Beueler Extradienst

Meldungen & Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: Sportjournalismus

Kundschafter des Friedens

Und: Turnen als Organisierte KriminalitÀt
Kurzfristig Ă€nderte ich gestern mein TV-Programm. Sowohl bei Gundermann als auch beim Kirmesspiel des Fussballkonzerns aus dem sĂŒddeutschen Raum gegen den BVB wusste ich ja schon vorher, wie tragisch es ausgeht. “Kundschafter des Friedens” von Robert Thalheim kannte ich dagegen noch nicht. Arte hatte ihn aus Anlass des Todes von Michael Gwisdek kurzfristig ins Abendprogramm gehoben (nur eine Woche Mediathek!).
Ich muss gestehen: selten habe ich bei einem Ossi-Sujet so viel Spass gehabt.Weiterlesen…

Zum Sportjournalismus

… hier entlang
In der schrecklichen, der fussballlosen und sportschaulosen Zeit gibt es samstagsabends Gelegenheit, statt in die Glotze zu gucken, das zeitgleiche “Sport am Samstag” im Deutschlandfunk zu hören. Und siehe, hier gibts keine ProduktprĂ€sentation, fĂŒr die in mehrere hundert Seiten dicken LizenzvertrĂ€gen alles so geregelt ist, dass fĂŒr Pressefreiheit kein Platz mehr bleibt, sondern hier gibt es noch echten Sportjournalismus.
Hervorzuheben sind die zwei ausfĂŒhrlichen Interviews mit sportsachvertĂ€ndigen Personen, die aber den Kontakt zur gesellschaftlichen Wirklichkeit hier draussen noch nicht verloren haben.Weiterlesen…

Ramelow verstehen

RĂŒdesheim retten – Favre nach Gladbach holen
Es gibt eine Journalistin, die Bodo Ramelows Strategie kapiert: Elsa Koester/Freitag. Und ihr Kollege Michael Anegele kann sogar den Nebel um das VerschwörungstheoriegeschwÀtz lichten. Manche Verschwörungen gibt es wirklich. Oft wissen wir es schlicht nicht. Was hilft? AufklÀrung.
Das Virus hat auch seine guten Seiten. Es könnte z.B. den rheinischen Ort RĂŒdesheimWeiterlesen…

Donald – der kleine Bruder von Mohammed

unten: René Martens zum WDR
“Verschwörungstheorien” entstehen immer dann besonders blĂŒhend, wenn Ermittlungen, Untersuchungen, AufklĂ€rung behindert oder gar sabotiert werden. Opfer und Hinterbliebene werden auf diese Weise verhöhnt und in Paranoia getrieben, die ihnen immer wieder das Problem aufwirft, ob nicht “die Normalen” das Problem sind. Bis heute ist das nie gewalttĂ€tiger und politisch umwĂ€lzender passiert, als bei 9/11 im Jahr 2001. Ohne dass in Europa noch Notiz davon genommen wird, klagen in den USA Tausende gegen den Staat Saudi-Arabien, aus dem 15 der 19 mutmasslichen TĂ€ter entstammten. Bombardiert wurde dann aber lieber Afghanistan,Weiterlesen…

DLF – Angst vor dem Ösi-Bullen?

Ein kleines unbemerktes Detail. Im DLF-Kultur gibt es jeden Sonntag um 18 Uhr ein Sport-Feature unter dem Titel “Nachspiel”. Echter Sportjournalismus, wie er in der Glotze bereits weitgehend ausgestorben ist. Dort war fĂŒr gestern ein Beitrag von GĂŒnter Herkel “Red Bull – Sportmarketing der Extreme” angekĂŒndigt. Hmm, dachte ich: erfreulich, dass sich der Sender auf diese Weise mit dem mutmasslich nĂ€chsten deutschen Fussballmeister anlegen will. Zu frĂŒh gefreut.Weiterlesen…

