“Bild” verbieten

Von , am Dienstag, 14. August 2018, in Fußball, Medien, Politik.

Und die irre Berater*innen-Branche braucht gesetzliche Regeln
Wenn ich in dieser Republik zu sagen hätte, wäre das schon in den 70er-Jahren passiert: “Bild”, die sogenannte Zeitung wäre verboten. Als ich noch klein war, in den 60ern hiess die Parole noch “Enteignet Springer!”. Aber die bezahlen ja jetzt sogar Silke Burmester (huch: eben lese ich, sie sei schon wieder abgelöst?; ihre eigene Website ist Baustelle); das soll so bleiben. Es ist seitdem viel passiert. Ausser, dass sich dieses Ding “Bild” zivilisiert hätte; an solche Zeitabschnitte kann ich mich nicht erinnern. Und obwohl sich dieses Medium nach Kräften abgemüht hat das zu verhindern: unsere Gesellschaft hat sich sehr wohl zivilisiert: von in den 90er Jahren verkauften rund 5 Mio. Exemplaren dieses selbst als Klopapier ungeeigneten Teils (zuviel Chemiefarbe dran; darum auch keinesfalls Fisch darin einpacken!), sind, das spricht sich viel zu wenig rum, nur gut 1 Mio. übrig geblieben.
Am wenigsten spricht sich das offensichtlich beim “was-mit-Medien”-Volk rum, also denen, die selbst Medien machen, und sich immer noch vom Springerkonzern die Agenda diktieren lassen. Von Jürgen Kleikamp, dem einstigen Chef der WDR-Lokalzeit Köln wurde sowas z.B. erzählt. Aber selbst edelste Hauptstadttoilettenbesucher (Copyright: Friedrich Nowotny) arbeiten so. Und die Beratungsindustrie deutscher A-, B- und C-“Promis”. Die ist ähnlich übel. Statt ihre Arbeit zu machen, machen sie “Deals” mit den Schmierfinken bei Springer. Und wenn die Zeit reif ist, lassen sie ihre Klient*inn*en von ihren Dealpartnern verwursten und fressen.
Boris Becker weiss, was ich meine. Und jetzt hat es Jan Ullrich erwischt. Mag sein, dass die Jungs dumme Arschlöcher sind. Aber was geht uns das an? Oder gar die Medien, die uns informieren und aufklären sollen? Ist es für die Angehörigen der Protagonisten, und natürlich auch für sie selbst, nicht grausam genug?
Aus meiner Sicht ist zumindest eine korrigierende Gesetzgebung erforderlich. Der Presserat, die Selbstregulierung der Branche schaffts ja offensichtlich nicht. Mehr als fruchtlose Rügen hat er nicht im Arsenal. Und da sie im Bundestag sowieso gerade scharf darauf sind, die asozialen Medien zu schurigeln, sollten sie bei den alten Medien nicht zurückzucken. Und direkt die dreckige PR-Berater*innen-Branche mit in den Blick nehmen. Die Missachtung der Menschenwürde (Grundgesetz Art. 1) muss zum Straftatbestand werden. Und der “Verkauf” von Klient*inn*en an Andere (Arbeitgeber, Medien, Sender, Fussballvereine usw.) muss in den schon existierenden Straftatbestand Menschenhandel integriert werden.
Schauen Sie sich an, was mit den Herren Draxler (weiss, deutsch, machte Abi an meiner Schule) und Modeste (schwarz, französisch, ehem. FC Köln) passiert. Ihre Berater kassieren bei jedem Wechsel fette Provisionen. Darum sind sie immer an Wechseln interessiert, und sabotieren so die Verbindung ihrer Klienten zu Fangemeinden. Draxler wurde nach Paris an die Katarer verkauft, geradewegs in die Sackgasse seiner Fussballerkarriere – als Stürmer in ein Team, in dem er mit Neymar, Mbappe, Cavani und di Maria konkurrieren muss. Aussichtslos. Nachdem sie kassiert haben (Rogon, Roger Wittmann) bringen sie ihn ausgerechnet wieder bei S04 ins Gespräch, aber nicht seriös-diskret, sondern über die Medien. Ein so unterirdisches Handwerk ist nach geltenden Verbraucherschutzregeln illegal. Draxlers Image ist bei den Menschen in Gelsenkirchen längst unterhalb der Grasnarbe. Das ist der Gier-Entertainmentbranche egal. Aber was für ein Mensch soll aus dem Kerl noch werden?
Noch schlimmer trieben sie es mit Anthony Modeste. Den haben sie nach China verschifft, für sehr viele Millionen. Und jetzt Überraschung: er fühlt sich dort “nicht wohl”. Und der BVB darf in der Zeitung lesen, dass er sein neuer Lieblingsverein ist. Würden Sie solchen Leuten einen Gebrauchtwagen abkaufen?
Die Beratungsindustrie (ich mache ständig den Tippfehler, das ich ds “r” an der dritten telle vergesse) ist eine wildkapitalistische Pest. Es ist eine regulierende Gesetzgebung erforderlich, die der Menschenwürde und dem geltenden Arbeitsrecht Geltung verschafft. Diese Art Wilder Westen oder Osten ist eines “demokratischen und sozialen Bundesstaates” (Grundgesetz Art. 20) und auch einer demokratischen EU unwürdig.

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