Rettungstauchen für Militärdiktatur / BND

Von , am Dienstag, 10. Juli 2018, in Lesebefehle, Medien, Politik.

Ist es nicht rührend, wie während der WM kindliche Fussballspieler aus einer dunklen Höhle gerettet werden? Einer dunklen Höhle, in der sie von Wasser umschlossen gefangen gehalten werden. Die komplette Weltpresse, Meldungen sprachen von rund 1.000 Journalist*inn*en, drängelt sich im thailändischewn Urwaldgrün, um die Inszenierung ordentlich auszuleuchten – erst 4 Jungs, am nächsten Tag wieder 4 Jungs, und weil es so schön funktioniert einen weiteren Tag nur 3 Jungs, damit noch einer plus der Trainer übrigbleiben und die Spannung zugespitzt wird. Immer schön im Schweinwerferlicht, und weil es sonst so wenig zu zeigen gibt: einige ältere Herren in Uniform, die barmherzig und umsichtig die Rettungsarbeiten leiten. Was bei den Rettungsarbeitern gesprochen wird, versteht die kurzzeitig angereiste Weltpresse selbstverständlich nicht – die Sprache, Sie wissen schon …
Da bleibt noch weniger Zeit als bei WM-Gastgeberländern darauf hinzuweisen, dass im schönen Thailand eine geringfügig weniger schöne Militärdiktatur bestimmt, wo es langgeht. Die Demokratie und der Parteienstreit – nein, die sind für Thailand nichts. Nur selten ist es deutschsprachigen Menschen, die dort ausgiebig hinreisen, weil es so schön ist, und die jungen Frauen so lieb sind, vergönnt, darüber Politisches zu erfahren. Hier ein paar Häppchen:
– ein DLF-Gespräch mit einem ARD-Korrespondenten (2 Jahre alt)
– ein österreichischer Bericht aus diesem Jahr
– ein NZZ-Bericht (Schweiz) aus dem letzten Mai.
Da freut sich die Militärdiktatur, dass sie jetzt tausendfach rührendere Schlagzeilen und Bilder verbreiten kann. Wie viele politische und ökonomische Netze sich damit spinnen lassen – wie mit einer WM, nur billiger und eindrucksvoller ….

Der BND in Österreich, hier schon erwähnt. Dröhnende Stille, oder? Constanze Kurz, CCC-Sprecherin mit altem FAZ-Kolumnistinnen-Vertrag, passt das nicht und sie erinnert daran. Das von ihr beschriebene kollektive Schweigen in Berlin weist darauf hin, dass die BND-Erkenntnisse verdammt interessant sein müssen.

Update nachmittags: Zur medialen Verarbeitung der Ereignisse in Thailand siehe auch Nora Frerichmann und Margarete Stokowski.

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