Bertelsmann&WDR: Hand in Hand

Von , am Dienstag, 16. Juli 2019, in Medien, Politik.

Ich gebe zu, ich habs wie die meisten gestern Abend nicht geguckt. Die ARD bebilderte mit einem vom WDR zu verantwortenden Film die Bertelsmann-Studie zum massenhaften Schliessen von Krankenhäusern, die jetzt, in der nachrichtenarmen Zeit, auf allen Medienkanälen rauf und runter genudelt wird. Ich habe zu den 2,5 Mio. gehört, die nach der Tagesschau auf andere Kanäle geflohen sind. Wenigstens hat die Bertelsmann-Reklame zusammen mit dem Plasberg der ARD den Einschaltquotenabend ordentlich verhagelt (… wenns schon draussen nicht mehr regnet …).
Aufschlussreich sind dennoch einige Nachbetrachtungen zu diesem lehrreichen Vorgang über Medienmacht und Profitinteressen. Zum Einstieg empfehle ich diese Gesamtbetrachtung des Oxiblog zur Privatisierung im vereinigten Gesamtdeutschland, die dem deutschen Grosskapital in Konkurrenz zu anderen (EU-)Ländern eine beträchtliche, kräftigende Sonderkonjunktur bescherte. Und weil das so schön war, wollen sie, das Grosskapital, dass es am besten ungehemmt so weiter geht.
Neben dem bereits gesellschaftlich umkämpften Immobiliensektor, mit seinen Geldwäschegelegenheiten und seinen traumhaften Extraprofiten, haben die Investor*inn*en die Kranken- und Altenpflegebranche, einen der letzten Märkte mit ausserordentlichen “Wachstumspotenzialen”, fest in ihrem irren Blick.
Nun zu dem gestrigen ARD-Film. Wie erwähnt guckten ihn nur 2 Mio. (immer noch doppelt so viele wie am Samstag diesen 1a-Film von Andrea Schültke über sexuellen Missbrauch im Breitensport), das waren bescheidene 7% Marktanteil, und weniger als halb so viele, wie unmittelbar zuvor die Tagesschau (4,5 Mio.). Ich war nicht dabei, und bereue das nicht. Ich las heute diese Betrachtung von Tobias Bevc/telepolis und diesen gewohnt-heftigen Verriss von Jens Berger/nachdenkseiten. Bergers Hinweis auf die Begrenzung des Filmblicks auf einen Ballungsraum wie Köln kann ich nachvollziehen. Gesehen habe ich nämlich vor einigen Wochen einen NDR-Film (nicht mehr in der Mediathek) über Krankenhausschliessungen in Ostfriesland zugunsten einer Zentralklinik in Georgsheil. Dort kenne ich mich durch häufige Fahrradurlaube ein wenig aus, und ja: die Wege können sehr weit sein.
Tobias Bevc wies nun auf den Aufsichtsratssitz von Brigitte Mohn bei der privaten Rhön Kliniken AG hin, die – was für ein Zufall – auch Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung ist, deren Studie in dem Film bebildert wurde. Wenn ich mir die Eigenpräsentation der Längengrad-Filmproduktion, die für den beauftragenden WDR die Arbeit gemacht hat, anschaue, hätte ich eigentlich mehr kritische Qualität erwartet. Wer weiss, was sich da wieder alles abgespielt hat.
Denn ein Detail musste ich entdecken, das weder bei Bevc noch bei Berger erwähnt wird: ein weiteres prominentes Aufsichtsratsmitglied des Krankenhauskonzerns Rhön-Kliniken AG ist Dr. Katrin Vernau, im Hauptberuf Verwaltungsdirektorin des WDR, also die, die die Überweisung an die Filmproduktion abzeichnen muss. Und “über” ihr im WDR nur der Intendant.
Hmm, ist es oft noch einfacher gestrickt, als alle denken? Gut sieht jedenfalls anders aus.

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