MĂŒnchen / Kolonialverbrechen

Ein MĂŒnchner in Berlin, das allein muss schon depressiv machen. Andreas RĂŒttenauer/taz ist von haus aus eigentlich Sportredakteur. AnlĂ€sslich eines merkwĂŒrdigen Denkmalsaktivismusses in seiner alten Heimat und der “Neuerscheinung” im Geschenkschuber seiner alten G’schichten beschĂ€ftigt er sich mit dem Werk Helmut Dietls (und seiner Clique), und damit zwangslĂ€ufig der Entwicklung dieser Stadt. Im Grossen und Ganzen teile ich RĂŒttenauers Sicht. Nur einige wichtige Eckchen bleiben unbeleuchtet.
Zum Einen ist es die Mediengeschichte, die bei Dietl berufsbedingt immer eine wichtige Rolle gespielt hat.Weiterlesen…

Fusioniert der WDR “Weihnachts-” und “Karnevalspause”?

mit Update 8.12.
Nee, das kann es auch nicht sein. Jedenfalls macht “Sport inside” seit gestern Pause und macht Platz fĂŒr die Wiederholung von ĂŒber 10 Jahre alten “Wallander”-Krimis. Es soll aber am 19.2. des neuen Jahres wieder laufen. Also am Mittwoch vor Wieverfastelovend. Was also kann der Grund sein – ausser, dass der Programmdirektor nicht mehr weiss, wo ihm der Kopf steht?Weiterlesen…

Borussia in Gelsenkirchen wie zuhause

Ist das alles ein hinterhĂ€ltiger Trick der DFL, mich als Fussballfan bei der Stange zu halten? Viele aus meinem Freundeskreis, selbst BVB-Fans, haben dem Profifussball schon abgeschworen. Ich bin auf der Kippe – diese Saison kriege ich das Abschwören nicht wirklich hin.
ZunĂ€chst noch ein Dank an die Medien. FĂŒr Borussia Mönchengladbach ist es echt super, dass Ihr an Personal und Recherche spart.Weiterlesen…

Fussball-AM: Hotspot Bad Godesberg

Wieder eine Chance vertan?
Wenn die Welt untergeht, gehen Sie nach Bad Godesberg: da geht sie 20 Jahre spĂ€ter unter. So lange sind die reichen Diplomaten nun schon weg und nach Berlin abgehauen. Die Jugendlichen waren schon immer geflohen, weil die Schulen von Schickimicki-JĂŒngelchen dominiert wurden, die ihre Zeit bisweilen auf den Schössen unbefriedigter Lehrer zubringen mussten – und weil bei Sonnenuntergang immer die BĂŒrgersteige hochgeklappt wurden.
Seitdem grĂŒbeln sie in Bad Godesberg, unter grossem UnverstĂ€ndnis in allen anderen Bonner Stadtteilen, wie es weitergehen soll.Weiterlesen…

Zwischen Fanreportern und Spielverderbern

Fußballjournalismus auf dem PrĂŒfstand
von Tonio Postel / Otto-Brenner-Stiftung

(AuszĂŒge, ohne Fussnoten, aus dem OBS-Arbeitspapier 33)
6.2 Was getan werden könnte – Elf VorschlĂ€ge
Aus der bisherigen Darstellung ĂŒber Aufgaben, Zustand und Möglichkeiten des kritischen Sportjournalismus lassen sich einige HandlungsvorschlĂ€ge ableiten, die im Folgenden prĂ€sentiert werden. Die Entwicklung des Sportjournalismus ist jedoch nicht unabhĂ€ngig von der Entwicklung der Fußballbranche selbst, sodass der erste Vorschlag auch diese VerĂ€nderungen mitdenkt:

1. Einbindung der Fans
ZunĂ€chst bleibt zu hoffen, dass der Profifußball nicht noch stĂ€rker temporĂ€ren, wirtschaftlichen Interessen von „Heuschrecken“-Ă€hnlichen Investoren geopfert wird, die nur auf eine maximale Rendite schielen. Denn das Opfer einer weiteren finanziellen Ausschlachtung der Vereine wĂŒrde die Seele der Klubs aufs Spiel setzen: Die Gunst der „echten“, vielleicht weniger wohlhabenden Fans,Weiterlesen…

