Am letzten Wochenende wollte ich hier zunĂ€chst einen Erlebnisbericht ĂŒber meine Reise von Bonn ins Ruhrgebiet und zurĂŒck bringen. Normalerweise nichts besonderes, alles Hauptstrecken mit halbwegs gut vertaktetem Verkehr. Dennoch schafft es die DB am spĂ€ten Abend, also ausserhalb von Rushhours, phĂ€nomenale VerspĂ€tungsraten und missglĂŒckende AnschlĂŒsse zu produzieren.
Das Problem, wie bei der gesamten MobilitÀtspolitik, ist: das Netz.
Es geht nicht darum, dass ein einzelner Zug oder ein einzelnes Verkehrsmittel beschleunigt wird; das machen die Ingenieure und Politiker*innen am liebsten. FĂŒr uns, die FahrgĂ€ste, ist das Wichtigste, wie schnell, bequem und umweltfreundlich wir von TĂŒr zu TĂŒr kommen, egal womit.

Womit wir beim eigentlichen Skandal sind. Was gerade in der NĂ€he der nordbadischen Stadt Rastatt passiert, ist in seinen Dimensionen grösser/schlimmer als Stuttgart 21, und in seinen Auswirkungen auf die Gesamt-MobilitĂ€t in seinen Ausmassen mit dem Skandal des Dieselgipfels zu vergleichen. Das Schlimme ist leider: es ist nicht “gegeneinander” vergleichbar, weil es sich addiert, und in seiner Netzwirkung multipliziert und potenziert. Das Schöne fĂŒr uns Beueler*innen daran ist: es könnte, noch vor dem LĂ€rmschutz, der mit dem Bau der S 13 winkt, fĂŒr lĂ€ngere Zeit leiser werden.

Die Strecke, die durch die RastĂ€tter Tunnelbaustelle jetzt stillgelegt ist, ist die meistbefahrene Bahnstrecke Europas, die Nord-SĂŒd-Ader. FĂŒr den GĂŒterverkehr ist sie noch bedeutender als fĂŒr den Personenverkehr. Wir in Beuel wissen und hören nachts, was das bedeutet. Das gesamte Rheintal, besonders seine “idyllischen” engen Abschnitte, haben ein Demografie-Problem, weil dort niemand mehr eine Nacht verbringen kann, ohne gesundheitlichen Schaden zu nehmen. Tourist*inn*en kommen auch nur noch als wenig lukrative TagesgĂ€ste. Andererseits beschweren sich die Niederlande, Schweiz und Italien zu Recht, dass sie im Bahnnetzbau in Vorleistung gehen, und wer nicht hinterherkommt sind die Deutschen.

Die Deutschen, wie beim Auto, zwingen nicht die Fahrzeugbauer zur Entwicklung und die DB Cargo zum Einsatz von leiserem Rollmaterial, sondern wollen mit Tunnelbau die interessierten Industrielobbys und Anlagenbauer auslasten und mit Rendite versorgen. Mann kennt sich, mann hilft sich.

Und jetzt ruinieren sie nicht nur die deutsche Autoindustrie. Jetzt legen sie gleich die Infrastruktur von Mitteleuropa lahm. Wenn es nicht Dobrindt wĂ€re, wĂŒrde man ihn jetzt zum Eingreifen auffordern. Oder Pofalla? Aber verspricht das Besserung? Oder noch mehr Gefahr?