NRW – alles muss die WAZ jetzt selber machen

Von , am Donnerstag, 29. Juni 2017, in Medien.

Ist das jetzt witzisch? Oder ein Skandal?

Der Miteigner der “Funke-Mediengruppe” (ehemals: WAZ-Konzern) Holthoff-Pförtner, im Hauptberuf bisher Rechtsanwalt von Helmut Kohl, wird der Medienminister der neuen CDU/FDP-Landesregierung. Ich weiss aus meinem Essener Bekanntenkreis, dass der Mann ein intellektuell eigensinniger Quälgeist sein kann, was aus meiner Sicht persönlich eher für ihn spricht. Trotzdem ist die Interessenkollision offenkundig. Einst, noch zu Zeiten Heinz Kühns und Johannes Raus hat der WAZ-Konzern auf subtile Weise und hintenrum die medienpolitischen Strippen in NRW gezogen. Niemand konnte gegen ihn regieren. Und nun regiert der Konzern gleich selbst?

Ist es schon so schlimm? Die Zeitungskonzerne sind auf dem absteigenden Ast. Zu lange haben sie sich darauf konzentriert, die Meinungs- und Pressefreiheit dadurch zu demontieren, dass sie sich in ihren jeweiligen Verbreitungsgebieten Monopole sicherten. Und das größte Verbreitungsgebiet hatte die WAZ. Dann haben sie bequem Jahr für Jahr fette Profite eingestrichen und ihre Eigentümer zu Milliardären gemacht. Und dann verpennt, dass es einen technologischen Wandel gab, der uns Leser*innen von ihnen unabhängiger gemacht hat. Abhängig sind wir jetzt von Apple und Google, aber nicht von Grotkamp, Holthoff oder Neven DuMont.

Soll Holthoff-Pförtner das jetzt aufhalten? Das wird vergeblich sein.
Dem neuen Ministerpräsidenten Laschet hätte ich mehr Weitsicht zugetraut. Anscheinend sind die alten Abhängigkeitsverhältnisse zu gross. Eine Partei, in der sie fortexistieren können, werden sie allerdings schnell klein machen.

Gleich kommentiert im DLF Horst Röper den Vorgang, ein kluger kompetenter Beobachter.
Update 18.7.: eine ausgezeichnete Analyse des Drehtüreffekts in der Medienpolitik der cdufdp-NRW-Landesregierung lieferte die Medienkorrespondenz.

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