Donnerstag ist der höchste Beueler Feiertag. Der Tag, wegen dem auch die andern 364 Tage im Jahr am Rathausvorplatz kein Gänseblümchen eine Chance hat, geschweige denn richtige Sauerstoffproduzenten. Solche lebenden Sichtbehinderungen, woanders unter der Bezeichnung “Pflanzen” bekannt, könnten die Feierfreude des alkoholverglasten närrischen Volkes beeinträchtigen, auf die Wäscherprinzessin und den ganzen kommunalen Adel dieser Stadt. Früher war das der einzige Tag, an dem Beuel in der Tagesschau erschien. Aber diese aufwendige Fahrt von Köln nach Bonn ist in den letzten Jahren gestrichen worden – was soll das Kamerateam denn trinken? Im Köln zum Alter Markt können sie besoffen zu Fuss gehen. Immerhin ist hier in Beuel schon zu sehen: die Fluchtwege sind fertig. Wenn Sie also Donnerstag aus Versehen hier sind; Fluchtweg ist wie immer in Deutschland nach Westen, der Sonne entgegen. Klüger wäre, Sie kaufen am Mittwoch Vorräte ein – Donnerstag wird, wenn überhaupt, alles nur gegen Topzuschlag verkauft. Olivotti hat seinen Ruhetag auf diesen Feiertag gelegt, Mittwoch ist also ausnahmsweise geöffnet. Und auf die Kanaren fliegen gibt Ärger mit Ihren Kindern – damit versauen sie sich ihre persönliche Klimabilanz für das ganze Jahr.
Donnerstag werde ich also noch länger als sonst im Bett bleiben, Sonne hin oder her. Macht Sie das eigentlich nicht nervös, dass Februar der neue Mai ist? Und wenn ich es bestellen könnte, möchte ich diesen Traum von Wiglaf Droste träumen, den er anscheinend im Krankenhaus hatte. Dort ist ihm mitten in der Nacht Vincent Klink erschienen. Wenn der hier im “St. Josef” kochen würde, würde ich mich sofort einweisen lassen. Aber das Wachwerden danach muss fürchterlich sein ….

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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