Veränderungen der politischen Öffentlichkeit

Von , am Montag, 13. August 2018, in Lesebefehle, Medien, Politik.

Axel Bojanowski versuchte am Wochenende den Elfenbeinturm der Wissenschaft gegen den Ansturm von Politik und Öffentlichkeit zu verteidigen. Kurz zusammengefasst will er, dass Wissenschaft von einer Klimakatastrophe erst sprechen soll, wenn das auch zu beweisen ist. In der Natur des Klimas liegt es nur leider, dass, wenn es so weit ist, alles zu spät ist. Wissenschaftler*innen mit Verantwortungsgefühl, denen das Leben und die Menschen lieb sind, können also nicht so agieren, wie ein Spiegel-online-Wissenschaftsredakteur es sich erlauben kann. Ich bin nicht der Meinung, dass “die Natur” etwas feststehendes ist, denen wir Menschen unterliegen und sich ihr zu fügen haben. Es gibt eine menschliche Gestaltbarkeit. Gestaltbarkeit, im Unterschied zu (vollständiger) Beherrschbarkeit. Beherrschen lässt sich, und das nur u.U., was wir vollständig kennen. Dazu fehlt uns noch vieles. Und darüber wird noch viel politischer Streit erforderlich sein.
Dieser Streit verändert sich, seine Formen werden regelrecht umgewälzt, und wir dürfen dabei sein, es selbst erleben.

Die Kommunikation der Despoten

Dazu gehört, wie demokratisch an ihr Mandat gekommene Despoten wie Trump, Putin, Erdogan heute kommunizieren. Florian Rötzer/telepolis erläutert es an Trump, und beschreibt anschaulich, wie sich die alten etablierten Medien dabei selbst ein Bein stellen.
Markus Bickel/Blätter erklärt es am Feudaldespoten “MBS” in Saudi-Arabien. Trotz despotisch-absolutistischer Macht steckt auch dieser cholerische junge Mann in Zwängen, die ihm die Macht, und in seinem Land auch zügig den Kopf kosten können. Drittgrösster Rüstungsinvestor nach USA und China – da spielen Menschenleben bei der Entscheidungsfindung keine grosse Rolle.

Was lernen wir von 1935/36?

Wolfgang Michal versucht im Freitag die Sammlung von Wagenknecht und Lafontaine zu verteidigen. Ich teile seine Position nicht. Seine Anmerkungen zu Veränderung moderner politischer Organisationen sind aber für jede*n wichtig. Und sein Hinweis auf ein – am Ende gescheitertes – Treffen der deutschen antifaschistischen Opposition in Paris 1935/36 ist besonders konstruktiv. Warum organisieren wir sowas nicht heute, ohne Zwang zum Exil, reden geduldig über alles, und finden im Unterschied zu damals auch Ergebnisse? Wenn dabei eine Sammlung unten rauskäme, hätte sie vielleicht auch Sinn.

Der Zwang zum “Agil-leben”

Wenn das nicht zustandekommt, liegt es auch daran, dass die heutigen Produktionsverhältnisse uns daran hindern, noch auf solche Ideen zu kommen, sie kollektiv und soldarisch zu entwickeln und zu verfolgen. Die heise-Kolumne Missing Link von Timo Daum “Agil leben im digitalen Kapitalismus” gibt darauf wertvolle Hinweise. Sind diese Sichtbeschränkungen noch überwindbar? Oder müssen wir uns ihnen schon fügen?

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