Zum Medienvertrauen gibt es hierzulande mittlerweile Studien für jedes Ergebnis. Die Einen haben keins mehr, bei den Andern ist es angeblich “stabil”. Am besten Sie testen es im eigenen Bekanntenkreis selbst. Thomas Pany/telepolis berichtet von einer Studie in Frankreich, die alle was-mit-Medien-Leute alarmieren muss. Und die politische Klasse dazu. Zwar machen die Leute in Frankreich entschieden lieber Revolutionen als in Deutschland, sind ja auch viel erfolgreicher. Im Denken aber sehe ich entschieden grössere Ähnlichkeiten als im Handeln.
Zu Ihrer persönlichen Entscheidung über Ihr eigenes Medienvertrauen empfehle ich Ihnen diese ausführliche Stellungnahme einer Reporter*innen-Preis-Jury zu ihrem Irrtum im Falle eines Spiegel-Reporters.
Für noch gewichtiger für Ihr eigenes Urteil halte ich diese Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung (die erheblich wissenschaftlicher arbeitet als die ihr nahestehende Partei, und die sie in diesem Fall beauftragende Fraktion) “zur sozialen und beruflichen Situation von freien Mitarbeiter*innen bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten”. Diese Mitarbeiter*innen sind es nämlich, die faktisch heute das Programm machen. Seit den “Rotfunk”-Kampagnen der CDU in den 80er Jahren haben CDU- und SPD-nahestehende in den Sendern parallel zur Entwicklung des Privat-TV die Anstalten systematisch inhaltlich entleert, um an nichts mehr schuld sein und für nichts mehr angegriffen werden zu können. Darin, das muss ich heute anerkennen, waren sie erfolgreich, wie in nur wenigen anderen Politikbereichen. Das Programm wird nicht mehr gemacht, sondern auf dem “Markt” gekauft. Der “Markt” war ursprünglich das, wozu öffentlich-rechtliche Angebote eine qualitative Ergänzung/Alternative bilden sollten. Wie naiv! Und die Schwächsten auf dem “Markt” sind alle die, die einzeln sind.