Es gibt ein paar politische Sprachverschiebungen zwischen den USA und uns, die die Verschiedenheit der Kulturen kennzeichnen. In den USA werden Linke als “Liberals” bezeichnet, was dort auf ganz andere Weise als bei uns (FDP) als Schimpfwort gemeint ist. In dieser politischen Geometrie werden Kräfte, die sich in den USA als “Socialists” bezeichnen, programmatisch mit den hierzulande gewöhnlichen Sozialdemokraten gleichgesetzt. Doch jetzt verschiebt sich Vieles. Könnte sein, dass in den USA was Neues entsteht.
Allein der Stimmungsunterschied. Die Öffentlichkeit der deutschen EU-Führungsmacht wendet sich angewidert von der Parteipolitik ab. Ein einzelner Amokläufer, der auch noch Horst heisst, kann hier die Szene beherrschen. Ulrich Horn und Friedrich Küppersbusch haben das Geschehen heute angemessen kommentiert.
Die Erscheinung der USA, eine wachsende Projektionsfläche in einer Person, ist Alexandria Ocasio-Cortez, hier im Porträt von Dorothea Hahn/taz. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob sie nicht aus der Küche einer besonders intelligenten PR-Agentur entsprungen ist. Sie rollt die politische Öffentlichkeit ähnlich wirksam auf wie unser Horst, nur viel politischer, emanzipatorischer, optimistisch und zugewandt, statt im Abtreten alles mitzureissen.
Begleitend dazu wächst ein neues Medium heran, “Jacobin”, hier vorgestellt von FAS-Medienredakteur Harald Staun, das Muttertier des deutschen Adamag. Ocasio-Cortez ist 28, der Jacobin-Herausgeber Bhaskar Sunkara ist 29. Dass die ausgelatschte Ideologien wiederkäuen, wie wir sie in der deutschen Parteienlandschaft kennen, dürfen wir ausschliessen. Es entsteht etwas Neues.
Sicher, da ist viel jugendliche Grossmäuligkeit dabei. Die Medien, die uns hier darüber berichten, vereinfachen durch Personalisierung. Die Personen werden, gewollt oder ungewollt, zu grossen unrealistischen Projektionsflächen. Vielleicht haben sie sich in den USA mehr als hier daran gewöhnt, damit bewusst und strategisch zu spielen. Im Falle von Wahlsiegen drohen dann Mühen der Ebenen, wie es bei Barack Obama schon zu sehen war.
Aber das ist alles besser als Trump und die rechtsradikalen West- und Osteuropas. Die Linke muss nicht nur aus Niederlagen, sondern auch aus Fortschritt und Erfolgen lernen. Wer zu Hoffnungen nicht fähig, ist, ist auf der falsche Baustelle.