Mann soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Diese Spuchweisheit scheint Zinedine Zidane gut bekannt zu sein. Was sollte jetzt noch kommen? Seine Mannschaft ist überaltert und verwöhnt, eine partiell gewalttätige (Ramos) Multimillionärsbande, von nicht wenigen Intrigen durchzogen, der Verein von einem spanischen Oligarchen geführt, dem vielleicht gerade die politischen Felle wegschwimmen, und der mit Sicherheit ein komplett anderes Verständnis von Fussball hat. Zidane hat eine grosse Familie, die von ihm lebt, nicht nur Frau und Kinder, sondern auch Geschwister, die zum Teil Geschäfte in Frankreich für ihn erledigen. Kurz: er muss sich mehr um sein Unternehmen kümmern, wo er selbst der Chef ist. Er ist im besten Mannesalter, um noch alle schönen Dinge des Lebens geniessen zu können. Hart dafür gearbeitet hat er, vielleicht auch – seine Juve-Zeit steht unter Verdacht – gedopt. Eine Mehrheit von Männern und Frauen verehrt ihn sogar für seinen Kopfstoss im Finale 2006. Ich nicht. Es war dann auch gerecht ausgegangen.
WDR-Intendant Tom Buhrow gab der Mitgliedszeitschrift des Deutschen Journalistenverbandes (DJV), dem der freie WDR-Mitarbeiter Frank Überall vorsteht, ein Interview zur #metoo-Affäre in seinem Sender. Das Interview steht (bisher) nicht online. Alle Medien sind voll mit Meldungen darüber. So macht der DJV Marketing. Die Meldungen deuten darauf hin, dass Buhrow signalisieren will, er habe verstanden. An dieser Botschaft ist nichts auszusetzen, wenn ihr Taten folgen. Diese Taten müssen sich in der Struktur der Arbeitsbedingungen, der Hierarchieverhältnisse und Regeln des Umgangs mit senderinterner Macht niederschlagen. Viel Arbeit für Einen, der wirklich verstanden hat.
Für Buhrow wie für uns alle könnte das mehrfache Studieren von Jean-Luc Godards “Le Mépris” (1963) eine Lehre sein. Da war alles schon da, was heute zurecht skandalisiert wird. Eine tolle Studie zu einem tollen Film von Hans Schmid heute auf telepolis.