Die Generalkonferenz für Maße und Gewichte (CGPM) hat im Oktober dieses Jahres beschlossen, die ‚Koordinierte Weltzeit‘ (UTC) ab Mai 2027 kontinuierlich und ohne künstliche Extrasekunden laufen zu lassen. 1972 war diese Weltzeit eingeführt worden. Allseits verwendet wird hingegen die Universalzeit (UT), die den Schwankungen der Erdrotation folgt. Basis ist die durch astronomische Beobachtung gewonnene mittlere Sonnenzeit des durch die Sternwarte von Greenwich (London) führenden Nullmeridians. 1928 erfolgte die Einigung auf dieses System. Grund für die Abschaffung der Schaltsekunde war, dass sie moderne Software und digitale System belastet.

Dagegen basiert die UTC auf den gleichmäßig durchlaufenden Sekunden der internationalen Atomzeit. Daher auch der Name ‚Atomuhr‘. Die Schwankungen der Erdrotation werden mit Hilfe von Schaltsekunden nachvollzogen. Bislang hat es 27 solche Anpassungen gegeben. Künftig darf sich nunmehr die Differenz zwischen der Atomzeit und der astronomischen Zeit UTC auf bis zu eine Stunde summieren (statt bisher maximal 0,9 Sekunden). Erst dann – also in etwa 3600 Jahren – wird eine (größere) Anpassung erforderlich werden. 

Nicht geändert hat sich die Notwendigkeit und Praxis von Schaltjahren. Bekanntlich entspricht ein Jahr dem Zeitraum einer kompletten Umkreisung der Sonne durch die Erde. Tatsächlich sind es jedoch 365 Tage und 6 Stunden (genauer: 365,2422 Tage). Ohne einen zusätzlichen Tag würde sich unser Kalender jedes Jahr um etwa sechs Stunden gegenüber dem astronomischen Jahr verschieben. Über einen längeren Zeitraum würden sich sogar die Jahreszeiten im Kalender verändern. 

Die Zahlen hinter dem Komma zeigen bereits, dass die Ermittlung von Schaltjahren nicht ganz einfach ist. Nach dem heute gültigen gregorianischen Kalender gelten daher folgende Regeln: (a) Grundsätzlich ist jedes Jahr ein Schaltjahr, wenn seine Jahreszahl durch 4 teilbar ist (z. B. 2028). (b) Ist das Jahr durch 100 teilbar, ist es kein Schaltjahr (z.B. 2100). (c) Ist das Jahr allerdings durch 400 teilbar, so ist es doch ein Schaltjahr (z. B. 2000).

Das Problem ist schon seit mehr als 2000 Jahren bekannt. Im Jahre 45 v.Chr. wurde im Römischen Reich der Julianische Kalender eingeführt, der alle vier Jahre einen Schalttag vorsieht. Der Februar hat dann 29 statt 28 Tage. Die weitergehende Reform mit Ausnahmen für den Schalttag erfolgte durch den gregorianischen Kalender, 1582 durch Papst Gregor XIII. verordnet.

Der gregorianische Kalender wurde in den katholischen Ländern Europas sofort übernommen. Im 16. und 17. Jahrhundert folgten zunächst protestantische Gebiete, Großbritannien 1752 und im 18. und 19. Jahrhundert weitere Staaten aus Europa und anderen Kontinenten. Russland stellte nach der Revolution 1918 um, die griechisch-orthodoxen Kirchen folgten in den 1920er Jahren. China übernahm den gregorianischen Kalender 1949. Heute gilt er als internationaler Standard und de-facto-Weltkalender. Nur  wenige Länder wie Äthiopien, der Iran, Afghanistan oder Nepal nutzen noch im Alltag eigene Kalendersysteme. 

Der gregorianische Kalender legte auch die Zählung der Jahre fest. Gemessen wird die Zeit ab der Geburt von Jesus Christus. Eine erste Datierung erfolgte bereits im 6. Jahrhunderts. Das Geburtsjahr Christi liegt jedoch nicht genau fest, die Angaben schwanken zwischen sieben Jahren vor und einem Jahr nach Christus. Ein Jahr Null kennt die Jahreszählung nicht. Die Verbreitung dieser Zählung erfolgte wesentlich durch die Karolinger.

Wie beim Kalender hat das Christentum also auch hier einen weltweiten Maßstab gesetzt. Im Römischen Reich wurden die Jahre ab der Gründung von Rom gezählt („ab urbe condita, ca. 753 v.Chr.). Der islamische Kalender beginnt mit der Auswanderung Mohammeds aus Mekka 622 n.Chr. Der Jüdische Kalender zählt ab der Schöpfung der Welt (3761 v.Chr.). Der buddhistische Kalender beginnt mit dem Eintritt Buddhas ins Nirwana (483 v,Chr.). China nutzte eine zyklische Struktur aus Stufen von jeweils 60 Jahren. Die traditionelle Zeitrechnung beginn mit der Regierung des mythischen Gelben Kaisers im Jahr 2698 v.Chr.

