USA – gemanagt wie eine Pommesbude

Von , am Mittwoch, 11. September 2019, in Medien, Politik.

Er ist weg. Ein Segen. Schwer zu beziffern, wieviele Menschenleben dadurch gerettet wurden. Aber ein Grund zum Abregen ist es leider nicht. Zumal er sich nicht weit entfernen wird. John Bolton, soeben von Trump gefeuerter “Sicherheits”berater, wird gewiss als hochbezahlter, hetzender Lobbyist weiter sein Unwesen treiben.
Die Umstände seiner Demission sind nicht vertrauenerweckend. Im Gegenteil illustrieren sie, warum das, was früher “der Westen” genannt wurde, zerfällt. Mit dieser Administration sind gemeinsame Interessen nicht mehr definierbar. Die Währung Vertrauen ist abgeschafft. Es kann nur darum gehen, sich nicht erpressbar zu machen und über den Tisch ziehen zu lassen, von einer noch starken, aber absteigenden Macht. Die realistischen Rechten bei US-Republikanern und -Demokraten sowie in den ihnen meist nahestehenden Medien sehen das Unheil und finden kein Gegenmittel. Die Atlantiker*innen in Europa sehen sich gezwungen, sich politisch für ein Ufer des Ozeans zu entscheiden.
Weltpolitisch gesehen gibt es jedoch nicht nur einen Ozean, in den mensch fallen kann. Das wissen diejenigen, die mit den Beziehungen zur aufsteigenden Weltmacht China beschäftigt sind. Hiesige Medien fliegen auf die vereinfachenden Geschichten von tapferen Demokrat*inn*en in Hongkong, die sich gegen das böse Regime in Beijing wehren. In ihrer Unerfahrenheit vertrauen die auf das gesprochene Wort in Ländern, deren bürgerliche Freiheitsrechte sie sich auch wünschen. Das erinnert gefühlig an die DDR-Bürger*innen*bewegung, die derzeit 30. Jahrestage feiert, und sich heute durch und durch desillusioniert zeigt. Die Erde hat sich seitdem turbulent weitergedreht.
In der Politik zwischen Staaten kommt mann und frau mit wörtlicher Übersetzung nicht weit. Was ist gemeint? Aus welchem Interesse heraus wird so gesprochen? Worauf soll es hinauslaufen? Wer ist Spieler*in, und wer nur Spielkarte? Wie da von Deutschland aus mit Hongkong “gespielt” wird, das bereitet nicht nur in Beijing Unbehagen. Ein öffentlicher Diskurs hierzulande dazu steht noch aus, kritische Betrachtungen sind kaum zu entdecken.
Ist es ein Vorteil für Beijing, dass die dortige Regierung noch weniger auf Transparenz angewiesen ist? Wer sich als angehende und wachsende Weltmacht betätigt, wird zur Selbstveränderung und Weiterentwicklung gezwungen. Ein in hiesigen Medien unbeachteter Konflikt in Kasachstan, paradigmatisch für die “One Belt – One Road”-Strategie, wird von deutschen Regierungsberater*inne*n aufmerksam beobachtet und analysiert.
Mehr als ein Ozean, mehr Farben als Schwarz und Weiss, nichts für binäres Denken.

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