Tagesschau wird terrorisiert, Spiegel verteidigt

Von , am Donnerstag, 3. Januar 2019, in Medien.

Stefan Niggemeier kann den Spiegel auch verteidigen. Dann, wenn er in Springers “Welt”, die ich aus Rücksicht auf mein Wohlbefinden nicht lese, relotiusartig attackiert wird. Ich könnte das nicht, so gründlich und zeitaufwendig quellenkritisch zu arbeiten, bin aber dankbar, dass es Leute wie bei uedermedien.de (dieses Mal ohne Paywall) gibt, die sich dem unterziehen.
Wie ist in dieser Hinsicht der Konflikt Volker Bräutigam vs. die Tagesschau zu beurteilen? Ich weiss es nicht. Der Mann war Redakteur beim Gegenstand seiner Kritik. Er kennt also, worum es geht. Seine Art des Vorgehens, das beständige, nicht nachlassende Verfassen von Programmbeschwerden über viele viele Jahre weist aber auch paranoide (rachsüchtige?) Züge auf. Die Wirkung seines betriebenen grossen Aufwands – ist sie ihm egal? Von der Redaktion, insbesondere ihrer Leitung, die ihrerseits die AfD schon mit Besuchen beehrt hat, wird der Mann mit Sicherheit als terroristischer Querulant betrachtet. Das Schlimme ist aber: egal, wie mann/frau sich im einzelnen positionieren mag: er hat ja gar nicht in allen Punkten Unrecht. Er unterzieht sich Ritualen, die an Selbstauspeitschung erinnern, auf die 99,5% keine Lust und dafür keine Zeit haben (wollen). Ich fabriziere als Alterswerk dann lieber einen Blog, versuche ihn von meiner eigenen Rachsucht freizuhalten, und vor allem: mehr gute Laune und Lust auf Engagement zu verbreiten.
Jede*r, was er*sie am besten kann.

Ein Kommentar zu “Tagesschau wird terrorisiert, Spiegel verteidigt

  1. Klemens Roloff

    Dank und Lob dem „Beueler Extradienst“ für den Link zu dem sehr lesenswerten „NachDenkSeiten“-Interview mit dem „Tagesschau“-Kritiker Volker Bräutigam. Ja, der Mann – in den 70er und 80er-Jahren selbst Redakteur beim „ARD-Flaggschiff“ – hat recht, wenn er etwa der aktuellen Russland-Berichterstattung von „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ vorhält – und nachweist, sie sei russlandfeindlich, agitatorisch und bellizistisch akzentuiert. Sein Bemühen, der ARD mit Programmbeschwerden beizukommen, mag wenig aussichtsreich erscheinen. Aber ist er deswegen „paranoid“, ein „terroristischer Querulant“?

    Anfang der 80er-Jahre hat die Friedrich-Ebert-Stiftung von Bonn aus einem Dritte-Welt-Nachrichtendienst den Zugang zum Nachrichten- und Medienmarkt in der damaligen Bundesrepublik zu ebnen versucht. Das Unterfangen war schon nach kurzer Zeit gescheitert. Die tonangebenden Agenturen – AP, Reuters, DPA, AFP – ließen es erst gar nicht so weit kommen, dass ein alternativer News-Vermittler auf dem bundesdeutschen Markt Fuß fassen konnte. Bräutigams Kritik an der diesbezüglichen Berichterstattung von ARD-aktuell ist immer noch zutreffend: „Die sogenannte Dritte Welt ist, mit Verlaub, scheißegal. Sie findet nicht statt – falls da nicht grad eine ‚Naturkatastrophe’ ausgebrochen ist. Oder ein Krieg, der die Interessen der ‚Westlichen Wertegemeinschaft’ tangiert.“

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