Klandestin und intransparent – der Fall Seppelt

Ist er vielleicht eine paranoide NervensĂ€ge? Vielleicht fĂŒr die Bundesregierung und die ARD.
Das AuswĂ€rtige Amt hat sicherlich genug Arbeit und Probleme. Da hat ein schwer kontrollierbarer Journalist, der sich an der Schnittstelle von Blockkonfrontationen bewegt und keine RĂŒcksicht auf politische Interessen nehmen will, gerade noch gefehlt. Freiwillig und fahrlĂ€ssig begibt er sich in Gefahr, und erwartet dann auch noch unseren Schutz. Nee, dafĂŒr haben wir jetzt keine Zeit. Sprachlich behilft man sich mit Textbausteinen aus dem Fall Skripal: “zu keiner andersgelageerten EinschĂ€tzung gelangen können” und versteckt sich hinter Geraune des Bundeskriminalamtes.Weiterlesen…

Syrien / Klopp / Sport inside

Überraschung: die Guten, die Anti-IS-Koalition hat in Syrien Kriegsverbrechen begangen. Und deutsche Waffen und deutsches Geld waren selbstverstĂ€ndlich mittendrin. Das hat Amnesty International untersucht, hier eine deutschsprachige Mitteilung, hier der komplette Report englisch.

Endlich kratzt mal eine an JĂŒrgen Klopp. Birgit Schönau muss sich dafĂŒr aus Italien melden, und hat gut beobachtet. Klopp wird verehrt, weil er so eine glĂ€nzende PR-Performance hat, die allein viel wert ist, fĂŒr ihn selbst, seinen Verein und die eskortierenden Medien. Aber es gibt immer eine RĂŒckseite, Weiterlesen…

Datenfetischismus bei der lit.cologne

Christoph Biermann ist gewiss einer der besten deutschen Fussballjournalisten. Unter den vielen guten BĂŒchern des Chefredakteurs der 11Freunde gefiel mir das am besten, in dem er seine RĂŒckkehr in die aktuelle Fussballszene des Ruhrgebietes beschreibt. Es bewies mir eindrucksvoll, dass er was von politökonomischen ZusammenhĂ€ngen versteht. Ein guter Conferencier ist Biermann leider nicht, sonst hĂ€tte er diese FĂ€higkeit heute besser zur Anwendung gebracht.

So geriet die Veranstaltung “Die neue Fußballmatrix” vor mehreren hundert ĂŒberwiegend MĂ€nnern im Theater am Tanzbrunnen in Köln ĂŒberwiegend zur Seuche des Sportjournalismus: ProduktprĂ€sentation.Weiterlesen…

Journalismus-Juwel “Sport inside”

Von der WDR-Programmdirektion ungeliebt und im Programm bis zur Unauffindbarkeit rumgeschubst, aber es gibt ja jetzt Mediatheken. “Sport inside” ist – neben dem NDR-“Sportclub” (sonntags kurz vor Mitternacht) – das einzige Sportjournalismusprogramm im gesamten öffentlich-rechtlichen und privaten deutschen Fernsehen. Sportjournalismus hier als prĂ€gnanter Unterschied zur ProduktprĂ€sentation: die gibt es in jedem Programm. Zu ihr haben die Sender hunderte Seiten dicke VertrĂ€ge mit den Veranstalter*inne*n geschlossen, in denen genauestens geregelt wird, was wie ins Bild gesetzt und wie welche Produktwerber und Spots dabei zu prĂ€sentieren sind. Pressefreiheit ist was anderes.Weiterlesen…

WDR will Sportjournalismus entsorgen – aber wohin?

Sport inside hat Weihnachtspause. Sie soll jetzt ĂŒberraschend schon Mitte Februar enden. Am Aschermittwoch, und zwar direkt parallel zur ZDF-Zusammenfassung der Champions-League-Spiele an diesem Abend. Das nennt mann in Fernsehkreisen “Programmierungsstrategie”, und im WDR machen das so superkluge Leute, dass wir mit unserem bisschen Verstand da nicht mehr hinterher kommen.Weiterlesen…

