#metoo/WDR: Henke gerät 0:2 in Rückstand

Von , am Samstag, 5. Mai 2018, in Medien, Politik.

Noch gestern wäre das nicht möglich gewesen: ein glänzend in der Kulturszene vernetzter Staranwalt, eine öffentliche Unterschriftensammlung mit Starappeal, und Gebhard Henke wäre aus dem Gröbsten raus gewesen. Doch die Diskursmachtverhältnisse haben sich verschoben, und manche der Älteren wollen das nicht wahrhaben. Was für einige noch eine erotische Spielerei war, über die frau sich nicht so anstellen solle, Vieles ist doch früher viel schlimmer gewesen, das findet eine wachsende Zahl Andersdenkender nicht mehr lustig. Es wird also neu ausgehandelt, nichts bleibt wie es war.

Noch vor wenigen Wochen hatte ich Respekt bei einem Anne-Will-Auftritt der Künstler*innen*agentin Heike-Melba Fendel. Sie setzte sich in die Talkshow gegen den aktuellen Diskurswind und versuchte die heterosexuelle Erotik zu verteidigen. Muss mann nicht teilen, aber eine legitime Position. Mit ihrer Unterschriftensammlung für Henke und Raue scheint aber wohl die Geschäftsfrau mit ihr durchgegangen zu sein. Ihre Diskursmut-Darstellung wird von einem erkennbaren Interesse unterminiert. Nicht illegitim, aber eine Schwächung des eigenen öffentlichen Bildes.
Genauso Rechtsanwalt Peter Raue: es mag sein, dass sein Statement zu Charlotte Roche – hier im Audiofile des DLF – juristisch eine wirksame Verteidigungsposition ist. Kulturell, politisch, PR-strategisch ist sie das, zumal vorgetragen von einem älteren Herrn, Gegenteil. Das ist es, was diese Damen und Herren noch nicht verstanden haben: hallo Aufwachen, die #metoo-Debatte verändert unsere Gesellschaft.
Es hätte für Henke in Köln auch leistungsstarke Anwältinnen gegeben. Oder wollte keine?
An diesem Wochenende hat sich also der Spiegel an die Recherchespitze gesetzt – seine Story mit den Zeuginnen Roche und Petri natürlich nur hinter Paywall, es soll ja Geld damit verdient werden. Lang genug hats gedauert beim einst naziunterwandertenSturmgeschütz“. Dort ändern sich die Zeiten ein bisschen langsamer. Aber es ist ein Zeichen: was dort durchdringt, ist schon – in der Grillsaison – ganz gut gar.

Jetzt warten wir mit Spannung auf den WDR und seine Aufklärungsbemühungen. Dass Gründlichkeit vor Schnelligkeit geht, ist angesichts der Problematik angemessen. Druck besteht dennoch: nicht nur durch Anwalt Raue, auch weil die Dienstvertragsverlängerungen von Direktor*inn*en, die sich die Gremien des Hauses schon vorgenommen hatten, erst einmal verschoben wurden.

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