Wer siegt beim Agendasetting?

Von , am Samstag, 30. Juni 2018, in Fußball, Lesebefehle, Medien, Politik.

Darüber zerbricht sich auch Isolde Charim/taz den Kopf. Nico Beckert/telepolis sieht, und ich fürchte richtig, viele Medien bereits auf das Agendasetting der AfD hereinfallen. Die kann damit werben: “AfD wirkt”, selbst bei EU-Gipfeltreffen, bei denen sie noch nicht dabei ist.
Nicht alle Medienleute haben ihren Verstand zu Arbeitsbeginn an der Garderobe aufgehängt. Ralph Sina war heute morgen um 6 auf WDR5 von wünschenswerter Deutlichkeit. Da der WDR aber seine Homepage unbrauchbar gemacht hat, um der Lobby der wenigen (ungefähr 5?) deutschen Zeitungsmilliardär*inn*e*n gefällig zu sein, kann ich hier nicht darauf verlinken. Dann eben bitte hier entlang zum guten Peter Kapern/DLF, dessen Sender hoffentlich nicht dem WDR auf seinem suizidalen Irrweg folgt. Peter habe ich noch als sehr anständigen NRW-Korrespondenten seines Senders in Düsseldorf kennengelernt – er liess sich nicht vom Pressesprecher der Staatskanzlei dressieren.
Die Rück- und Wechselwirkungen mit dem Fussballgeschäft setzen sich fort. Der WAZ gelingt heute eine gerechte Würdigung des Gelsenkirchener Zauberfussballers Mesut Özil, der nur leider strategisch so schlecht und wirr beraten ist.
Nach dem Desaster dieses EU-Gipfels stellt sich nun die Frage an die deutsche Linke, wie lange sie dem rechten Schauspiel noch besserwissend und dösend zuschauen will. Es gibt unfassbare Mäkeleinen an dem – selbstverständlich nicht perfekten – “Solidarität statt Heimat“-Text, der mittlerweile weit über 10.000 Unterschriften bekommen hat. Er ist wenigstens mal eine seriöses Angebot als Artikulationsfläche für die menschenfreundliche Mehrheit unserer Republik, die sich im veröffentlichenden politischen Raum nicht mehr repräsentiert fühlt. Auffällig unter den Unterzeichnenden sind die zahlreichen Menschen aus der praktischen Flüchtlingsarbeit, die sich von den Parteien immer mehr verlassen fühlen müssen. Weder Linke, noch Grüne und natürlich wie immer am wenigsten die SPD zeigen bemerkbaren Widerstand gegen den rechten Diskurs, weder zusammen noch alleine. Links der FDP: eine einzige Verletzungspause. Sie alle leisten mit Blick auf die EU-Parlamentswahl im nächsten Frühjahr auf diese Weise ihren ganz eigenen Beitrag zur Zerstörung eines zivilisierten demokratischen Europa.

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