Wie schon mehrfach erwähnt, halte ich mich von deutschen Gefechten um Antisemitismus, Israel und den Nahostkonflikt gerne fern – weil es sich mehr um Gefechte als Diskurs handelt. Und zur Problemlösung selbst sowieso nichts beiträgt. Bei Ahmad Mansour und Micha Brumlik sieht das anders und entschieden besser aus.
Von Mansours Auftritten, auch hier in Bonn, ist mir berichtet worden. Demzufolge handelt es sich bei ihm um einen unermüdlich gegen nutzlose Polarisierungen kämpfenden und streitenden Aufklärer. Dieses Bild bestätigt mir sein aktueller taz-Text. Insbesondere seine Hinweise auf politische Handlungsmöglichkeitem der Araber*innen in Israel sowie das nutzlose Sektierertum zahlreicher liberaler und linker Parteien in Israel halte ich für lehrreich. Der rechtsradikale Haudegen Netanyahu kann ausfressen was er will – seine dummen Gegner*innen rollen ihm beständig den Weg zur Macht aus. Die kämpferischere Opposition scheint in Israel die dritte Gewalt, die Justiz zu sein. Weggelassen hat er die zuweilen unappetitlichen Einmischungen israelischer Regierungen auf die palästinensische Seite zugunsten der Hamas – ein “leichterer” politischer Gegner – militärisch jederzeit schlagbar – als die international anerkannte aber leider fast vollständig korrumpierte Fatah-Regierung in der Westbank. Wo ich Mansour nicht mehr folgen kann, ist, wo er die Welt gleich komplett erklären will (Ausflug nach Spanien) und eine festgefügte Definitionsmacht über Extremismus und Antisemitismus für sich proklamiert.
Genau gegen diesen selbstgewissen und Andersdenkende kujonierenden Gestus wendet sich Micha Brumlik in seinem Beitrag für die Blätter. Brumlik kenne ich schon seit vielen Jahrzehnten (mehr oder weniger aus der Ferne, Kongressteilnahmen, Speisewagenfahrten). Und immer gewann ich den Eindruck: der Mann hat einen gut funktionierenden Kompass. Streit mit ihm kann hart und anstrengend sein, gerade weil er intellektuelles Niveau nie verlässt. Möge er noch lange mit uns kämpfen.