Macht und Technik sind nichts Böses – entscheidend ist immer, wer darüber die Verfügungsgewalt hat. Mein Gastautor Peter Wahl hat mir vor langer Zeit, im vorigen Jahrhundert, mal erzählt, dass er das seinen Genoss*inn*en jahrzehntelang geglaubt habe – bis zur Atomkatastrophe von Tschernobyl 1985. Peter hat seinerzeit daraus gelernt, aber wie viele sonst noch?
Das atomare Wettrüsten erfährt gegenwärtig einen Neustart. Und dabei bleibt es nicht. Der heisseste Scheiss des Rüstungsbusiness ist … natürlich die Künstliche Intelligenz. Die meisten wissen darüber so wenig, dass es sich als ein geniales Mittel zur Verbreitung von Paranoia erweist, um Menschen und Länder gegeneinander aufzubringen. So war es also ein wichtiges Thema bei der Münchner Konferenz zur Bekämpfung von Vertrauen und Abrüstung und für die Verbreitung von Angst und Unsicherheit.
Das FAZ-Feuilleton präsentiert heute Nikolai Klimeniouk als Autor, der sich für sie nicht der Mühe präziser Analyse unterziehen muss, sondern seine Freude an Polemik ausleben darf. Die Denkwelt, die er dort an die Wand malt, gibt es leider wirklich. Und das Gefühl will nicht weggehen, dass sie sich ausbreitet, keineswegs nur in Russland.
Bei Facebook geht es nicht mehr um Denken, dort wird gehandelt. Despotische Herrschaften in Russland, China oder Indien müssen einem fast schon verantwortungsvoll erscheinen, dass sie die Daten “ihrer” Bürger*innen nicht von einem unkontrollierbaren, privaten Konzern enteignen lassen, sondern in “öffentlichem Eigentum” halten wollen. Ein Staat könnte demokratisiert, sein Reichtum gerechter verteilt werden, zumindest potenziell. Ein Konzern müsste dafür erst mal vergesellschaftet werden. Und bevor das passiert, sind seine Privateigner mit dem Datenschatz gewiss schon auf der Flucht …