Annuschka Zak/Junge Welt hat sich mehr Recherchearbeit gemacht als ich, hat aber auch nicht mehr Vertrauenerweckendes herausgefunden: “Dezentral und undurchsichtig: Wer regelt Gen Z? – Zwischen Vorsicht und Panikmache: Vieles über die Organisatoren und Verantwortlichen der für Sonnabend angekündigten Schülerproteste bleibt unklar”. Dieser Text verschwindet in einigen Tagen im Paywallarchiv dieser angeblichen “vierten Gewalt”. Hier zum Vergleich die Erkenntnisse der taz. Müssen also die Bullen wieder alles selbermachen? Das alles erscheint im besten Falle als amateurhaft-unprofessionell – wenn es nicht eine Panikmache unter “false flag” ist. Da bin ich als U70 nicht dabei. Die beste “Gewalt gegen Bullen”, die gabs gerade frisch in meiner alten Heimat Essen, mal wieder von Fussballfans – als hätten sie ihren Küppersbusch gelesen 😉 .
Die deutsche Sozialdemokratie unterhält über die ihr nahestehende Friedrich-Ebert-Stiftung trotz massiv sinkender Wahlergebnisse immer noch ein respektables Netz von Botschaften im Ausland, die ihr wertvolle Informationen zuliefern. Da frage nicht nur ich mich, warum sie so wenig davon Gebrauch machen. Hier aus Frankreich, hier aus den USA – und siehe, sogar aus Brasilien:
Jan Souverein (doller Name): “Zurückgeschlagen – Lulas überraschender Wahlsieg zeigt: Mit digitaler Mobilisierung lässt sich auch ein scheinbar verlorener Wahlkampf noch drehen.”
Die Erkenntnisse dieses jungen Mannes aus São Paulo bestätigen, was ich gestern schon empfohlen hatte, und verstärken einen Aspekt: die nahezu russisch-botartig anmutende Nutzung der “bösen” digitalen Konzernnetzwerke für die Unterstützung eines alten weissen Mannes, wie es Bernie Sanders auch nie besser hinbekommen hat.
Denn die Medienmacht sitzt nicht mehr in Berlin, Hamburg, Frankfurt oder – bitte jetzt keinen Lachanfall bekommen – Köln oder Essen. In früheren Jahren hat das der verstorbene Lutz Hachmeister, einer der letzten denkenden was-mit-Medien-Köpfe unseres Zwergstaates, analysiert und veröffentlicht. Jetzt müssen wir für entsprechende Erkenntnisse nach Österreich ausweichen:
Paul Hummel/kontrast.at: “Die 20 größten Medienkonzerne der Welt: Wer Nachrichten, Fernsehen, Streaming, Musik und Social Media kontrolliert – Wer ist der größte Medienkonzern der Welt? Nicht Disney, nicht Netflix und auch kein Zeitungsverlag. An der Spitze stehen Alphabet mit Google und YouTube, Meta mit Facebook und Instagram sowie ByteDance mit TikTok. Das zeigt, wie stark sich Medienmacht verschoben hat. Heute entscheidet nicht nur, wer Nachrichten, Filme oder Musik produziert. Entscheidend ist auch, wer Suche, Feeds, App Stores, Geräte, Werbeauktionen und Netze kontrolliert.”
Zu dieser Kontrast-Veröffentlichung aus unserem Nachbarzwergstaat drängt sich dieser regionale Kontrast geradezu auf. Annika Schneider/uebermedien, als Ex-Beuelerin zu unserer Provinz sachkundig geblieben, hat vor einer Woche das geschrieben, das heute – niemand wird wirklich drauf gewartet haben – paywallfrei wurde:
“Neue KI-Teams bei DuMont: Lokaljournalismus, der keine Lokaljournalisten mehr braucht – Die Umlandausgaben des ‘Kölner Stadt-Anzeigers’ kommen jetzt von ‘Digital Content Specialists’. Sie sollen regionale Themen und Texte mit KI zusammensuchen. Das Ergebnis ist haarsträubend. Und meist weder journalistisch noch lokal.”
Ich selbst war noch Abonnent, als der “Rhein-Sieg-Anzeiger” die gleichzeitig kleinste und beste Lokalredaktion in Bonn beschäftigte. Ich sage nur: Thomas Aghte. Als der damalige Chefredakteur und Ex-DDR-Liebhaber Franz Sommerfeld dann in einem Leitartikel angesichts von Hartz-IV zum Gürtelengerschnallen aufrief, tat ich, wie mir geheissen, und bestellte ab.
Nun ist also weder von der Gewalt noch von der vierten irgendwas übriggeblieben. Auch andere wollen da nicht hinten anstehen.

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