ARD zu dumm zum Treckerfahren (II)

Von , am Mittwoch, 20. Februar 2019, in Medien.

Wie die Intrige gelaufen sein dürfte, verdichtet sich in der unübersichtlichen Fülle der Veröffentlichungen. Darum geht es, vorgeblich. Das, was Sie da sehen und lesen können, soll schon zwei Jahre alt sein, wird aber jetzt erst aufgeblasen.
Aus meiner Sicht dürfte es ungefähr so abgelaufen sein: die MDR-Intendantin und damalige ARD-Vorsitzende Karola Wille erkannte, dass ihre Organisation von fast der gesamten Konkurrenz unsachlich und aggressiv, dafür aber kontinuierlich, attackiert wird. Darum sei es an der Zeit, sich dagegen zur Wehr zu setzen, und zwar am besten mit wissenschaftlicher Unterstützung. Da gibt es in Kalifornien diese deutsche Wissenschaftlerin Elisabeth Wehling, die über “Framing” forscht, also exakt das, was Donald Trump und Alexander Gauland so exzellent beherrschen. Wille muss als Intendantin schon so gegensätzliche Machtfaktoren wie eine rot-rot-grüne Landesregierung (Thüringen), eine AfD-nahe CDU-geführte Landesregierung (Sachsen) sowie eine Landesregierung mit der grössten rechtsradikalen AfD-Landtagsfraktion (Sachsen-Anhalt) ausbalancieren. Ich versichere Ihnen und mir selbst: da hätten wir auch wissenschaftlichen Beratungsbedarf.
Frau Wehling versteht in der Tat sehr viel von Framing, aber von Kalifornien aus dürfte ihr Interesse an den Ziselierungen deutschnationaler Medienpolitik nicht sehr ausgeprägt sein. Ich selbst musste vor Jahren mal einen sehr, sehr grossen multinationalen US-Konzern beraten, dessen Bataillone von internationalen Einserjurist*inn*en und Werbeagenturen das deutsche Medienrecht nicht verstanden. Ich hatte gut zu tun, und wurde sehr anständig bezahlt. Daran haben sowohl die Stäbe der ARD als auch von Frau Wehling wohl gespart: nicht an sprachlicher, aber an politischer und strategischer Übersetzung.
Der Frau Wille folgte im ARD-Vorsitz Ulrich Wilhelm, vor nicht so langer Zeit Regierungssprecher von Angela Merkel, heute Chef des Senders, der der CSU nicht allzu fern stehen darf. Wenn es in seinem Stab keinen CSU-Mann gibt, der erkannt hat, wie sich aus dem bisher nichtöffentlich gehaltenen Vorgang öffentlicher politischer Honig saugen lässt, dann sollen mir die Finger abfallen, die im Moment diesen Text tippen.
Es gibt da ein Problem, das dieser Text in der Tat für die ARD enthält, und das ist Frau Wehling hoch anzurechnen: die ARD, die das kämpferisch ausführt, müsste erst noch erfunden und geschaffen werden. Sie müsste ein völlig anderes Programm machen. Und das würde sehr, sehr viele lukrative Reviere und Erbhöfe in Gefahr bringen, in denen es sich einige angenehm gemacht haben. So entstehen Feindschaften. Die meisten sind eine Ehre, einige davon können aber auch gefährlich werden.
Zapp/NDR hat für heute nacht (23.20 h) einen Beitrag zum Thema angekündigt, von welcher Qualität ist noch nicht erkennbar. Es ist nicht immer alles schlecht, was die Kolleg*inn*en machen,
Mehr Denk- und Schreibarbeit als ich hat sich Stefan Niggemeier/Uebermedien gemacht, bitte hier entlang..

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