Fifa / FÀröer gegen FÀröer / StÀdte gegen ihr Theater

Thomas Kistner, SZ-Redakteur, ist seit etlichen Jahren einer der ganz wenigen kritischen Sportjournalisten. Ich weiss nicht, ob er ĂŒberhaupt von irgendwas Fan ist, auf jeden Fall Fan seines Berufes. Eine selten gewordene Spezies. Zusammen mit seinem Kollegen AumĂŒller legt er sich an diesem Wochenende ein weiteres Mal mit dem “Kaiser” Franz Beckenbauer an. Nun könnte man meinen, der Arme lebt doch sowieso am Rande von Herzinfarkten, ist nur noch ein Opfer, wie, sagen wir mal, Boris Becker. Ein Kaiser steht nicht nur fĂŒr sich selbst, er ist ReprĂ€sentant eines komplizierten Herrschafts- und Korruptionsystems, in dem sich in der Regel ein recht umfangreicher Adel verbirgt. Und so war es mit Beckenbauer wirklich. Vorgestern erst erwĂ€hnte ich hier im Zusammenhang mit dem Niedergang des Privatfernsehens den Kirch-Konzern, seine VerĂ€stelungen und seinen Zusammenbruch. Da ist er also schon wieder …..
Island ist schon genial, aber noch kleiner und noch spektakulÀrer sind die FÀröer-Inseln. Sie mischen nicht nur das Fussballbusiness auf, sie entwickeln sogar die Macht, Google zu nötigen, mit ihrer schÀrfsten Waffe, den Schafen. Grossartig.
Was fĂŒr ein Bild gibt dagegen das Rheinland ab. Andreas Rossmann (FAZ) berichtet aus Köln, wie der nĂ€chste Theaterintendant seine Flucht vorbereitet. Ähnlichkeiten mit Bonn wĂ€ren nicht zufĂ€llig. Die StĂ€dte sind unfĂ€hig, sich selbst zu managen. Schulen werden nicht saniert, nicht weil das Geld fehlt, sondern fachlich qualifiziertes Personal, um es kontrolliert auszugeben. Seit der Entlassung des berĂŒchtigten Naujoks findet die Stadt Bonn keine FĂŒhrung mehr fĂŒr ihr Immobilienmanagement, die – und sei es in einem personellen Tandem – ingenieur- und kaufmĂ€nnische Fachqualifikation in sich vereint. Und das ist dann, so die Pointe von CDU, SPD und FDP im Stadtrat, praktischerweise schuld: die Oper.

Sportjournalismus, Reste des guten

Die Pest im Fussball und seinen eingebetteten Medien ist, dass sie den unabhÀngigen Sportjournalismus weitgehend zur Strecke gebracht haben. 95% dessen, was uns private und, was noch schlimmer ist, öffentlich-rechtliche Medien als Sport zeigen, ist sponsorengerechte und durch umfangreiche von bestbezahlten Jurist*inn*en ausgearbeitete Vertragswerke (selbstverstÀndlich nichtöffentliche) abgesichert: ProduktprÀsentation, also Werbefernsehen.
Das Tempo dabei bestimmt heute der australische Medienzar Rupert Murdoch, der in den USA (“Fox”) und UK (“Sun”) die Massenmedien beherrscht, Trump zu seinem Wahlsieg gefĂŒhrt hat, und sich nun wie andere Teile des Grosskapitals in altersgerechtem Tempo, der Mann ist Ende 80, langsam in die BĂŒsche schlĂ€gt. Hierzulande gehört dem Mann der Pay-TV-Kanal Sky, er ist also Hauptfinanzier der DFL genannten ersten und zweiten Bundesliga.
Auf diesem Hintergrund bin ich weiterhin empört, dass der WDR als unser Eigentum das einzige sportjournalistische Format des deutschen Fernsehens “Sport inside” seine Sommersendepause verlĂ€ngert und stattdessen die weiteren Folgen seiner “Mein Verein“-Reihe absendet.

Das vorausgestellt nun zur Kritik, ich will ja nicht nur meckern. Die Folge ĂŒber S04 (Einschaltquote: 290.000) hatte sich an Geschichtsschreibung ordentlich verhoben, Weiterlesen…

