Es gibt eine neue “Schule” in der Finanzpolitik, die aus deutsch-dogmatischer Austeritätssicht des Teufels ist. Und wie ihr englischer Name schon sagt, kommt sie aus der Sphäre der angloamerikanischen Wirrköpfe, die es an den meisten deutschen Ökopnomielehrstühlen schwer hätten, eine befristete Assistent*inn*enstelle zu ergattern: die “Modern Monetary Theory”. Hier wird sie in einem FAZ-Gastbeitrag von Dirk Ehnts verteidigt, Hier ging vor einigen Wochen der oxiblog darauf ein. Mein Fazit: welche Finanzpolitik funktioniert, ist am Ende immer eine Frage der Vertrauens. In der Zuteilung von Vertrauen bleibt die Macht extrem ungleich verteilt. Der grösste Schuldner der Welt sind die USA. Die können das so weiter treiben, so lange ihrem Dollar vertraut wird.
Demokratie in der EU noch nicht zuhause
Auf solches Vertrauen bleibt auch der Euro angewiesen. Doch Vertrauen ist in Europa sein seltenes Gut. Herrschende vertrauen sich nicht untereinander, und den Beherrschten schon gar nicht. Die bedanken sich am 26. Mai. Wie wenig das EU-System mit Demokratie verwandt ist, beklagt hier Harald Schumann/Blätter.
München21 – eine Medienblamage
Wenn es darum geht, Baumafiosi mit Aufträgen auszulasten, gib es in Deutschland keine Austerität mehr, sondern Hemmungslosigkeit. Nach Stuttgart21 und neben der Fiktion eines Berliner Flughafens, läuft in deren Windschatten München21. Das hat bisher noch weniger Aufmerksamkeit erregt, als Hamburg-Altona. Und das ist “nebenbei” ein veritabler Medienskandal. Wenn es eines Beweises bedarf, dass Medien privater Milliardäre die Menschen noch dümmer machen, als öffentlich-rechtliche Anstalten und asoziale Internetplattformen, hier ist er. Die Redaktion der SZ muss sich fragen lassen, wie tief sie im Angesicht solcher Löcher in ihrer Stadt noch fallen will.
Sibylle Berg & Isabelle Lehn
Nachdem ich gestern auf pornoguckende und darüber schreibende junge Frauen aufmerksam geworden bin, berühren mich heute zwei damit zusammenhängende Texte. Melanie Mühl/FAZ berichtet über eine Lesung mit Isabelle Lehn; Eva Behrendt/taz bespricht “GRM”, den neuen Roman der von mir geehrten Kolumnistin Sibylle Berg. An letzteren traue ich mich nicht, weil ich mich vor dadurch ausgelösten Depressionen fürchte. Die Mehrheit der Frauen rätselt über die Pornoabhängigkeit vieler Männer. Ich meinerseits rätsele über die Feinschaft kluger, schöner – nicht selten zu dünner – Frauen mit ihrem Körper.
Wie anders bei Männern. Knapp 30 Jahre war ich krankheitsfrei mit sporadisch übersteigerten Gefühlen der Unverwundbarkeit, und das bei gleichzeitiger Ablehnung jedes Leistungssports (der ist nachweislich zu gefährlich). Aus dem Alter bin ich mittlerweile raus. Zipperlein und Gebrechen, vielerlei körperliche Unleidlichkeit häufen sich, das eine oder andere Ersatzteil wurde aus- oder eingebaut. D.h. ich habe Konflikte mit meinem Körper auszutragen, die viele Damen ihr Leben lang austragen. Schade.
Denn gerade weil die Welt so viele Ärgernisse bereits hält, ist es wichtig, dass wir Kräfte für ihre Bewältigung sammeln. Diese Kraft ist nur durch Genusserlebnisse zu gewinnen. Sex, Essen und Trinken, Künste aller Art, und je nach persönlicher Neigung, sind notwendige Bedingungen fürs Überleben. Die genannten Damen lassen uns mutig daran teilhaben – ich wünsche sehr viel Glück und Erfolg dabei.
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