Der aufrechte Willi Winkler, der augenscheinlich leider in der SZ nur noch wenig zu tun bekommt, würdigte kürzlich den Ausnahmejournalisten Seymour M. Hersh. Der wertvolle Platz in der SZ reichte wohl nicht mehr dafür, Hershs jüngste Erkenntnisse über die Aktivitäten des jüngst verstorbenen und von fast allen Staatsoberhäuptern der Welt geehrten Ex-US-Präsidenten George Bush sen. zu referieren.
Das hat dafür dankenswerterweise Markus Kompa/telepolis erledigt.
Wenn Sie das gelesen haben, legen Sie diese Erkenntnisse bitte neben die – ebenfalls scheinbar exklusiv in Deutschland erschienenen – Erkenntnisse über das Treiben einer angeblichen iranischen Exilorganisation in Europa (hier von Florian Rötzer, hier eine Fortsetzung von Ralf Streck). Ich will nicht verschweigen, dass sogar prominente Kölner Grüne vor Jahren auf diese Organisation reingefallen waren – nicht dagegen Isabel Schayani.
Meine These dazu: es handelt sich um eine Strategie der von “Sicherheits”berater John Bolton personifizierten und angeführten Trump-Administration, die einstige EU, verstanden als Zusammenschluss europäischer Demokratien, von innen heraus mit rechtsradikalen Ideologien, Organisationsstrukturen und Geldflüssen zu sprengen. Mr. Bolton hat dieser zwielichtigen iranischen Sekte bereits persönlich und öffentlich die Aufwartung gemacht und dürfte weitere Vereinbarungen (Deals) bei seinen Besuchen im arabischen Raum in die Wege geleitet haben. Begünstigt durch die schäubleartige nationale Demokratien unterminierende Herrschsucht der Bundesregierung in der EU.
Es wird Zeit für eine öffentliche Debatte über deutsche Europa- und Aussenpolitik. Sie sollte nicht nur in Berlin geführt werden. Und es wird Zeit für eine Suche nach Resten von Seymour Hershs Arbeitsauffassung im hiesigen Journalismus.
Update 23.1.: heute das gleiche Thema bei Sp-on.