NRW&WDR: Symbiose, fruchtlose

Es ist Sommerloch. Die TV-Sender schicken alle Redaktionen, sofern sie ĂŒberhaupt noch welche unterhalten, in die “Sommerpause”, die aber nicht so kurz ist, wie bei den Schulkindern, sondern gerne doppelt so lang. Freie Mitarbeiter*inn*en bleiben in dieser Zeit auftragslos, so werden Kosten gespart. Sportsenderechte mĂŒssen versendet werden, was an LĂŒcken bleibt, fĂŒllen Tatort-Wiederholungen. Eine “kreative” Idee darĂŒber hinaus ist, VolontĂ€r*inn*e*n ins Archiv zu schicken, und sie dort ein paar schöne, alte Schwarz-Weiss-Bilder neu zusammenschneiden zu lassen. Das kostet (fast) nichts, und das Ü70-Publikum, und das sind viele, freut sich an den Erinnerungen.
Andreas Rossmann, FAZ-NRW-Korrespondent mit badischem Migrationshintergrund, in Köln lebend, mit einer tiefen Liebe zum Ruhrgebiet, hat sich eine dieser Sendungen vorgenommen, mit einem schweren Denkfehler: er nimmt sie inhaltlich ernst, und kritisiert sie entsprechend qualitativ. Wie naiv von dem alten Mann, kurz vor seinem Rentenalter, gehört insofern also fast schon zur Zielgruppe.
Die sonntĂ€gliche WDR-Sendereihe “Mein Verein” ist nach dem gleichen Muster gearbeitet (meine Anfrage nach dem Verbleib von “Sport inside” ist seit einer Woche unbeantwortet). Die Folge ĂŒber S04 schien zunĂ€chst ein rĂŒhrseliges, schmalztriefendes WerbestĂŒck zu werden, bis glĂŒcklicherweise der eingebettete “Zwischenruf” von Tom Theunissen kam.Weiterlesen…

Es gibt noch gute Medien

Gestern berichtete das Deutschlandradio ĂŒber ein selbstverwaltetes Krankenhaus im brandenburgischen Spremberg. Kannte ich nicht, gesundheitspolitisch sensationell, von der breiten Öffentlichkeit ausserhalb dieses dĂŒnn besiedelten Bundeslandes unbemerkt. There are alternatives!
Sonntag bereits sendete “Sport inside”, das sich zusehends zu einem “Weltspiegel” des Sports entwickelt. Absolut sehenswert: die Gabun-Reportage. Das Tragische: es handelt sich um die einzige TV-Sendung, egal ob öffentlich-rechtlich oder privat, die ĂŒberhaupt Sportjournalismus betreibt – alle anderen Sportformate sind ProduktprĂ€sentationen, die sogar weitgehend vertraglich ĂŒber die Senderechte abgesichert werden, also bei Licht besehen eigentlich Werbefernsehen. Das ist das WDR-Format “Sport inside” ganz sicher nicht, und, obwohl es nur normal-kritischen Journalismus betreibt, fĂŒr dieses Alleinstellungsmerkmal grimmepreiswĂŒrdig.
Thomas Kistner ist auch ein richtiger Sportjournalist. Er berichtete diese Woche fĂŒr SZ und DLF neue VertuschungsmerkwĂŒrdigkeiten des DFB und der von ihm beauftragten Kanzlei Freshfields in Sachen “SommermĂ€rchen” 2006. Ex-DFB-PrĂ€sident Niesbach war offensichtlich besonders darauf erpicht, seinen VorgĂ€nger Zwanziger, der verdĂ€chtig ist Jens Weinreich/Spiegel-online mit Infos gefĂŒttert zu haben, in ein schlechtes Licht zu rĂŒcken. Kein Medium hat nachgesetzt. Eigene Recherche erfordert bezahlte Arbeit; wer will heute noch fĂŒr Arbeit bezahlen?
Einige richtige Stichworte zur aktuellen Medienentwicklung gab Lutz Hachmeister der geschĂ€tzten Kollegin Ulrike Simon. Hachmeisters wacher Geist ermĂŒdet, ich sah ihn vor ein paar Wochen bei einer Veranstaltung seines Instituts in Köln, weil die Berliner Hauptstadtpolitik an seinen Hinweisen komplett desinteressiert ist. Medienpolitik macht in der BRD eine kleine Gemeinde, fast alle kennen sich untereinander persönlich, SelbstreferentialitĂ€t in potenzierter Form. Sie sollen die Kreise derer in Berlin nicht belĂ€stigen – die so besonders anfĂ€llig bleiben fĂŒr EinflĂŒsterungen strategisch agierender MilliardĂ€r*inn*e*n (Murdoch, Malone, Mohn, Springer, Zuckerberg etc.). Diese ProvinzialitĂ€t in der Hauptstadt ist erschĂŒtternd.

© 2020 Beueler Extradienst

Theme von Anders NorĂ©nHoch ↑