Auch Thailand, Indien, Pakistan, Persien und andere Völker kennen eigene Jahreszählungen. Die parallele Anwendung von Alternativen zur gregorianischen Jahreszählung ist weltweite Praxis. Viele Kulturkreise nutzen aus religiösen, traditionellen oder astronomischen Gründen im Alltag oder für feierliche Anlässe eigene Kalender, oft direkt verknüpft mit dem gregorianischen System. 

Ein Jahr hat bekanntlich 12 Monate. Diese Zeiteinteilung entwickelte sich aus einer Mischung von Sonnenjahr und Mondphasen. Ein Sonnenjahr dauert 365,24 Tage, ein Mondzyklus 29,5 Tage. Die Babylonier teilten das Jahr nach dem Mond in 12 Abschnitte ein, mussten aber mangels Genauigkeit hin und wieder einen 13. Monat einschieben. Im Römischen Reich galt anfangs – dem Dezimalsystem folgend – ein Kalender mit zehn Monaten. Unter späteren Herrschern erfolgte eine Anpassung an den Sonnenlauf, sodass sich das System mit 12 Monaten durchsetzte.

Die Zehnjahresregelung der Römer erkennt man noch heute an den Namen unserer Monate. September bis Dezember basieren auf den römischen Zahlen septem (7), octo (8), novem (9) und decem (10). Die anderen Namen sind unterschiedlicher Herkunft: Der Name Januar stammt von Gott Janus, der für Anfang und Ende steht. Der Februar leitet sich ab vom lateinischen Wort für Reinigung. Der März ist dem Kriegsgott Mars gewidmet. Der April begrüßte das Aufblühen der Natur (aperire). Der Mai würdigt die Göttin der Fruchtbarkeit Maia und der Juni Juno, der Göttin der Familie. Der Juli erinnert an Julius Caesar und der August an Kaiser Augustus.

Bei der Zuteilung der Anzahl von Tagen auf die einzelnen Monate waren die Römer offenbar etwas nachlässig: sie teilten ihnen (fast) abwechselnd 30 oder 31 Tage zu. Da das römische Jahr mit dem März begann, blieben für den Februar als letzten Monat nur noch 28 Tage übrig. Auch bei späteren Kalenderreformen behielt er seinen Sonderstatus bei. Für Schaltjahre bot er sich allerdings als Lösung an.

Die Einteilung der Tages in 24 Stunden stammt von den frühen Ägyptern und den Babyloniern. Sie benutzten ein Zahlenwerk auf der Basis 60, das sogenannte Sexagesimalsystem, orientierten sich an Mondphasen und Sternbildern und zählten 12 Stunden für den Tag und 12 Stunden für die Nacht. Das Sexagesimalsystem wurde wahrscheinlich deswegen gewählt, weil sich die Zahl 60 extrem leicht teilen lässt – nämlich ohne Rest durch 2, 3, 4, 5, 6, 10, 12, 15, 20 und 30. Dadurch konnten Bruchteile (wie Hälften, Drittel oder Viertel) einfach im Kopf berechnet werden.

Auch die Einteilung der Stunde in 60 Minuten stammt aus der Zeit der Babylonier. Im 13. Jahrhundert wurde die Sekunde als Unterteilung der Stunde bekannt und verwendet. Erste Uhren mit einem Sekundenzeiger baute der Schweizer Jost Bürgi um 1585. Der Name Minute stammt aus dem Lateinischen, wo die Unterteilung der Stunde in kleinere Einheiten ‚minuta prima‘ genannt wurde. Gleiches gilt für die Sekunde, die sich aus der Bezeichnung ‚minuta sekunda‘ ableitet.

Über Heiner Jüttner:

Avatar-FotoDer Autor war von 1972 bis 1982 FDP-Mitglied, 1980 Bundestagskandidat, 1981-1982 Vorsitzender in Aachen, 1982-1983 Landesvorsitzender der Liberalen Demokraten NRW, 1984 bis 1991 Ratsmitglied der Grünen in Aachen, 1991-98 Beigeordneter der Stadt Aachen. 1999–2007 kaufmännischer Geschäftsführer der Wassergewinnungs- und -aufbereitungsgesellschaft Nordeifel, die die Stadt Aachen und den Kreis Aachen mit Trinkwasser beliefert.