Angola / Südafrika

Von , am Sonntag, 1. April 2018, in Medien, Politik.

Während meines jugendlichen Engagements zum südlichen Afrika lernte ich schnell, dass deutsche Medien hier journalistisch nicht vertrauenswürdig arbeiteten, insbesondere auch “liberale” Medien (Spiegel, Stern, FR etc.) nicht. Ich lernte einzelne Redakteur*inn*e*n dieser Medien persönlich kennen, die viel aus dem schwierigen Innenleben ihrer Redaktionen erzählten. Ich lernte daraus: einzelne Journalist*inn*en versuchten durchaus seriös zu arbeiten. Und wenn sie es besonders clever anstellten und anständige Chefs hatten, drangen sie in Einzelfällen in ihrem Medium auch damit durch. Ein guter Lotse in jener Zeit wurde für mich der damalige sozialdemokratische Redakteur des Berliner Extradienstes, Namenspate dieses Blogs, Rudolf Schwinn, der heute noch hier in Bonn lebt.
Das will ich bei den folgenden Hinweisen vorausgeschickt haben.

Die taz-Auslandsberichterstattung in ihrer Gesamtheit hat für mich noch nie zu den vertrauenswürdigen Quellen gehört. Nur einzelnen Autor*inn*en traue ich über den Weg. In diesem Fall muss ich meine komplette Unkenntnis zugeben, es wird aber ein Thema berührt, das sonst niemand berichtet: der Machtwechsel in Angola. Führt er auch zu einem Politikwechsel? Der Interviewpartner des taz-Mitarbeiters Francois Misser, Daniel Ribant, ein international tätiger Banker, meint: Ja.
Wenn das stimmt …. es wäre an der Zeit. Angola, lange von mit Waffenlieferungen aus Europa und Deutschland befeuerten Bürgerkriegen verwüstet, ist ein Beispiel für wildesten Rohstoffkapitalismus: Öl hat dem Land Reichtum beschert, aber nur einigen wenigen Oligarch*inn*en. Seine Hauptstadt Luanda gehört zu den teuersten Städten der Welt.

Noch merkwürdiger und zweifelhafter ist, was die FAZ über die Notenbank Südafrikas berichtet. Folgen wir dieser Lesart, handelt es sich um einen völlig unwichtigen lediglich politisch-symbolischen Vorgang, wenn in Südafrika diskutiert wird, die bisher in Privateigentum (!, wo gibt es das sonst noch?) befindliche Notenbank zu verstaatlichen. Dennoch räumt die FAZ diesem unwichtigen Vorgang breiten Raum ein. Das scheint mir ein Paradebeispiel verschlüsselter Kommunikation zu sein: wir, das doofe Massenpublikum, sollen nichts verstehen; die Eingeweihten, Investoren, Kapitalgruppen etc. dagegen bekommen die für sie relevanten Signale.

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