WM in Russland – jetzt glaube ich doch dran

Von , am Mittwoch, 7. März 2018, in Fußball, Politik.

Respekt Wladimir Putin. Nach seinem unsouveränen Agieren im eigenen Präsidentschaftswahlkampf hätte ich ihm diesen Diskurs-Coup gar nicht zugetraut. Boris Johnson vorzuschicken, dieses personifizierte Monster einer Ich-AG mit bleibenden Brexit-Verdiensten. Indem dieser Boris – vorsichtig, nur um mal einen Stein in den Teich zu schmeissen – die britische Teilnahme an der WM problematisierte, hat er für die Fifa und Putin eine Elfmetersituation geschaffen.
Die Fifa nämlich muss nach ihren eigenen Spielregeln Fussballverbände, die sich vom Bösen (= der Politik) unterjochen lassen, suspendieren, bis sie sich wieder unabhängig dem Guten (= dem Fussballgeschäft) zuwenden dürfen. Mit Miniverbänden, Sudan, Kuweit und Pakistan wurde das schon exemplarisch geübt.
Wenn sich die unter Missbrauchs– und Rassismusskandalen taumelnde britische FA nun von ihrer Regierung einen WM-Boykott vorschreiben liesse, “müsste” die Fifa sie rausschmeissen. Das wird sie bei einem grossen Mitgliedsverband nicht offensiv verfolgen. Wenn es aber um die Verteidigung ihres milliardenschweren Kerngeschäfts WM geht, wird sie politische Hemmungen schnell ablegen. Dann stünde Boris Johnson mit seinem – sowieso sportlich nicht qualifizierten – Gesinnungsfreund Trump ziemlich isoliert und unbeachtet in der Gegend herum, während der Rest der Welt von Katar bis China gebannt das WM-Fussball-Spektakel verfolgt. Es reicht dann gerade noch für ein Denkmal untergegangener Imperialismen.
Bei Trump um die Ecke ermittelt die US-Justiz seit Obamas Zeiten gegen die weltweite Fifa-Kriminalität. Es sind exakt die Justizappparate, die er sich gerne vom Hals schaffen würde. So stolpern die Jungs mit den blonden Perücken über ihren strategischen Intelligenzmangel. Es ist eben nicht alles schlecht. ;-)
Dem sportlich ahnungslosen Elite-Besäufnis-Teilnehmer Johnson ist scheinbar entgangen, dass er mit seinem in den Teich geschmissenen Steinchen der britischen Ökonomie einen weiteren Dolchstoss verpassen würde. Der Fussball bei ihm um die Ecke ist global nicht nur der am meisten kapitalisierte. Er ist auch – in den VIP-Logen und Aftershow-Parties – der zentrale globale Marktplatz für alle anderen Branchen, die es gerne mal glitzern lassen. Ist Brexit-Johnson also heute der wahre Antikapitalist? Theresa won’t be amused.

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