Welches Exempel wird am KFC Uerdingen statuiert?

Von , am Freitag, 1. Juni 2018, in Beuel & Umland, Fußball, Politik.

Der KFC Uerdingen hat sich sportlich für die 3. Liga qualifiziert. Naja fast. Es fehlten 8 Spielminuten im Rückspiel in Mannheim, als er 2:1 führte, das Hinspiel war 1:0 ausgegangen. Dann kamen die Mannheimer Pyrotechniker und sorgten zielgerichtet für einen Spielabbruch. Die Täter waren vermummt und niemand hinderte sie an ihrem Tun, keine Polizei, keine Ordner*innen, keine Fans. So sah es für mich als TV-Zuschauer aus. Das Dritte übertrug live und der Reporter erging sich unaufhörlich in Aufregung über die “Wahnsinnigen”. Es wirkte ein bisschen wie die ukrainische Inszenierung um den nur angeblich ermordeten Journalisten: sehr billig und schlecht inszeniert.
Unzweifelhaft erschien Uerdingen gegen Waldhof als die fussballerisch klar bessere Mannschaft. Trainer Stefan Krämer und die Mannschaft haben das getan, was ihr Job war. Und das war gutes Handwerk. So wie sie zuvor die Regionalliga West gewonnen haben: mit grundseriöser Mannschaftsleistung, einer Defensivarbeit, an der sich alle Mannschaftsteile engagiert beteiligten – ohne spielerischen Glanz zu verbreiten.
Da ist aber ein Problem. Wer ist der KFC Uerdingen? Die Alten unter uns kennen es als Bundesligisten, Pokalsieger und Europapokalteilnehmer “Bayer Uerdingen”. Nicht wenige legendär gewordene Spiele waren dabei. Dann verlor der Konzern die Lust an Uerdingen. Die Fussballinvestitionen sollten auf das schöne Leverkusen konzentriert werden. Uerdingen nahm den Fahrstuhl, nach unten.
Dort fand es Mikhail Ponomarev, 35%-Besitzer der Düsseldorfer EG (früher mal deutscher Eishockeymeister mit dauerausverkauftem Stadion, ist aber schon lange her) und Mit-Sponsor von Fortuna Düsseldorf. Der KFC Uerdingen war platt, also sehr billig zu kaufen. In Düsseldorf wollen ihn und seine Beraterin Christina Begale, ehemalige Büroleiterin des verstorbenen OB Joachim Erwin (CDU), viele Geschäftsleute, die in dieser Stadt bekanntlich besonders distinguiert hohe Nasen tragen, nicht mehr so gerne sehen.
Nun scheint sich das zum DFB rumgesprochen zu haben. Sportlich wirkt der KFC Uerdingen mehr als qualifiziert. Nun soll er aber die zu hinterlegende Kapitalsicherheit für das Lizenzverfahren zur 3. Liga einen ganzen Tag zu spät geliefert haben. Ponomarev ist empört, weil er das eigentlich immer so macht: Rechnung zwar bezahlen, aber gerne unter Nichtbeachtung preussischer Zahlungsfristen. Der DFB ist formal auf der sicheren Seite, wie Schäuble: “Regeln gelten für alle”. Ponomarev nimmt wahr: die wollen mich hier nicht. Dann höre ich eben ganz auf. Kapital ist ein scheues Reh und wandert weiter.
Im Kern geht es um Politik. Der DFB kann entscheiden: das Geld ist ja da. Der DFB mit seinen milliardenschweren Ressourcen könnte recherchiert haben, für wen Herr Ponomarev welches Kapital wäscht. Wahrscheinlich nicht gerichtsfest, aber vielleicht hinreichend für den Eigenbedarf. Eine negative Entscheidung bedeutet also: sowas wollen wir hier nicht. Oder eine positive: herzlich willkommen, auch an alle Andern, die dann nachkommen und weitere Vereine zum Geldwaschen kaufen. Womit wir wieder bei der 50+1-Regel der DFL wären.
Der KFC Uerdingen erlebt seit Jahren in Echtzeit, was sie bedeutet.

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