Ende des Krieges ist die militärische Logik alleine jedenfalls keine Lösung, will man nicht weitere hunderttausende Tote, Verletze und traumatisierte Menschen in Kauf nehmen oder gar eine atomare Katastrophe in Europa riskieren.
Es führt also kein Weg an einer diplomatischen Lösung vorbei, wobei es auf die kleinen Schritte ankommen wird. Kein Terrain für Großmäuler. Europa könnte eine wichtige Rolle spielen, wenn es sich davor hüten würde Kriegspartei zu sein oder zu werden. Es käme wahrscheinlich auch auf die Personen an. Kaja Kallas hat sich bisher nicht durch besonderes diplomatisches Geschick hervorgetan. Gleiches gilt leider auch für den deutschen Bundeskanzler. Auf jeden Fall müssten am Anfang vertrauensbildende Handlungen oder auch nur Gesten stehen. Man erinnere sich an die Ping-Pong-Diplomatie, die letztendlich China und die USA an den Verhandlungstisch brachte.
Ganz am Anfang müsste man sprachlich abrüsten. Die Kriegsrhetorik ist kein Weg der uns weiterbringt. Das gilt für die „Kriegstüchtigkeit“ von Boris Pistorius und die „letzte Patrone” von Markus Söder genauso wie für die Aussage von Merz, wir sind nicht im Krieg, aber wir sind auch nicht mehr im Frieden, solange nicht klar gesagt wird, was damit konkret für politische Konsequenzen verbunden sind. Ganz fatal ist die verbreitete Verteufelung „des Russen“. Mit dem Russen kann man nicht reden. Der Russe versteht nur die Sprache der Gewalt. Hier liegt neben der Diplomatie ein wichtiges Betätigungsfeld der Kultur. Ja richtig, wir erinnern uns. Ohne Prokofjew, Rachmaninow, Rimski-Korsakow, Tschaikowski u.a. wären die Spielpläne deutscher Konzerthäuser deutlich magerer. Kulturaustausch und Sport sind seit jeher wichtige Mittel der Verständigung. Es gäbe also auch unterhalb der Schwelle offizieller Diplomatie viel zu tun.

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