Man hätte die Uhr danach stellen können. Der neue Präsident Frankreichs Macron war kaum richtig gewählt, da machten ihm seine politischen Freunde in Deutschland direkt erst mal klar, dass er nur der Kellner ist.
Ich habe erst nach der Wahl die Illner-Ausgabe geschaut, die vor der Wahl vom ZDF aufgezeichnet und gesendet worden ist. Es war eine Freude, so schöne Frauen so engagiert für ein fortschrittliches Europa rhetorisch fechten zu sehen, in meinen Augen: gelungen. Während Katja Kipping bei ihrem Auftritt die Unruhe mit dem Lafontaine-Fuchs im eigenen Stall im Hinterkopf beachten musste, ging Ulrike Guerot in die Vollen, und machte es dem Merkel-Vertreter auf Erden, Kanzleramtminister Altmaier nicht leicht.

Im Kern geht es um eine volkswirtschaftliche Ideologie, die global betrachtet nur noch in Deutschland ernstgenommen wird: freier Wettbewerb um die Exportweltmeisterschaft – wenn alle nach der Logik der schwäbischen Hausfrau wirtschaften, geht es auch allen gut. Wer die Macht hat, diese Ideologie durchzusetzen, und Schäuble hat sie mit Merkels Rückendeckung, sichert sich seine ewige Weltmeisterschaft wie der Fußballkonzern aus dem süddeutschen Raum es in der Bundesliga tut. Die Welt, Europa und Macron sind nicht doof: sie wissen genau, wer dafür zahlt. Wer Frieden und Kooperation in Europa will, muss sich von dieser Ideologie verabschieden und gleichberechtigt verhandeln statt diktieren.

Eric Bonse, langjähriger Korrespondent in Paris und Brüssel (ehem. Handelsblatt, heute u.a. taz, telepolis), den ich noch als vernünftigen Kerl in der NRW-Jugendpresse kennengelernt habe, skizziert in vernünftigem analytischem Ton die Lage, und wie sie eine klügere Bundesregierung angehen könnte.