Nur noch kabarettistisch ist die “Wissenschaft” zu bewältigen, mit der Fußballfans forschen müssen, welches Spiel auf welchem Medienkanal läuft. Und welches Abo sie dafür benötigen, wie grosszügig ihnen dafür das Fell über die Ohren gezogen wird. Das Geld zählen anschliessend ausschliesslich die Proficlubs der Herren. Die Frauen werden verramscht. Für die hier zu skizzierende Alternative war vermutlich die Gründung der DFL schon der entscheidende Fehler.
Heute braucht niemand mehr kapitalschwere Medienkonzerne, um bewegte Bilder in die Welt zu senden. Das kann jede*r Schüler*in selbst. Fast jeder Sportverein hat medienkompetente Jugendliche in seiner Mitgliedschaft. Auch die Wissenschaft vom Sprechen und Kommentieren ist schnell erlernbar. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) als angeblich grösster Verband der Welt könnte also alle seine Spiele und Ereignisse selbst verfilmen, selbst senden und selbst vermarkten. Heute lässt er den dabei entstehenden Mehrwert mutwillig andere einstreichen: Medienkonzerne, Rechtehändler, Agenturen. Dieses Business ist extrem korrupt und kriminell. Ganz schön blöd. Der Fußball fremdernährt eine ganze Industrie, statt die Werte, die er produziert, selbst einzustreichen und demokratisch, wie es in einem guten deutschen Verein rechtlich geregelt sein müsste, zu entscheiden, wie es verteilt und investiert wird.
Ein schöner Nebeneffekt wäre, dass auch die uns gehörenden öffentlich-rechtlichen Medien so eine starke Entlastung ihrer angespannten Haushaltssituation erführen. Sie könnten sich nicht mehr am Wettbieten beteiligen, weil es keins mehr gäbe. Und das dabei freiwerdende Kapital z.B. in Journalismus investieren. Nur mal so als Idee …
Ein DFB-eigener TV-Sender und Streamingdienst könnte sowohl Einzelereignisse und Höhepunkte national und international einzelvermarkten, als auch fankompatible Flatratepakete (bestimmte Vereine, bestimmte Ligen, oder auch alles komplett, so wie bei der Bahncard100) anbieten. Wenn die DFL nicht mitmachen will, muss sie gezwungen werden. Eine schöne Aufgabe für die*den neue*n DFB-Präsidentin*en.
Dieses System liesse sich europa- und weltweit ausbauen. Obwohl: um die mafiösen Beziehungen von Uefa und Fifa zu Medienkonzernen und Feudaldiktaturen auf diese Weise aufzulösen, zugunsten des Sports und seiner Mitglieder, wäre wohl von EU und UNO der Einsatz von Polizei und Militär erforderlich – immerhin für beide mal eine sinnvolle Aufgabe.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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