Digitalisierung als Enteignung und Russengefahr

Von , am Samstag, 3. März 2018, in Politik.

Ulrich Horn beklagt heute – korrekt beobachtet – den Verfall des “Made in Germany”. Der prägnanteste Fall ist unser Umgang mit der Digitalisierung von Technik und Kommunikation. Aktuelle Beispiele:
Das Microsoft-Dilemma” – eine sehenswerte Dokumentation kreist z.Z. noch in Wiederholungen durch die ARD-Nischenprogramme. Wenn Sie die verpasst haben: anschauen. Klar wird hier, dass das EU-Europa auf technische und politische Eigenentwicklung und -ständigkeit komplett verzichtet und vor Konzernlobbyist*inn*en in den Staub wirft. Das hat, wie ich erst jetzt hier erfahren habe, 2010 auch Bundesaußenminister Westerwelle getan. Die aktuell skandalisierte Hacker-Affäre ist also auch seine späte Hinterlassenschaft. Danke, Guido! (In welcher Partei war der noch mal?)
Dieser Geheimdienste-Spin um das angebliche Russen-Hacking ist ein weiteres Beispiel. Kennzeichnend an dieser Story ist, dass nicht nur “nichts bewiesen” (so die russische Regierung) ist, für uns und unsere Medien absolut nichts nachprüfbar und nur eines sicher ist: dass nichts sicher ist. Die Lösung wäre also nicht, wie die Dienste es insinuieren, mehr technische und militärische Aufrüstung, ein Rattenrennen, das nie zum Ziel führt, sondern: politische Entspannung und Kooperation. Bei unserem System, das auf Wachstums-Konkurrenz, Wettbewerb und Selbstoptimierung ausgerichtet ist, wäre das natürlich schon systemwidrig.
Die FR berichtet heute am Beispiel der deutschen Bosch-Konzerns, was mir bereits bei einer TV-Dokumentation über Bayermonsanto aufgefallen war: Digitalisierung der Landwirtschaft, scheint gleichbedeutend mit Enteignung der Landwirte von ihren Daten und ihrer digitalisierten Technik. Bosch wie Bayer drängen sich in die Führungsgruppe des Rattenrennes. Statt ein eigenes europäisches Digitaldienstleistungsmodell zu entwickeln, das Bauernsouveräntität und Datenschutz integriert – und mit diesem Alleinstellungsmerkmal globale Konkurrenzfähigkeit beweisen könnte. Kooperation und Koexistenz als unschlagbares Angebot für Kleinbauern auf anderen Kontinenten? Nein: lieber Abhängigkeiten schaffen, Konkurrenz vernichten, Märkte und Monopole erobern – die Marktlogik von Drogenhändlern, die von allen Ökonomen um ihre Extraprofite beneidet werden. Ein fortschrittliches “Made in Germany” – nicht erwünscht.

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