Göttinger Friedenspreis

Von , am Freitag, 8. März 2019, in Politik.

Der öffentliche Diskurs um Israel, Palästina, Zionismus und Antisemitismus ist mir persönlich wegen seines weitgehend ritualisierten – in meinen Augen sehr deutschen – Fanatismus zuwider. Wo ich kann, halte ich mich von ihm fern. Israelis und Palästinenser*innen bedaure ich dafür, dass ihre Menschen- und Bürger*innen*rechte durch die häufigen Kriegszustände massiv eingeschränkt werden. Krieg und freier öffentlicher Diskurs können nicht wirklich koexistieren.
Die Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste arbeitet seit ihrer Existenz an exakt diesem schwer lösbaren Problem. Als ich als 18-jähriger Kriegsdienstverweigerer 1975 darüber nachdachte, wo ich meine Zivildienst machen sollte, geriet sie in mein Blickfeld und meine engere Wahl. Im Zivildienst selbst erlangte ich Bekanntschaft mit Hildegard Zumach, damalige Chefin der Evangelischen Frauenarbeit. Und einige Jahre später mit ihrem Sohn Andreas, der die Aktions Sühnezeichen/Friedensdienste, gemeinsam mit dem leider verstorbenen Volkmar Deile, im Koordinierungsausschuss der Friedensbewegung vertrat.
Es war der Beginn einer politischen und persönlichen Freundschaft. Ich kam von den Jungdemokraten eher über eine antiklerikale Schiene. Aber die Verschiedenheit ist wohlverstanden eine wichtige Stärke politischer Bündnisse – eine nach meinem Gefühl aussterbende Einstellung.
Das war jetzt eine lange Vorrede. Sie soll begründen, warum ich meinen Extradienst-Mitautor Andreas Zumach für einen der integresten politischen Köpfe in unserer politischen Öffentlichkeit halte – nicht biegsam, kein Parteisoldat, ein Dickkopf, aber der Vernunft immer zugänglich, und absolut verlässlich. Auf so einen Sohn kann seine alte Mutter stolz sein.
Andreas ist seit Wochen zu sehr grossem Aufwand gezwungen, um seine Arbeit als Jury-Vorsitzender des Göttinger Friedenspreises zu vertreten. Hier gab es gestern einen DLF-Beitrag zu der Kontroverse, der sie nach meinem Eindruck fair für alle Beteiligten darstellte, und ermöglicht, eine eigene Position zu finden. Die redaktionelle Anmoderation liess diese Freiheit nicht – aber das ist ein Problem des DLF.

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