Unsicherheitspropaganda macht nervös. Nicht weil sie glaubwürdig ist. Sondern weil hinter ihr Absichten vermutet werden dürfen, keine Guten. Das aktuelle Cyberwargeraune ist vor allem davon gekennzeichnet, dass es nicht verifizierbar ist. Erzählen kann mann uns alles, wenn wir keine Chance zur Überprüfung von Fakten haben. “Rechercheverbünde” sind nicht sicher vor Spindoktoren von Geheimdiensten, die sie als unsere betrachten. Wir und die Anderen. Für uns oder gegen uns?

Darum hier lieber ein paar Hinweise auf harte Fakten. In Chinas herrschenden Etagen geht es scheinbar sehr kontrovers und hektisch zu. Das Handelsblatt-Korrespondentin Sha Hua meldet die Verstaatlichung eines Ölkonzerns – Alptraum aller Milliardäre. Und der Großaktionär der “Deutschen Bank” HNA meldet weitere milliardenschwere Notverkäufe von Immobilien. Alle im Chinageschäft involvierten Konzerne machen solche Meldungen nervös, scheue Rehe.
Update 3.3.: der geschätzte Kai Strittmatter sieht heute (online nur hinter Paywall) in seinem SZ-Leitartikel eine Kündigung des Paktes zwischen der chinesischen Staats-und Parteiführung und der liberal gesonnenen Mittelschicht. Hier rächt sich erneut das strategische Desinteresse der Mittelschicht an der Unterschicht – wie überall.

Die aktuellen Schlagzeilen zum Ausbruch eines Welthandelskrieges aufgrund von US-Strafzöllen für Stahl und Aluminium sind nicht aktuell. Sondern nur so gross, weil Stahl- und Aluminiumkonzerne so gross sind. Ich hatte hier bereits auf die Analyse von Laura von Daniels (SWP) hingewiesen, die klare Handelskriegsstrategien benannt hat. Auch der Gaskrieg, den Jens Berger/nachdenkseiten hier aktuell analysiert, tobt ja schon seit vielen Jahrzehnten. Rohstoffreichtum ist immer mit sozialen und ökologischen Verwerfungen und strategischen Spannungen verbunden. In den 70er Jahren haben wir Erdgasröhren für die UdSSR noch als Beitrag zur Entspannung und Friedenssicherung gesehen. Das hat sich in der herrschenden Sicht hiesiger Medien umgekehrt. Handel war ein Mittel zur Entwicklung friedlicher Beziehungen; heute wird er wie eine Interkontinentalrakete betrachtet. Wir erkennen hier einen gefährlichen Mentalitätswandel im Denken unserer Herrschenden und ihrer Medien.

Die Kulturindustrie erkennt die Zeichen an der Wand. Rüdiger Suchsland/telepolis hat den Hollywood-Film „Red Sparrow“ gesehen, der ein Bild des politischen Spionage-Russland aus US-Perspektive zeichnet. Zeitgemäss.